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und in der chevaleresken Haltung, die es sichgiebt, sein Princip des Schönen und Wahreneinkleidet. Die Romane der Frau von Paal-zow haben die vornehme Sphäre, aus der sieerzeugt und für die sie berechnet sind, an: unge-trübtesten und reinsten für sich, aber es fehltihnen das höhere Talent, um diese Lebenssphäreso zu befruchten, daß es zu etwas Erheblichemdabei kommt. Mit dem reinen Adel des HerrnA. von Sternberg sieht es dagegen schon umVieles schlimmer aus,— ich rede natürlich nichtvon seinen Ahnen, welche mich und die Literaturnichts angehen, sondern von der vornehmenRichtung, zu der er sich das Musenpferd zuge-ritten bat. Abgesehen von den plebejischen Sei-rensprüngen, welche dies Musenpferd nur garzu häufig macht, ist auch die ganze literarischeThätigkeit A. von Sternberg's keineswegs einewahrhaft vornehme und adelige, wie man diesder Schreiblust der Verfasserin von Godwie-Castle zugestehen kann. Diese Dame beobachtetschon durch ihre Anonymität (welche doch daserste Erforderniß bei der vornehmen Literaturscheint!) eine gewisse anständige Zurückgezogcn-heit, und tritt dadurch in eine Distanz zum grö-ßern Publicum, wie es die gute Lebensart ver-langt und wie es mit Rücksicht auf die Kreise,denen sie angehört, sich geziemt. Dies, unddann der Umstand, daß nur in abgemessenen undläna eren Z wischenräumen etwas von ihr er-scheint, bildet eine gewisse Keuschheit der lite-rarischen Mittheilung, die ihrem Typus getreubleibt. A. von Sternberg dagegen, der größteVielschreiber unserer Zeit, ist mit der Vornehm-heit seiner Romane auf allen Gassen und Stra-ßen der Literatur, auf allen Tanzböden unsererheutigen Belletristik anzutreffen. Man muß ge-stehen, daß das aristokratische Musenpferd da-durch bedeutend abgetakelt werden muß, indemes als Miethsgaul der Buchhändler zu jedemKirmeß gehetzt wird. Fast in jeden: belletristi-schen Journal und in jedem Taschenbuch, in dergemischtesten Gesellschaft, begegnet man den:Namen A. von Sternberg, und meistentheils mitjenen hübsch abgerundeten und prägnant vorge-tragenen Erzählungen, in denen das Wesen undTreiben kleiner Höfe und überhaupt ein gewissesaristokratisches Kleinleben so meisterlich spielt,ein Thema, das sich freilich durch die allzuhäu-fige Benutzung immer mehr bei ihm abgeplattetund verdünnt hat. Sind es aber nicht Prinzenund Prinzessinnen, diplomatische Grafen, Jntri-guants aus der guten alten Zeit, Ministersöhneund Maitressentöchter, darunter ein höher stre-bender Jüngling, der einige Bande lang so thut,als wenn er Geist hätte, und auf dem letztenDruckbogen sich ebenfalls zu dem nichtsnutzigsten
Ceremoniell bekehrt —- ist es nicht solches Volk,so sind es auch Feen, Schäferinnen, ja selbstPapagayen, aus denen A. von Sternberg ganzeGeschichten macht, die, den Feudaladel an Alternoch übertreffende, Mährchenwelt ebenso aristo-kratisch ausbeutend. Wie sehnt man sich doch,dieser anspruchsvollen und ausgespreizten Miffregegenüber, nach den Rittern, Geistern und Un-dinen Fouque's zurück, denen bei aller ihrerManierirtheit doch so viel poetische Begeisterung,so viel großes Gemüth und edle Schwärmereizum Grunde lag! Fouque's chevalereske Poesie istzuletzt verlacht worden, aber er war und ist den-noch ein wahrer Dichter, der Herz und Geist er-quickte, wahrend uns aus A. von Sternberg'stendenziösen Marionnetten am Ende nichts alseine naßkalte Oede des Gemüths entgegengähnt!
Sonst beschäftigten sich die Herren Baroneauf ihren Burgen mit ganz andern Dingen, alsRomane für die Leihbibliotheken zu schreiben.Ich gestehe auch, daß eine Fuchsjagd, die dochgewiß ein aristokratisches Vergnügen ist, höhe-ren Werth für mich hat, als ein aristokratischerRoman, welcher noch dazu so sehr nach dem Hand-werk schmeckt! Wie sehr müssen sich aber die Zeitengeändert haben, wenn jetzt ein Baron seine Ver-pflichtungen aus die Buchhändlermesse hat, die erjedesmal wenigstens mit einem halben Dutzendwohlbeleibter Bände bezieht. A. von Sternberglft ohne Zw eifel einer unsere r beschäft ig tsten A u-toren, der mit eurer Menge"von BuckbandlerrPin Verbindung steht, denn fast jeden seiner Ro-mane sieht man unter einer andern Verleger-Firma erscheinen, und dieser beständige Wechselder Flaggen mag seine Vortheile für die lite-rarische Industrie darbieten. Soviel ist gewiß,daß wir hier einen aristokratischen Schriftstellerhaben, der für den Gewinn arbeitet, und so sehenwir an dieser Erscheinung gewissermaßen einenIndustrie-Adel auch in der Literatur vor Augen.Wie aber in der heutigen socialen Welt nament-lich die industrielle Richtung der Zeit es ist,welche durch ihre Nivellirung der Standesunter-schiede alles Aristokratenthum am sichersten un-tergräbt, so muß auch, wie wir schon bemerkthaben, den vornehmen Romanen des Herrn vonSternberg das reine und achte Vollblut fehlen,eben weil sie zu sehr als Jndustrieartikel aufden Tagesmarkt treten. In: Vergleich mit derVerfasserin von Godwie-Castle, müssen wir esdaher, zu unserm größten Bedauern, den: Herrnvon Sternberg vor allen Dingen absprechen,daß er ein wahrer Vollblutsschriftsteller ist,sondern seine Bücher sind aus gemischter Racegezeugt, wie wir nachher auch in einer andernBeziehung nachweisen wollen. Sternberg ist derwahre Rococo-Schriftsteller unserer Zeit, welcher
nämlich das Rococo als Modesache betreibt unddaher selbst aus neumodischen: Stoff alterthüm-liche Formen sich zuschnitzt. Wenn die Verfasse-rin von Godwie-Castle in ihren Romanen eineneue Draperie des alten Plunders giebt, so findetman dagegen in den von Sternberg'schen Büchernhäufig eine altmodische Draperie des neuen Plun-ders, welcher Plunder denn die Ideen der modernenZeit sind, die dem Herrn von Sternberg keines-wegs gänzlich fremd geblieben, welche aber nichtanders als in dieser Nococo-Verplunderung, denzerfetzten Leib mit schönen alten Goldtressen be-hängen, bei ihm wiedererscheinen. Dies ist derausgeklügelte und raffinirte Charakter der Stern-Lerg'schen Romane, denen man eine Schwärmereifür das, was ihre Richtung ist, gewiß nichtvorwerfen kann, denn zur Schwärmerei gehörtGlauben, und zum Glauben gehört Kraft, aberdiesen künstlich zusammengeschrobenen Produktensieht man es an ihrer kraftlosen Miene an, daß siean ihr eigenes Princip keinen Glauben haben.Ein Sternberg'scher Roman ist kein Schwärmer,sondern ein kalter Klügling, der, ausgelernt in denGenüssen und Formen des Lebens, Lebenszu-stände wie Kartenblätter mischt, beständig ge-langweilt durch die eigene Ueberzeugung, daßbei dem ganzen Spiel nichts herauskommenwerde. Diese Poesie ist jenes vornehme Gäh-nen, das mit seinem eigenen Lebensüberdrußprunkt und sich ebendeshalb für vornehm hält,'weil es mit so vieler Manier ffakM.' Solltediese Art von Schriftstellerei, die sich doch inmehr anerkannten und loyalen Sphären der Ge-sellschaft bewegt, nun wohl geeignet sein, derLiteratur mehr Gunst bei den höheren Staatsbe-hörden zu erwecken, und somit ein Gegengewichtgegen ihre demagogische Verdächtigung in dieWagschale der Zeit zu legen, was doch immernützlich wäre und ihr gedankt werden müßte, dazur Versöhnung der Regierungen wenigstens mitden: Begriff der Literatur jeder Schritt, aufwelcher Seite er auch geschehe, von guten Fol-gen werden könnte? Aber das kann wenigstensvon der Schriftstellerei des Herrn A. von Stern-berg nicht gesagt werden. Das oben erwähnteHalbblut, welches in diesen: Autor lebt, spieltihn: selbst die unangenehmsten Streiche, indem. es seine Mischrace vornehmlich dadurch bewährt,daß es, sich selbst ungleich, häufig in sein eige-nes Gegentheil sich verkehrt. So geschieht esdiesem Schriftsteller, daß er in diejenigen Rich-tungen, denen er durch seine Romane gegen-übertreten will, häufig selbst verfällt, und daßer in denjenigen Ideen der Zeit, die er anzugrei-fen trachtet, selbst, wider Willen und Bewußt-sein, sich befangen zeigt, mithin sich selber un-aufhörlich ironisirt. In dieser Art erweist er