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allein ist es erklärlich, wie sie den neuen Fürstenvon einer Geldforderung zur andern getriebenhaben, bis endlich die Nation, aller ihrer Liebezur Ruhe ungeachtet, voll Entrüstung die Un-gestümen zurückwies und an dem Glück einermonarchischen und konstitutionellen Regierungzu zweifeln anfing. Die Kunst, mit nie er-müdender Gewandtheit Partei gegen Partei zustellen und auf diese mechanische Weise dasGleichgewicht zu erhalten, hat sich nun voll-ständig abgenutzt und ein neuer höherer Geistfängt schon an durchzubrechen.
Ob die Monarchie noch wird gerettet werdenkönnen, hängt lediglich davon ab, ob sie sichentschließen kann, mit Aufrichtigkeit innig mitder Freiheit sich zu verbinden, ihre bisherigematerielle Operationsbasis zu verlassen und einemoralische und geistige Stellung einzunehmen.Es ist zwar viele und kostbare Zeit verloren ge-gangen, was allein der Charakterlosigkeit derDoctrinairs zur Last zu legen ist, welche in derTheorie die Nichtigkeit dieser Ansichten anerkann-ten , in der Praris aber es für bequemer fanden,den materiellen Genüssen und Verführungen derHofpartei nachzugeben. Als auch sie von ihrverrathen wurden, traten sie zwar der allgemei-nen Coalisation bei, die gerechte Geschichte wirdes aber hervorzuheben nicht unterlassen, daß eswieder mehr aus Eigennutz, als aus wohl ver-standener Ergebenheit gegen die Dynastie undaufopfernder Vaterlandsliebe gesehen ist.
Jetzt ist die Lage schon bedenklicher und nurder neue Minister-Präsident Thiers vermag die
in welcher der König es auffaßt und zu behauptensucht."
Sollte die auswärtige Diplomatie nicht auch ihrenAntheil an dieser verkehrten Stellung haben? Dar-über schweigt die allgemeine Zeitung. Sie hätte sichdamit aber um so mehr beschäftigen müssen, als dieseThatsachen der Vergangenheit und nicht derZukunft, die sie sehr scheut, angehören. Besserals alle diese Krebs -Publiciftik wäre es un-streitig gewesen, wenn sie Louis Philipp vordieser doppelten Klippe freundschaftlich gewarnt hätte.
Wir können aber der Redaction den Beweis füh-ren, daß sie vor mehreren Jahren Artikel gestrichenhat, worin behauptet wurde, daß dies Treiben derneuen Dynastie gegen die Kammern und die Nationmit der Zeit das Ansehen der Monarchie ganz unter-graben und vielleicht selbst eine neue Revolution undeinen allgemeinen Krieg herbeiführen müsse. Dererste Theil der Prophezeihung ist bereits eingetretenund den zweiten wird das neue parlamentarische Mini-sterium, wenn man es nicht wieder dupirt, gewißabwenden. Im entgegengesetzten Falle bleiben alleSchleusen zu einer neuen politischen Sünd-fluth geöffnet.
Schlüßlich müssen wir noch bemerken, daß unserAufsatz schon ganz niedergeschrieben war, als wir(am 1,4. März) die oben angeführten Ansichten lasen.
jüngere Dynastie noch zu retten. Die Liebe derSkation ist dahin und ihre offenen und geheimenFeinde sind zahlreich, wie die gegen die direkteEinmischung der Hofpartei gerichtete letzte Adresse,sowie die Verwerfung des neuesten Apanagen-Gesetzes hinreichend bekunden. Die alten Ein-theilungen der französischen Deputirten-Kammerhaben ihre Bedeutung gänzlich verloren, dieselbezerfällt vielmehr in zwei große Fractionen:solche, welche die jetzige Dynastie aufrichtigwollen, wozu das rechte und linke Centrum,Doctrinairs und Tiers-Partie gehören; undsolche, welche sich zur Einsetzung eines neuenRegenten durch einen Kammerbeschluß wohl ver-stehen würden, eine Meinung, welcher die Legi-timsten und heimlich auch die linke Seite ange-höret:, weil sie wohl wissen, daß ihnen dieVolksmeinung beistimmen würde. Indessen bisjetzt kann der gegenwärtige Minister - Präsidentauf eine Mehrheit in der Kammer rechnen, weilihm die 70 bis 80 Stimmen des Centrums, diejeder bestehender: Gewalt blind zu folgert Pflegenund die man die Freunde der Mahlzeiten nennt,nicht entgehen können.
Ein schlimmer Umstand bleibt aber immer dieWahl-Reform, die bereits im Volke tiefeWurzeln gefaßt und die man durch fortwährendeIntriguen und durch Mangel an moralischerHaltung muthwillig hervorgerufen hat. DieSache ist zu weit gediehen, als daß Thiersnicht für dieselbe etwas thun sollte. Hat er aberder allgemeinen Stimme nachgegeben, ist dasGesetz über einen so wichtiger: Gegenstand zuStande gekommen; so muß er auch nach demsel-ben eine neue Kammer Wähler: lassen. Würdenblos die Doctrinairs und die Tiers-Partie über-flügelt, so wäre das Unglück noch nicht sehr groß,indem das linke Centrum mit der linkenSeitesich vereinigen und Odilon-Barrotins Ministerium rufen und gerade dadurch dieschwankende Denkungsweise dieser Fraction fürdie jetzige Dynastie am bester: beseitigen könnte.Wer stehet aber dafür, nachdem man die Sachenso weit hat kommen lassen, daß nicht auchThiers nach der neuen Wahlordnung wirdüberflügelt und die republikanische Partei deräuß ersten L inker: unter Garnier-Pagesso sehr verstärkt werden, daß die linke Seite allerübrigen gemäßigter: Fractionen nicht mehr bedarf,um mit Sicherheit zur Herrschaft zu gelangen*).Daß auch unter diesen ganz veränderten Urnstän-
*) Diese Gefahr scheint man auch an der Donaurecht gut zu fühlen und bereit zu sein, das Ministe-rium Thiers zu unterstützen. Wenigstens ist es auf-fallend, daß Eckstein alle neuen Minister ohne Aus-nahme persönlich lobt.
den das monarchische Princip wird bei-behalten werden, ist wohl wahrscheinlich, weildasselbe mit Recht von den Mittelklassen als einUnterpfand der Ruhe betrachtet wird. In An-sehung der Personen kann jedoch bei der Beweg-lichkeit des Charakters der Franzosen, welche miteinem eigenthümlichen praktischen Sinne die sichdarbietenden Umstände schnell zu benutzen ver-stehen, kein Prognostikon gestellt werden.
Indessen hoffen wir für die Ruhe Frankreichsund ganz Europas, daß Thiers, der dieschwere Kunst verstanden hat, sich zu rechterZeit von der Regierung zurückzuziehen, unddadurch gezeigt hat, daß er ein vollendeter Staats-mann sei, auch Kraft genug besitzen wird, daseinmal aufgestellte Programm ohne Schwankenzu befolgen. Daß die Hofpartei mit ihren In-triguen gegen ihn abprallen wird, zweifeln wirkeinen Augenblick, ob er aber fähig sein wird,die Nation auf einen höher:: moralischen Stand-punkt zu erheben, ist eine andere Frage, derenBeantwortung wir der nächsten Zukunft anheimgeben müssen.
m.
Wenn wir die innere Stellung Frankreichsgenauer betrachten, so ergiebt sich von selbst,daß das parl amentarische Leben als voll-kommen gesichert angesehen werden muß. Wievor zehn Jahren die Regierung gegen die Presseunterlag, als Armand Carrel den ankom-menden Gensdarmen des Polizei - Präfecten dieBestimmungen aus dem Criminal - Gesetzbuchswegen Verletzung des Hausrechtes vorlas, undnach der Juli-Revolution deren Herrschaft nichtmehr bestricken wurde, in gleicher Art wird auchmit dein Jahre 1840 der gesetzliche Einfluß derfranzösischen National-Repräsentation auf immerbegründet sein. Die Schnelligkeit, mit welcherdas neue Ministerium zu Stande gekommen ist,beweist hinreichend, daß die Hofpartei den Kampfganz aufgegeben hat und sich vollständig für be-siegt erklärt hat. Gelingt es dem Minister-Präsidenten, die durch die Hofpartei so stark com-promittirte Dynastie zu retten, so wird sich voruns eine sehr interessante Erscheinung, wennauch langsam, doch mit Bestimmtheit entfalten.Wir werden die hohem Classen der Nation, diedurch den Absolutismus der frühern Regierungenso sehr entartet sind, sich nach und nach regene-riren und auf gleiche Stufe mit den hohemStänden anderer gesitteter Nationen erheben se-hen. Nur dann wird sich ein kräftiges inneresNationalleben in Frankreich gestalten und allegrößer:: Talente dergestalt in Anspruch nehmen,daß alle Eroberungs - Pläne gegen das Auslandin den Hintergrund treten müssen. Bis aber