Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
377
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die Kirchen-, Schul- und Gerichtssprache inNordfriesland hochdeutsch oder die deutscheSchriftsprache. Das Herzogthum Schleswig„ Süd-Jütland" (Sönder-Jülland — nichtSöder-Jülland — „Söd" heißt süß — „Son-der" oder „Sonden" aber süd) zu nennen, wieS. 509 geschieht, ist ganz unrichtig. Nurein Theil davon führte einige hundert Jahrehindurch diesen Namen, der aber mit Verlei-hung des Herzogthums an die Grafen vonHolstein 1326 (neu bestätigt 1386) und die eon-stitutio Wnldeinurmim, besonders aber seitder Constitution Christian I., 1660 ganz außerGebrauch gekommen ist. Seit dieser Verbin-dung Schleswigs mit Holstein ist der officielleName des Landes „ Schleswig " (dänischSleswig") und der König von Dänemarknennt sich selbst Herzog zu Schleswig,Holstein und Lauenburg. Seit jener Verbin-dung mit Holstein wird Schleswig von denDänen auch meistentheils mit unter dem Na-men Holstein befaßt und nur eine dänischpropagandistische Partei gefällt sich darin, denNamen „Sönderjytland" wieder aufzufrischen;von einem Mitgliede dieser Partei mag HerrBlanc denn auch seine irrigen Nachrichten er-halten haben. Daß S. 503 „Grafschaft"Lauenburg für Herzogthum steht, nehmen wirals einen Druckfehler. S. 510 ist Glück-stadt „die Hauptstadt Holsteins" genannt.Dafür hat Glückstadt eine Zeit lang gegolten,ist es aber lange nicht mehr, weder officiell,noch in der öffentlichen Meinung. Früher wardort der höchste Gerichtshof und die Regierungfür Holstein, auch war es Festung und einevon der Regierung viel begünstigte Stadt. DiesAlles ist vorüber, jetzt ist nur noch das Ober-gericht für Holstein dort (die zweite Gerichts-instanz), das Oberappellationsgericht für alledrei Herzogthümer aber in Kiel. Diese Stadtmüßte überhaupt als Hauptstadt Holsteins gel-ten und gilt auch in der öffentlichen Met-nung dafür, sowie Schleswig im HerzogthumSchleswig; officiell aber eristirt weder inHolstein noch in Schleswig eine Hauptstadt.Wir fügen nur noch die Bemerkung hinzu, daßin dem ganzen Artikel,,Dänemark" die statisti-schen Angaben sehr ungenau find, namentlichauch in Beziehung auf die Einwohnerzahl dereinzelnen Städte, die doch nach der Volkszäh-lung von 1835 hatte richtig angegeben werdenkönnen. In einer vierten Austage, die dasvielgebrauchte und im Ganzen sehr schätzbareWerk gewiß bald erleben wird, wird der Her-ausgeber schon die Volkszählung von 1840 be-nutzen können und eine Specialgeographie die-ser Lande, worauf die Herausgeber alle mög-

liche Sorgfalt wenden. Möge denn auch dieetwa beifolgende Karte besser ausfallen, alsdie der dritten Ausgabe beigegebene ausge-fallen ist!

Indem ich diesen Bericht schließe, wirdmir die Nachricht über das am 11. Mai er-folgte Ableben des lutherischen Predigers undVerfassers mehrerer theologischen Novellen,JohannChristoph Biernatzki in Fried-richstadt. Derselbe hat nur ein Alter erreichtvon kaum 45 Jahren, ist 19 Jahre lang Pre-diger gewesen auf zwei kleinen Pfarren, zuerstauf einer Hallig, dann an der lutherischen Ge-meinde in Friedrichstadt und starb, als dieRegierung ihn eben zu einer bedeutenden Stelleberufen, nachdem die öffentliche Meinung sichlängst für seine Beförderung ausgesprochen,mit Hinterlassung einer Witwe und sieben meistkleiner Kinder. Möge man nun an den Zu-rückgebliebenen thun, was man dem Geschie-denen schuldig geblieben! — Der litterarischeNachlaß Biernatzki's soll außer einer fast vollen-deten theologischen Novelle, verschiedene werth-volle Gedichte und Abhandlungen enthalten,die wahrscheinlich von einem Freunde des Ver-storbenen zum Besten der Familie werden edirtwerden.

Vermischte Nachrichten.

* Aus Hamburg. Auch hier beging mandas Buchdruckerfest am 24. Juni mit einer fei-erlichen Handlung, die jedoch nicht im Geringsten ei-nen Charakter der Oeffentlichkeit an sich trug, nochvon der hiesigen Bevölkerung mit irgend einem An-theil begleitet wurde, wie dies in andern deutschenStädten geschah. Dies beruhte bei uns keineswegsin irgend einem beschrankenden Einfluß, welchen etwadie Behörden ausgeübt hatten, sondern es liegt diesin dem Geist unserer Stadt, in welchem die merkan-tilen Hebel des Lebens zu gewaltig sind, um Guten-berg's Kunst anders als in einem untergeordnetenInteresse erscheinen zu lassen. Zur hiesigen Feierhatten sich Hamburg und Altona gleichmäßig verei-nigt. Das Fest wurde zu Hamburg in dem soge-nannten Apollotheater zuerst mit einer Morgenfeierbegangen, zu der etwa 1300 Eintrittskarten ausge-geben waren. Eine von dem Pastor Freudentheil ge-dichtete und von dem auch durch eine Oper bekanntgewordenen Componisten Heinrich Schaffer in Musikgesetzte Cantate begann die Feier. Die Festrede hieltHr. Pros. Wurm und sprach durch dieselbe denSinn aus, in welchem überhaupt das Gntenbergsfestin Hamburg begangen wurde, nämlich im libera-len. Die Hauptpartie seiner Rede betraf die beste-henden Censurverhältnisse, gegen deren Einrichtunger sich sehr beredt und mit schlagenden Gründen er-klärte. Sehr geschickt wies er an den naheliegend-sten Beispielen der Geschichte nach, wie die Censurniemals politische oder soeiale Uebel verhütet habe^sondern wie überall vor und bei dem Ausbruch der-selben keineswegs Preßfreiheit, vielmehr Censur ge- I

herrscht. Indem er die Censur als ein unsittlich wir-kendes Institut bezeichnete, weil es das Volk ab-stumpfe gegen die Unterschiede von Wahrheit undLüge, verband er damit die Frage nach dem erstenUrheber der Censur, welcher der Papst AlexanderVI. gewesen sei. Der Redner wurde an mehrerenStellen durch die lautesten Beifallsbezeugungen derVersammlung unterbrochen. Wenn auch seine Redemehr theatralisch berechnet als wirklich geistvoll undgründlich war, so verrieth sie doch in ihrem ganzenGeist eine gediegene und gehaltreiche deutsche Gesin-nung, der man seine Sympathie nicht versagen konnte.Nachher wurden im Beisein der Versammlung tech-nische Arbeiten des Buchdrucks vorgenommen, zuwelchem Zweck drei Pressen im Saale aufgestellt wa-ren. Den Abend fand ein einfaches Festmahl statt,an welchem es einige gute Toasts, unter denen aucheiner sogar dem Handel und der Schifffahrt galt, zuhören gab. Ein Toast des Herrn Professor Wir-bel auf die Schriftgießerei deutete das Antimo-nium, als Material des BuchftabengusseS, sehrsinnreich zu einem Vntimoine, Mittel gegen dieMönche, aus und entwickelte daraus noch mancherleierbauliche Folgerungen auch in politischer Hinsicht.Ein Ball, der zwei Tage darauf stattfand, beschloßunsere Gutenbergs-Festlichkeiten. —>

Die Eisenbahn von hier nach Bergedorf darfjetzt ihrer rascheren Förderung entgegensehen. ImGanzen ist die hiesige merkantile Welt den Eisenbah-nen eher abgeneigt, als daß ein vorwaltendes In-teresse dafür anzunehmen wäre. Charakteristisch ist indieser Hinsicht die Ansicht eines hiesigen Cisenbahn-Comit6 - Mitgliedes, die neulich bei einer Berathungzu Tage gefördert wurde. Als geäußert wurde, daßman in der betreffenden Angelegenheit, über derendurchgehenden Nutzen für die Gegenwart getheilteMeinungen herrschten, auch etwas für die Nachweltthun müsse, fragte dieses Mitglied: „wozu? washat denn die Nachwelt für uns gethan?

ch Posen, im Iuni. Die Gutsbesitzer derhiesigen Provinz beabsichtigen in Posen eine eigeneLandbank, verbunden mit einer Nentenablösungsbankfür bäuerliche Grundbesitzer zu errichten. Es ist diesschon früher einmal in Anregung gebracht worden,doch ohne Erfolg; jetzt ist der Entwurf zu den Sta-tuten dieser zu errichtenden Bank in einer zweiten,von der ersten wenig verschiedenen Ausgabe erschienen.Jedoch ist auch jetzt wenig Hoffnung vorhanden, daßdieses Projcct zur Ausführung kommen werde, da,wie es hier verlautet, die berliner Hauptbank hier einComptoir eröffnen wird.

Ein zweites, sehr lobenswertstes Projekt ist daszu einem Verein für vaterländische (polnische) Alter-thumsforschung. Der Zweck desselben wäre kurz fol-gender: „Die zum Theil an bekannten Orten in derErde verborgenen, zum Theil unbeachtet der Zerstö-rung preisgegebenen Ueberreste aus alten Zeiten aneinem Orte zusammen zu bringen; die an vielenOrten im Lande zerstreuten geschichtlichen, oft an-tiquarisch wichtigen Denkmäler kennen zu lernen; sel-tene und wenig bekannte polnische Schriftwerke, Ge-mäloe und Kunstwerke aus früheren Jahrhunderten,die Ortssagen, VolkSmährchcn, Volkslieder und Tra-ditionen aller Art zu sammeln — und dieses alles danndem Publikum durch den Druck mitzutheilen." Dereine Ort soll die kleine obskure Kreisstadt Samtcrwerden. Warum man Posen diese Ehre entziehen