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den die hergebrachten Namen Poesie und Wirk-lichkeit nicht passen. Ich fühle, daß ich jetztüber beiden stehe. Das Manuskript, dem ichso vielen Dank schulde, scheint mir übrigensallzu wirklich und portraitartig, um die Ver-muthung zuzulassen, daß etwas darin oder garder größere Theil erfunden wäre. Die einzel-nen Züge haben mehr als plastische Wahrheit.
„Nun, das nenne ich eine feine poetischeSpürnase!" riefRoderich aus. „Also wollenSie gar dem Portrait auf die Spur gekommensein?" — Und wenn ich in meiner kühnenIndiskretion noch weiter gehen darf, so habenSie selbst das Werkchen geschrieben. — „SolcheFrage scheint allerdings die Grenzen der Dis-cretion zu berühren. Sie wissen, daß ich einegroßeScheu vor allem Schriftlichen habe. Aberlassen Sie uns gehen zu dem heiteren Wirths-hause am Wasser, wo jenes Manuskripts zuerstgedacht wurde. Dort vielleicht die Fortsetzungjener Mittheilungen. Und Sie? " — Ich binglücklich und voll Hoffnung.
Zur Jubelfeier der Buchdrucker-kunst.
Skizze ihrer Entwicklung in der Schweiz.Vom Professor Dr. Trorler.
(Beschluß.)
4) Die Druckereien zu Burgdorf, Rou-gemont, Genf, Zürich, Luzern, Bern,NeuenLurg, Lausanne, St. Gallen,Schafhausen, Freiburg u. s. s.
Burgdorf, eine kleine, aber nette Stadtan der Emme, mit einem Schloß von weitherrschender Aussicht, das einst mächtige Für-sten bewohnt und dessen Geschichte sich in dasDunkel der Merowingerzeit verliert, liegt imKanton Bern. Hier ward früh eine Buchdru-ckerei angelegt, nächst Beromünster und Baselwohl die erste in der Schweiz. Im Jahr 1475ward da verlegt: Iractalns ds ^pparitionibn8snimarmn po8t Lxiturn eurum u Oorporibu8 stde surundem receptsculm sditu8 in Lrdkordiunlr excelientissimo viro llucobo d s OInss,Orckinis 6g,rtu8ien8i8 8a.cras pa^inas?rofs88orsdocti88imo. Der Traktat enthält nur 26 Blat-ter. Die Typen sind ablang sehr dicht gesetzt,wie es scheint, geschnitzt. Die Anfangsbuch-staben, Custoden, Signaturen und Blätter-zahlen mangeln und überall kommt kein Unter-scheidungszeichen vor als das Punctum. Mitgleichen Typen, aber ohne Angabe des Orts,Jahrs und Buchdruckers sind noch vorfindlich:I^s^enda 8. WollvnvFi, 8ei-mo 81. Uernlmrdi
ds bumans ini8eria, Nstbioli keru8ini medial1ractÄtu8 de memoria nuFenda per UeFuIu8et Medicinen. Dieselben Formen, womit dieseSchriften gedruckt sind, finden sich auch in Aus-gaben, welche zu Straßburg und Eß-lingen sind gemacht worden. Nach Heideg-gers Untersuchung ist es daher zweifelhaft, obdie Burgdorfsche nicht auch noch auf die eben-falls anzeiglosen Werke: 8uFoui8 a, 8t. VictorsDidÄ8caIion ds 8tudio IsASndi, ketri Ooms-8tori8 8coIn8ticn Hi8torin, ketri ImmbsrdiTsxtu8 8eutsntiÄrnm u. s. f. Anspruch machenkönne?
Rouge mont — so heißt jetzt ein hohesBergschloß nah dem Saanenlande, in einemabgesonderten Thale, zwischen dem Rubli unddem Rodomont gelegen, gegen 2000 Fuß überdem Genfersee.
Eine Menge Hütten und Weiler liegenauf den Hügeln und in den kleinern Thälernder schönen Umgegend zerstreut, die an denBergen bis an den Fuß einer Krone von Fel-sen die trefflichsten Alpen hat. Der hier vor-beifließende Bach bildet die Grenze zwischenBern und Waat, auch der deutschen und fran-zösischen Sprache, Sitten und Gewohnheiten.Das Schloß war vor Zeiten ein Cisterzienser-kloster, welches im eilften Jahrhundert vondem gräflichen Haus Greierz war gestiftet wor-den. In demselben war, wie sich dieSage erhal-ten, eine der frühsten Druckereien der Schweiz.Nur ein einziges Druckwerk ist noch vorhan-den, was die Wahrheit dieser Sage bezeugt,nämlich des Carthäusers Rollewink ks8ci-cnlu8 lemporum, welches Heinrich Wirz-burg von Vach, Ordensmann im Prioratzu Rougemont, im Jahr 1481 herausgegeben.In der Unterschrift des Druckwerks heißt es:Obronicu, <zus dicit: lssa8cicu1u8 teinporum,edita in nlma llniveiÄtate Oolonis ^ripins 8ubRbeimm u Huodnm devoto Osrtu8isn8i linit le-
licitsr. Es ist in Folio und mit Holzstichen.Die erste Ausgabe, die hier verbessert sein soll,war in Cöln durch Arnold TherHoer-nen ans Licht gestellt.
Genf war nach Basel die erste größereStadt, in welcher Buchdruckerei getrieben ward.Die ältesten bekannten Genferischen Druckar-beiten sind 1.6 Irnits d68 ^nges, vorn Mino-ritFranzErimenes und l^'ssorlo^s ds 8a-pisncs von GuydeRoye, auch ein Romankier-Ä-br38 vom Jahr 1478. Im Jahr 1480druckte in GenfMag.AdamSteynschau-wer oder Steinschüber von Schweinfort:ssucobi danuell8i3 ds Vors^ins UeFSüda 8an-ctorum, Ouido ds lVlonterocbsrü Uanipulu8Ourstornm. Noch spater, im Jahre 1493 trat
Jean Belot mit seinen gothischen Buchsta-ben auf, druckte 6on8titutione8 8)nodLle8Lpi 8 C 0 pLtu 8 6sir6nllen8i8 und andere geistlicheDinge auf bischöfliche Veranstaltung, auch po-litische, wie die <^outume8, OrdonLNce8, k^rnn-citi868 st I.ibsrts8 ds In noble et in8igns Eilede Osnevs. Ein sehr eifriger und thätigerBuchdrucker in Genf war noch zur Zeit derKirchenumänderung Johann Crispin.
Den vor dem Jahr 1500 in der Schweiz er-richteten Buchdruckereien muß noch die vondem wohlgelegnen und in der Vorzeit bedeut-samen Surfee im Kanton Luzern beigezähltwerden. So wurde daselbst, „in der löbli-chen Statt Surfte im Ergow" eine versificirteChronik des Schwabenkriegs von NiklausSchradin mit 42 Holzstichen herausgegeben,die nun zu den Seltenheiten gehört.
Zu Anfang des sechszehnten Jahrhundertstraten die Städte Zürich und Luzern mitihren Pressen in die Reihe. Hans Hagerund HansamWasen werden für die erstenBuchdrucker Zürichs gehalten. Der Hauptzeit-punkt der Zürcherschen Druckereien fallt abererst in die Reformationsperiode. ChristophFroschauer, von Neuburg aus Bayern undHans Hager waren die Buchdrucker UlrichZ wing li's und seiner Anhänger Bullin-ger, Gualter, Leo Jüd u. s. f. von 1521bis 1529. Froschauer gab 1522 die erste deutscheSchweizerbibel im Druck heraus. Sein Sym-bolum war ein Baum, worunter Frösche sitzen.Auf dem größten Frosch reitet ein Knabe.
In Luzern legte der Polemiker und Witz-bold Thomas Murner, Barfüßermönchund Stadtpfarrer, die erste Druckerei an.Murner war 1475 geboren, hatte sich frühund ernst den Wissenschaften gewidmet, warDoctor der Gottesgelahrtheit und beider Rechte,Magister der schönen Künste, Prediger, Dis-putator, Schriftsteller und Buchdrucker, erstLehrer der Theologie und Jurisprudenz inStraßburg, bis er im Jahr 1524 als Leutprie-ster in Luzern angestellt ward. Murner warein höchst lebendiger, frischer und reger Geist,ein eifriger und heftiger Gegner der Glaubens-neuerung, ihrer Sifter und Anhänger. SeineSchriften, meistens scharf und beißend im Ge-schmack und Ton von Meister FelirHem-merlin und Ulrich von Hütten, tragendas Gepräg damaliger Gährung und Derbheit.Man hat von ihm und aus seiner Presse: kn-8clmli8 celsbrnndi ritu8 etprecs8, yuas Hsbrneisin u8u 8unt, eine Uebersetzung von Virgils Aeneisin deutschen Reimen, kooe8toruw koemntuinluudstio, impudicorum 038liFAtio, Disputa-tion, so den 16. Mai 1526 zu Baden im Ergäu