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Macbeth gehen höchstens ein oder zweimal des Jahresüber die Bretter; Othello, König Johann, die bei-den Richard's, Heinrich IV. und Julius Cäsar sindlange schon bei Seite gelegt; andere, wie Viel Lär-men um Nichts, Ende gut. Alles gut, wurden frü-her doch wenigstens in Bearbeitungen aufgeführt;noch andere, die gewiß von prächtiger Wirkung aufder Bühne sein würden, wie Cymbeline, Was ihrwollt, Wie es euch gefällt und der Sommernachts-traum waren noch niemals einstudirt. Am häufigstenwird noch der Kaufmann von Venedig gespielt. AuchCalderon ist ganz schlafen gegangen. Wir erinnernnur an den standhaften Prinzen, das Leben ein Traumund den Arzt seiner Ehre.
Der Oper ist es ähnlich ergangen. Von Mo-zart sind jetzt nur Don Juan und die Hochzeit desFigaro noch auf den Brettern; Titus wird, wie wirzu unserer Freude hören, wieder einstudirt, und zwarsoll Dlle. Agnese Schobest, die hier angekommen, darinals Sertus auftreten. Dann ruhen aber immer nochdie Zauberflöte, Belmonte und Constanze und (losikau tutte, nicht zu gedenken des Jdomeneus, dernoch nie in Scene gewesen, obgleich er, wenn auchkeine dramatische Tondichtung ersten Ranges, doch umseiner herrlichen Melodien willen wohl einstudirt zuwerden verdiente, um so mehr, da er nicht viel Auf-wand erfordert und also der Casse mindestens eben soviel einbringen würde, als manche der neuern fran-zösischen Overu, die auch nach zwei bis drei Wieder-holungen kein volles Haus mehr machen. Die Gluck-'chen Opern, unter denen wir noch Jphigenia inAulis und Orpheus vermissen, hängen leiver, sowieSpontini's Bestalln und Beethovens Fioelio, vonFräulein v. Faßmann ab, da uns bis jetzt eineSängerin fehlt, die sie darin zu ersetzen vermöchte,und so müssen wir denn auch diese Tonwerke immereinen großen Theil des Jahres über ganz entbehren,denn jene Dame ist oft lange Zeit unpäßlich oder ausReisen. Andere ausgezeichnete Opern älterer Com-ponisten, die Werke Cherubini's, Salieri's, Sacchi-ni'ö, Paesiello'S, sind schon seit Jahren nichr mehrhier gehört worden. Hoffentlich wird die nächste Zu-kunft Manches von diesen alten Schätzen wieder ansTageslicht fördern, ohne darum die Ausbeutung neuerFundgruben zu versäumen.
Seit einigen Tagen ist in Steglitz ein Sommer-theater eröffnet, auf welchem eine kleine Truppe dreibis viermal in der Woche Lustspiele und Possen auf-führt, zuweilen in doppelten Vorstellungen an einemTage, zuerst von 4 bis 6 Uhr Nachmittags und dannvon 7 bis 9 Uhr Abends. Ob dies Unternehmen sichlänger halten wird, als Heinzelmanu's Sommerthea-ter im ehemaligen Elysium? Wohl schwerlich. Werauf der Eisenbahn nach Steglitz spazieren fährt, willdie freie Luft genießen, nicht in eine Bude sich ein-sperren, um dort zu sehen und zu hören, was er inBerlin, das Fahrgeld mit eingerechnet, für denselbenPreis weit besser sehen und hören kann. Ist alsodie erste Neugierde nach den etwanigen Abenteuern,die es in diesem Theater geben möchte, einmal be-friedigt, so werden die Berliner dem neuen Schauplatzden Rücken kehren und Gras darauf wachsen lassen.
Lewalds Europa theilt einige Briefe des Fräu -lein von Göch Hausen an Knebel mit, diekein besonderes Interesse darbieten. Der Einsenderrügt dabei eine Angabe in der Biographie Knebel's
(vor dem Knebelschen Nachlaß), welche er einen „merk-würdigen Verstoß" nennt, und die doch nur darin be-steht , daß von jenem Fräulein von Göchhausen gesagtwird, sie sei schön und reizend gewesen, wäh-rend der Einsender behauptet, daß sie häßlich, jasogar bück licht war! Wir sind keineswegs gewillt,hier für oder gegen einen, jedenfalls längst veraltetenBuckel in die Schranken zu treten, und danken demunbekannten Einsender vielmehr für die Belehrung,daß das Frl. von Göchhausen, von dem in der Bio-graphie Knebels die Rede ist, vielmehr ein Fräuleinvon Ratzen Hausen gewesen. In solchen Persön-lichkeiten, die sonst keine allgemeinere Bedeutsamkeithaben, kann man sich leicht irren, und Berichtigun-gen sind, selbst bei so unerheblichen Individuen, wiehier, doch immer dankenswerth, wenn sie nur in einemanständigen Tone gegeben werden. Lewalds anony-mer Einsender aber, der, wer weiß wie und warum,jene Briefe zusammengerafft hat, will nicht zu denAnständigen gehören. Er hat, vielleicht aus speciel-len weimarischen Gründen, ein Haar an der ganzenBiographie Knebels gefunden, und will nicht wissen,daß diese nach den besten Quellen, die vorhandenwaren, und nach den Angaben der nächsten Hinter-bliebenen Freunde und Verwandten Knebel's gearbeitetist. In den armseligen Vorwürfen, die er der Bio-graphie macht, begeht er eine literarische Ungeschliffen-heit, die wir gern beim Nanrenzu nennen wünschten.
Die Hannover'sche Zeitung vergißt beider Aufzählung der Doctoren, welche die UniversitätKiel bei Gelegenheit der Krönungsfeier creirt hat,den Namen Dahl m a n n zu nennen. Dieser hat imLande freilich einen Klang, bei dem manche Ohrengellen mögen, aber es bleibt immer ein kleinliches Ma-noeuvre, gegen einen Namen vertilgend zu Werkezu gehen. An solche armselige Taktik haben uns frei-lich schon die Verbote der Namensnennung gewisserdeutscher Schriftsteller in andern Theilen von Deutsch-land gewöhnt. —
Fahrten, Erzählt von C. D rarler-Man-fred. Erlangen, Carl He y der. 1840. Eswar doch eine schöne Zeit, wo man durch den Titeldes Buches sogleich erfuhr, was es enthalte, eineschöne Zeit für den Leser, wie vorzüglich für denRecensenten, der damals nicht einmal nöthig hatte,das Buch durchzulesen, wenn er in allgemeinen Aus-drücken der Kritik etwas darüber sagen wollte. Jetzt,wo das so häufig geschieht, verschanzen sich die Schrift-steller hinter Titeln, die vielerlei Deutungen zulassen,und so muß man ein Buch wenigstens erst durchblät-tern , ehe man auch das oberflächlichste Urtheil dar-über abgeben kann. Das ist denn vielleicht mit einGrund, weshalb in unserer Zeit so viele Bücher vomRecensenten heruntergerissen werden, und ihre Ver-fasser dazu, und wer kann es Jenem verargen, wenner verdrießlich wird über die ihm gemachte Mühe fürseine Paar Recensenten-Groschen, und es den armenunschuldigen Verfasser bitter entgelten läßt, daß derTitel die Mühe des Durchlesens nicht ersparen läßt.Auch diese vorliegenden Fahrten überheben, jedochschon aus andern und bessern Gründen, nicht derMühe des Durchlesens. Sie zerfallen in drei Theile.Der erste ist eine Novelle, der fahrende Prinzbetitelt, die nach dem Muster der persischen Brieseund ähnlicher Werke des vorigen Jahrhunderts auf das
Mangelhafte der bestehenden Verwaltungen und aufdie Schwachen der dabei Handelnden versteckt auf-merksam machen. Diese Novelle, die in vortreff-licher Sprache geschrieben ist, führt uns einen aufAbenteuer ausziehenden chinesischen Prinzen vor, undin dieser verhüllenden Gewandung ergehen sich manchegeistvolle Satiren des Bestehenden. Der zweite Theildes Buches enthält erstens eine Reihe von Gedichten,Sängerfahrt überschrieben, die aber keine Ge-schichte oder Fahrten des Sängers in poetischem Ge-wände darstellen, sondern es sind Gedichte von sehrverschiedenem Inhalte, die man mit Vergnügen liestund die oft einen wahren poetischen Werth haben, —und zweitens meine Reisegeschichte, einen Cy-klus von Gedichten in der Manier des WandsbeckerBoten in seinem bekannten: Wer einmal eine Reisethut, in welcher der Verfasser gleichsam im Flugedurch einen Theil Norddeutschlands über London nachParis reist und in kurzen scharf bezeichnenden Um-rissen das Gesehene darstellt. Wer das Buch liest,wird dem Referenten beipflichten, der dem Verfasserfür ein Paar angenehm verbrachte Stunden Dankweiß, und wird vielleicht ebenfalls mit dem Wunschvon Herrn Drärler-Manfred scheiden, daß derselbe,wenn er auf der Bahn der Satire fortschreiten will,auch mit schwereren Waffen auftreten möge gegendas, was er der Satire würdig hält. x.
Christliche Legenden und Geschichten, nebsteiner Zugabe vermischter Gedichte und erläuternderBeilagen. Von F. A. Cunz, Prediger zu St. Ni-colai in Eisleben. (Eisleben, Georg Reichardt, 1840.8. 248 S.) In der neuesten Zeit, wo von so vielenSeiten her Bestrebungen sich kund thun, die Zeitendes Mittelalters in Bezug aus Kirche und Staat zu-rückzuführen , wird man fast stutzig, wenn von Le-genden die Rede ist und kommt in Versuchung sie un-geleseu aus der Hand zu legen. Wer, aber für sich ge-hört zu werden wünscht, ehe er verurtheilt wird, dermuß auch dieselbe Gerechtigkeit üben gegen auch nochso Verschrieenes, und so mag es nicht unverdienstlichsein, hiermit auf obengenanntes Buch aufmerksam zumachen, das ohne eine wenn auch nur oberflächlicheEmpfehlung vielleicht nicht — aus der Hand gelegt,sondern nicht einmal, des Namens wegen, in dieHand genommen wird. Für ein wahrhaft frommesGemüth hat die Legende, wenn sie nicht die Absichthat, den Leser und Hörer mönchisch zu verdummen,etwas Rührendes, Fromm-Erquickendes, besonderswenn sie, in einfacher edler Sprache vorgetragen,Einfalt der Religion und nicht Einfältigkeit des Glau-bens, Entsagung auf Genuß der Welt und nicht asce-tische Selbstquälerei zum Vorwürfe sich genommen hat.Daß sie im Munde des Volkes bessere Wirkung thutals Arien aus den neuesten Opern, wird wohl jederVernünftige zugeben, wenn er auch nicht wie die frü-heren Theologen das Theater verdammt. — Wasübrigens von einer guten Legende gefordert wird, lei-stet der Verfasser, der sich aus den gegebenen Mate-rialien die besten Stoffe nach den drei Perioden derLegende, dem Apostelkreise, den mittelalterlichen Le-genden, und aus der Reformationszeit ausgewählthat, um sie in verschiedenem Versmaaße dem Leservorzuführen und in einer Sprache, die sehr oft einenkühnen dichterischen Aufschwung nimmt, so daß seineGabe sich an die besseren, geschmackvolleren Bearbei-tungen der Legende würdig anreiht. x.