Band 
1840, Juli-Dezember.
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Seite
403
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Don dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:„An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Stcinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- und VEerzustände.

Herausgegeben von der Ne-action des Freihafens.

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(Ausgegeben am 30. Juli 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

L84«

^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Unterrichtswesen und Censur inOesterreich.

Im zweiten Theile des „Ausfluges nachWien und Preßburg ün Sommer 1839, vonDr. Friedrich Harter" finden wir das Urtheilbestätigt, welches wir bei Gelegenheit der An-zeige des ersten über den Verfasser und seineAnschauungsweise fällen zu müssen glaubten.Wir beschränken uns daher nur auf einigeBemerkungen, um das „clixi et sulvuvi uni-mam ineum", zu dem wir durch das künstlicheGemische von Wahrem und Falschem, anschei-nender Freimüthigkeit und blendender Sophi-stik, das uns in diesem Buche entgegentritt,aufgefordert werden, vollständig in Anwen-dung zu bringen.

Das österreichische Unterrichtswesen, wel-ches der Verfasser auf den Seiten 41—63 be-spricht, und was damit zusammenhängt, stehtmehr als irgend ein anderer Zweig des öffent-lichen Lebens unter dem Patronate jener dreisonderbaren Landesheiligen, Sebastian, Lau-rentius und Leopold. Selbst Herr Hurter ge-steht, daß „nach dem Maßstab des in anderndeutschen Staaten Vorhandenen gemessen, dereigentlich wissenschaftliche Unterricht wenigerbefriedigend sein möchte" und findet steh ver-anlaßt, dort einiges zu tadeln, wo er die Ver-werflichkeit des dem Ganzen zum Grund liegen-den Principes, aus dem die Einrichtung derhöhern Lehranstalten folgerichtig abgeleitet ist,hätte aus Licht stellen, und statt die Wahrheitmit allerlei Floskeln zu umhängen, nur ihr,aber der ganzen die Ehre geben sollen. Das

Princip aber hat Kaiser Franz ausgesprochen,als er zu den Professoren von Laibach sagte: Ichbrauche keine Gelehrten, sondern nur gute Un-terthanen, und um diese heranzubilden, findGymnasien (ste zählen 6, nicht 5 Classen) mit18 wöchentlichen Lehrstunden, Klassenlehrernund Schülern, deren Körper- und Geistes-kraft weder durch die Zahl, noch durch die Artder Unterrichtsgegenstände zu sehr in Anspruchgenommen wird, Lyceen (von diesen schweigtHerr Hurter) und Universitäten, „deren Lehrerder Penelope gleich immer dasselbe Gewebespinnen und lösen", mehr als hinreichend, undHerr Hurter sollte schon um seiner eigenenKonsequenz willen das unbedingte Lob vonInstitutionen anstimmen, bei denen es nichtzu befürchten steht, weder, „daß Studenten-namen am Schweif von Petitionen an dieLandstände über Verfassungsangelegenheitenprangen", noch „daß in der Frage: ob sie-ben, die das Brod essen, gegen Einen, der dasBrod giebt, ihre siebenzählige, nicht Vorstel-lung , nicht geziemende Bemerkung, sondernrunde und bestimmte Einsprache machen kön-nen, von so Vielen entschieden werde, sie seienhiezu vollkommen befugt gewesen, es hättemithin der Eine zum Rückmarsch blasen undjenen sieben in pflichtschuldiger Deferenz dasFeld räumen sollen." —

Herr Härter findet es sonderbar, „daß aufden österreichischen Universitäten Geschichte ei-nes derjenigen akademischen Lehrfächer ist, aufwelche man keinen besondern Werth zu legenscheint", und zu den zwei Erscheinungen,durch welche „die Vermuthung einer Unge-

neigtheit gegen Geschichte gerechtfertigt werdendürfte", nämlich dem Aufhören des vom Ar-chivar Chmel herausgegebenen österreichischenGeschichtsforschers aus Mangel an Absatz, unddem Projekte einer Akademie ohne Philosophieund Geschichte hätte er noch eine dritte hinzu-fügen können, daß Geschichte auf den Lyceenzu den sogenannten freien, d. h. zu jenen Fä-chern gehört, über welche Vorlesungen zu hörendie Unterrichtsgeld zahlenden Studirenden nichtverpflichtet sind. Die Ursachen dieser Unge-neigtheit zu erforschen, hat Herr Hurter nichtfür gut befunden, und wenn, wie er sagt,Oesterreich als Staat die Geschichte nicht zuscheuen hat, so haben vielleicht die Lehrer selbstsie zu scheuen. Von diesen finden wir es sehrbegreiflich, daß sie bei dem Zwange, den ihnendas vorgeschriebene Lehrbuch, eine erbärmlicheKompilation von Namen und Daten, aufer-legt, bei der Nothwendigkeit, ängstlich jedesWort zu vermeiden, das irgend höhern Ortsmißfällig aufgenommen werden könnte, es vor-ziehen, in ihren Vorlesungen selten den Zeit-raum vor Christi Geburt zu überschreiten, odersich gar nur, wie ein ehemaliger Professor ander Wiener Universität, in der von ihm ver-faßten „Vorgeschichte" herumzutreiben. Alleinwir können uns gar wohl erinnern, mit wel-chem Enthusiasmus die Vortrüge Schnellerstrotz der ihm und seinen Schriften anklebendenMängel angehört wurden — es war damalsfreilich eine andere Zeit — und find über-zeugt, die jetzt so verlassene Muse würde baldwieder einen zahlreichen Kreis begeisterter Ver-ehrer um sich versammeln, wenn nicht jeder