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Der Felsen ist gespalten und gähnt in mächt'gerKluft,
Der Jüngling steht zur Rechten, und weiter wird dieGruft;
Zur Linken hoch die Jungfrau, und Wogen rings undGraus,
Sie streckt die Arme jammernd nach dem Geliebtenaus.
Da schwingt er sich vom Abhang, er faßt dieArme kühn
Und stürzt hinab zur Tiefe, daß Schaum und Wellensprühn.
Hoch schlagt die Fluth zusammen und walzt sich drüberher. —
Zur Zeit der Sündfluth war es, Wohl tausend Jahrund mehr.
Und als die Fluth verschwommen, da rauscht einBüchlein klar
Tief in des Thales Gründen, ein schlankes Felsen-paar
Steht an des Baches Ufern, das neigt das Hauptso schwer,
Als dacht' es einer alten, verklungnen Liebesmahr.
Und wenn die Sterne blitzen um Thal und Berges-hang,
Da hallt es aus der Tiefe wie Kuß und Liebesklang;
Und aus den Wogen hebt sich ein Weib so schlank undlicht,
Frau Ilse sitzt am Ufer, gar hold von Angesicht.
Zur Seite sitzt ein Jüngling, der halt sie stillumfaßt,
Des Windes Flügel schaukeln der Locken goldne Last.
Er blickt ihr hell in's Antlitz, sie küßt ihm Wang'und Mund
Und singt ein Lied so fröhlich, das schallt durch Thalund Grund.
Ich lieg' im Bachlein helle und lausch in stillerLust,
Sanft spielen Wind und Welle mir um die heißeBrust.
Und tief in's Herz gedrungen ist mir der süße Klang,
Ich hab' dies Lied gesungen, wie mir's Frau Ilsesang.
S o m m e r.
Im Strome.
Windesflüstern — Waldesrauschen —Hirtenlieder fern im Thal; —
Halm und Rose stehn und lauschen,
Nöthlich flammt der Sonne Strahl.
In des Stromes lauen WellenLieg' ich träumend hingestreckt;
Wie sie schwanken, wie sie schwellen,
Von des Abends Gluth bedeckt.
Tändelnd kommt der Strom gesprungen,Steigt empor zu Brust und Kinn,
Und er hält mich warm umschlungen,
Eilt im Fluge schon dahin.
Neue Wellen gehen, kommen.
Keiner wird das Scheiden schwer;
Doch der Strom ist nie verschwommen,Und das Ufer wird nicht leer.
Also ziehn des Lebens WonnenUm des Sängers heiße Brust,
Tausend Sterne, tausend Sonnen
Nahn und fliehn in Schmerz und Lust. —
Blonde Hirtin, singst im Winde,
Hörst des Windes Antwort nicht?
Horch, wie er so süß und lindeMit der trunknen Welle spricht.
Wie die beiden still-gemeinsamKüssen, kosen, träumevoll;
Und du stehst so trüb' und einsam,
Weißt nicht, wer dich küssen soll?
Schlanke Schiff'rin, steure näher.
Warum birgst du dich vor mir?
Keine Lauscher, keine SpäherSind im grünen Laube hier.
Lebst aus Wogen Rächt' und Tage,
Jede Woge küßt mich treu;
Lernst du nichts vom Wellenschläge?
Warum birgst du dich so scheu?
Sommer.
Die Hochzeit auf dem Kynaft.
Des Schlosses Zinnen blitzten hoch an des BergesHang,
Des Volkes Neigen schwirren zu Spiel und Saiten-klang.
Ein Jüngling stolz vor Allen steht in der RitterKreis,
Ein junges Weib zur Seite wohl aller Frauen Preis.
Er ist des Landes Herrscher, des Landes Blüthe sie.
Im schönsten Rosenhage wuchs solche Rose nie.
Manch' junges Auge wiegt sich auf ihrem Lockenhaar,
Und freudig schaun die Alten der Fürsten stolzes Paar.
Ein Knappe steht von ferne und blickt zur Fürstinauf,
Er stützt sich bleich und sinnend auf seines SchwertesKnauf.
Und eine Thräne zittert an seiner Wimper schwer;
Was hat der Knecht zu trauern? wo kommt dieThräne her?
Fern in der Heimath Gründen hat er sie -oft ge-schaut,
Froh ging sie durch die Thäler, war keines FürstenBraut,
War eine schlanke Dirne, ein schlanker Bub' auch er;
Er steht ein Knecht am Thore, sie strahlt so hoch undhehr.
Und zu des Festes Schlüsse hebt sich der KnappenSpiel;
Im dichten Kreise drängen sich Fraun und Ritterviel.
Hoch auf des Schlosses Zinne weht eine Fahne frei,
Die soll der Kühnste holen, froh stürmt das Volkherbei.
Wer an des Thurmes Mauer zur Zinne steigthinan,
Der wird vom Knecht zur Stunde ein freier Nitters-mann.
Und freit der Frauen schönste, die mit der Fürstin sitzt,
Hei, wie die Frauen lachen, wie hell ihr Auge blitzt.
Der Knappe streicht die Thräne sich von der Wim-per leicht,
Er klimmt empor zur Höhe und hat die Zinn' er-reicht.
Hoch steht er da vor Allen und schwingt die Fahnelicht,
Hoch schlägt der Frauen Busen, warum, das weißich nicht.
Ein Trunk wird ihm geboten in einem Becherklar,
Er setzt ihn an die Lippe und lacht so wunderbar.
„Heil meiner Fürstin Leben, Heil keinem Weibemehr,
„Im Sonnenglanze schwindet der Sterne lichtes Heer.
„ Die Rose liegt gebrochen, die mir den Lenz ge-bracht,
„Wie soll ein Vogel singen, wo keine Rose lacht?^
Er schleudert Fahn' und Becher hart an des FelsenRand;
Die goldnen Scherben treffen manch' lichte Frauen-hand.
Er stürzt sich nach zum Abhang, hoch spritzt dasBlut empor;
Voll Schrecken fliehn die Weiber, stumm steht derMänner Chor.
Die Winde schwirren im Thale wie ferner LiebeLust.
Ein Heller Blutestropfen blitzt an der Fürstin Brust.
S o m m e r.
Vermischte Nachrichten.
Börne's Leben, von Heine, ist, wie wirhören, seinem Erscheinen nahe. Außer dem Inter-esse der Auffassung und Charakteristik, das hier inBezug auf Heine selbst und sein Verhältniß zu Börnein hohem Grade anziehend ist, wird Heine's Buchauch den Vorzug mancher Originalmittheilungen vonBriefen und Manuscnpten haben, die bisher nochUnbekanntes und Unerkanntes in dem Leben Börne'serhellen.
Von Clemens Guerke erscheint eine Mythologiein Versen. Die alte Götterlehre wird darin ungefährin wieland'scher Manier behandelt. An genialenPartien wird es nicht fehlen, obwohl der Verfasserseine Darstellung in einer absichtlichen Mäßigung hal-ten will, um die Mythologie in einer ganz decentenForm, besonders der weiblichen Lesewelt, zugänglichzu machen.
Von Welcker ist im Staat slericon einausführlicher Artikel über die Jury erschienen,der zugleich als Brochure ausgegeben worden.
Ludolf Wienbarg giebt eine Quadrigaheraus, ein Buch, das vier Abhandlungen umfaßt:1) Geist der norwegischen Verfassung, 2) Hannoverund die deutschen Doctrinairö, 3) Ueber das Studiumder Alten, 4) Ueber Kunstgeschichte. Im Vorwortlegt Wienbarg einige merkwürdige Bekenntnisse überdie politische und ästhetische Bildung der Gegen-wart ab.