Band 
1840, Juli-Dezember.
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411
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Ton dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:„ An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue -er einheimischen und ausländischen

Literatur- und Völkerzustän-e.

Herausgegeben von -er Redaction-es/reihakens.

Man abonnirt aussenPiloten für den jährli-chen PränumerationS-preis von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,vicrtelj. mit 2 Thlr.Pr. Eour. bei allenwohllvbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Jnse-ratewerdcn gegen Ver-gütung von l Gr. fürdie Pctitzeile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

MZ36.

(Ausgegeben am 3. August 1840.)

184 «

^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

Der vierundzwanzigste Juni inStrapburg.

Der Johannistag ist in der Nähe undbringt das vierhundertjährige Geburtsfest ei-ner That, die gerade darin den Stempel desWeltgeschichtlichen an sich tragt, daß sie, ansich so klein und unbedeutend, das Saamen-korn für eine Welt von Erfolgen und Ereig-nissen, die daraus erblühen sollten, gewordenist. Kein Wunder, wenn ein solcher Tag, vonder ganzen gebildeten Menschheit als ein Fest-tag gefeiert werden will. Keine Kunst, keineWissenschaft, keine Erfindung hat eine so all-gemeine Feier anzusprechen, nur die Reli-gion greift tiefer und weiter, weil sie rein imElemente des Geistes steht.

Das eben aber will sich bei dieser Feiernicht recht fügen, daß die Buchdruckerkunstihre Bedeutung nicht in sich selber hat, son-dern dieselbe erst von dem geistigen Gebietezu entlehnen hat, dem sie dient. Die Kunstals solche ist sich Selbstzweck, sie laßt sich die-nen, aber sie dient selber nicht; sie ist in sichein Höchstes und erkennt kein Höheres an. Wosie dient, ist sie nicht mehr Kunst, sondernKunstfertigkeit, technisches Geschick, Handwerk.Ware die Buchdruckerkunst eigentlich Kunst,so würde sie ihre materielle und ideelle Seiteso zu einander in's Verhältniß zu stellen wis-sen, daß von keinem Dienst, von keiner äu-ßern Beziehung mehr die Rede sein könnte.

So nun weiß man in der That nicht, waseigentlich gefeiert werden soll. Daß Hennezum Gutenberg in Straßburg oder wenigstens

in Mainz zuerst einzelne Täfelchen zu Colum-nen und Seiten zusammensetzte, dann dieseTäfelchen selbst in ihre einzelnen Wörter unddiese an ihre Buchstaben zum Zweck einer ge-sonderten Zusammensetzung zerschnitt, ist eineHandlung von zu wenig geistigem Inhalte,als daß sie unmittelbar über die Grenzen derHandwerksinnung hinaus ihre Ansprüche er-strecken könnte. Aber daß dieser glückliche Griffin das Gebiet des Materiellen sich unmittelbarund auf's engste an die unendliche Welt desGeistes kettete und für sie einen Träger dar-lieh, dessen sie nothwendig bedurfte; daßsie dem geistigen Bedürfniß durch ein mate-rielles Mittel abzuhelfen wußte und eben dieseihre Endlichkeit geradezu an die Unendlichkeitdes Geistes abgab, daß sie somit aufhört, ge-meines Mittel zu sein und in der That ineinem Hähern aufgeht — dieses stellt diePresse außerhalb des gemeinhin Gewerb- undHandwerksmäßigen.

Die Presse — wie hat sich der.doppelteSinn dieses Wortes vereinigt, um Mittel-punkt aller Bildung, um das Loosungswvrtdes Jahrhunderts zu sein. Darum aber darfauch jener Doppelsinn nicht zerrissen, dasideelle vom materiellen Momente nicht getrenntwerden. Das unübertrefflichste Meisterstück dertechnisch vollendeten Presse hat kein größeresAnrecht daraus, Mittelpunkt festlicher Begei-sterung zu sein, als der einfache Preßbengel.

Nur im Elemente des Geistes ist solche Be-geisterung möglich. Daher muß der Staat alleElemente freier Bildung, vor allem seine Ba-sis, die Oefsentlichkeit dazu hergeben, die

Kunst und die Wissenschaft muß ihre Huldi-gungen bringen und auch die Kirche darf ihreWeihe und ihren Segen einem Tage nicht vor-enthalten, dessen Feier auch zu ihr in dem in-nigsten Verhältnisse steht. Würde sich von alldem auch nur Eines entziehen,, so würde demFeste gerade sein geistiger Inhalt, seine Allge-meinheit genommen.

Eben vermöge dieser Allgemeinheit, welchenicht diesem oder jenem Beruf, Stand, Ver-hältniß, Alter, Geschlecht, Fach und Zweckdient, welche nicht dem Raume und der Zeitgehört, sondern unendlich wie der Geist undder Gedanke seiner Freiheit ist, vermöge die-ses ihr eigenthümlichen Charakters hätte diePresse ihr würdiges Fest als ein Fest der Frei-heit selber zu feiern.

Dazu aber ist das Jahr-1840 nicht ge-eignet. .. .

Wohl mag der staunende Blick auf die un-geheuren Leistungen zurückschauen, welche diePresse in den vier verwichenen Jahrhundertenauszuweisen hat. Nur durch sie waren all dieseUmwandlungen des religiösen, politischen undsocialen Lebens in so kurzer Zeit und in soweitem Umfang möglich; nur durch sie bestehtdas moderne Leben. Allein wenn so viel schongeschehen ist, so dient das auch nur, um zuzeigen, wie viel noch geschehen muß. Und ge-rade in unserem Deutschland.

So viel wird gedruckt, und wie steht dochdiese massenhafte Literatur den Massen nochso fremd; welche Kluft befestigt sich zwischenden Gelehrten und Gebildeten, zwischen Ge-bildeten und Volk.' Tausende von Bücher-Bal-