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spotten. Ja, er ist wohl selbst von einem Theileseiner Bewohner eingeladen, es ist ihm Thürund Thor geöffnet, er ist unterstützt, der Deut-sche ist gegen den Deutschen bewaffnet worden,weil er über den schönen Redensarten die seilenund fluchwürdigen Künste einer egoistischen Poli-tik nicht bemerkte, oder wohl selbst sich zu denGrundsätzen derselben bekannte, um in der all-gemeinen Verwirrung einige Fetzen der, deneigenen Brüden: abgenommenen, Beute sich an-zueignen. Das ist es, was von jeher Deutsch-lands Unglück gewesen ist, und noch gegenwär-tig befolgen wir, so scheint es, die bitteren Leh-ren der Erfahrung viel zu wenig; wir schwächenunseren Einfluß und geben dem Feinde im Vorausgewonnenes Spiel, indem wir die Grundsätze derselbstsüchtigen Politik, wie sie ist, noch immer vielzu sehr zu den unsrigen machen, so sehr uns auchdie Erfahrung lehrt, daß sie nicht für uns passen.
Noch immer ist isolirt nur von Oesterreich,von Preußen, die Rede, und das übrige Deutsch-land kommt gar nicht in Betracht. Das eben ist's,was unsere Gegner wollen. Jeder von uns willnur er selbst sein, keiner in: Ganzen untergehen,das ist, was unser Gewicht schwächt und unserenGegnern das Uebergewicht giebt. Oesterreichzählt 35 Millionen, Preußen 14 Millionen, dasübrige Deutschland wohl 16 Millionen Einwoh-ner. Haben Oesterreich und Preußen auchaußerhalb Deutschland Besitzungen, so sind bei-des doch wesentlich deutsche Staaten, und derHauptsitz ihrer Cultur und ihrer Macht ist inDeutschland gelegen. Wenn sie sich wahrhaftverständigen, fällt ihnen Deutschland zu, dessenkleinere Staaten unter ihrem doppelten Schutzeviel gesicherter sind, als unter einem isolirten undfremden Beschützer. Im Rathe der europäischenGroßmächte zählen Oesterreich und Preußen jedesfür sich, und jenes wieget 35 Millionen, dieses14 Millionen, die übrigen Deutschen nichts.Das erstere steht also gegen Rußland, das letztereaber auch gegen Frankreich in Bezug auf Be-völkerung bedeutend zurück, während doch amEnde jedes einzeln, eben um seiner Jsolirungwillen, in die Lage kommen kann, mit Rußlandund Frankreich zugleich in einen dann ganz gewißverderblichen Streit verwickelt zu werden.
Wie ganz anders doch würde es sein, wennbeide Machte, gegen das Ausland ihre isolirteStellung völlig aufgebend, sich verständigten,um, in festem Bündnisse mit den übrigen deut-schen Fürsten, nicht im Namen Oesterreichs oderPreußens, sondern im Namen Deutschlands zusprechen. Dann könnten sie sagen: das ist derWille Deutschlands, d. h. der Wille, dem65 Millionen Menschen Gewicht und Nachdruckzu geben bereit und entschlossen sind.
Wäre dem so, dann könnten wir wohl an-ders auftreten. Wir dürften nicht bangen obder Errichtung eines slawischen Reichs, noch obdem Dräuen und Drängen der Franzosen. Starkdurch' Einheit, Cultur, Gesittung und Vater-landsliebe würden wir Europa Gesetze vor-schreiben, statt sie von ihm zu empfangen.Mächtig und geehrt, und doch als Staatenbundnicht unterdrückerisch würde sich der Schwachezutrauensvoll unter unseren Schutz begeben;Holland, Belgien, die Schweiz, Sardinien,Dänemark würden sich uns anschließen und unsereKraft vermehren. Wir würden Europa Gesetzezu geben im Stande sein, und diese Gesetze wür-den billig und gerecht sein, wie das deutscheVolk selbst es ist. Wir würden Krieg undFrieden in unserer Hand haben, und es würdesich verwirklichen, was einst der große Friedrichvon Frankreich meinte: kein Kanonenschuß könntegegen unseren Willen in Europa abgefeuertwerden.
O Deutschland, o mein Vaterland! wasbist du? und was könntest du sein, wenn duso einig wärest, wie du stark und gerecht bist!
Der vierundzwanzigste Juni inStraßburg.
(Beschluß.)
Das weite Schiff des Münsters ist vollvon Ab- und Zugehenden, von Knienden undBetenden, während zweimal nach einanderfeierliches Hochamt auf dem Chöre gehaltenwird, erst für die ganze Geistlichkeit, dann für dieganze Generalität. Das Schmetternder Trom-meten, das majestätische Brausen der Orgel,der Trommelwirbel und Glockenklang erhöhtenauch für den ketzerisch Ungläubigen den unbe-schreiblichen Eindruck, den dieser Wunderbauhervorbringt. Ein Gefühl der Wehmuth über-schleicht den sich vor solcher Größe beugendenGeist, man hat nicht Augen, nicht Ohren ge-nug für all diese Pracht und Majestät; Ein-zelnes und Ganzes, Kleines und Großes in derFülle seiner Vollendung überwältigt den Sinn.Es kann nicht anders sein, ein solches Werk,das vorn Grundstein bis zum Schlußstein dergrandiosen Wölbungen so durchaus nur dasWalten des Höchsten und Heiligsten athmet,in dem der Meuschengeist sich selber überbotenhat, um von seiner Absolutheit den Jahrtau-senden ein Zeugniß abzulegen — ein solchesWerk muß das Gemüth religiös stimmen undbestimmen. All die Herrlichkeit Griechenlandsund Roms muß vor einem solchen Zeugnißverstummen. Wie einfach und arm, wie kleinund irdisch-beschränkt nehmen sich dagegen all'
die Parthenon's aus. Was ist Praxiteles undPhidias selbst gegen einen Erwin von Steinbach,den sie als simpelhafte Jammergestalt am Ein-gang in's südliche Q-uerschiff erst vor einigenTagen auf den Stock gestellt haben. War derGrieche seines Gottes voll, erfüllte ZeusOlympius dieses Herz, begeisterte Apollo:: je-nen Genius, war also das Gefühl und Be-wußtsein vom Absoluten in dieser Kunstperiodeimmer nur ein particulaires und relatives, sosenkte sich in dem Blüthenalter der christlichenKunst das Absolute ganz und gar in EinesMannes Brust, daß er dem Evangelium Zeug-niß gäbe von dem gottmenschlichen Leben, des-sen Wandel auf Erden es predigt. Wie da derGott Mensch und der Geist Fleisch geworden,so wollte sich der göttliche Geist selbst in dieleblose, starre Natur einsenken, um die seuf-zende Creatur zu erlösen und sie aus dem Nacht-gebiete des Daseins zum heiligen Himmelslichtemporsprossen und blühen zu lassen. .. .
Doch die Gegenwart, die Zukunft mahntuns, von einer Vergangenheit zu lassen, fürdie eben der Name Gutenberg zur Grenzmarkegeworden ist. Im Jahre 1439 ward das Mün-ster vollendet und in denselben Jahren thatGutenberg in Straßburg den ersten Schritt zudem Werke der neuen Zeit.
Unweit des Münsters, auf dem Gartners-markte, steht sein Denkmal. Der Platz ist sehrgünstig, vom Paradeplatz her, wo die gelun-gene Statue Klebers steht, sowie von zweiweitern Seiten führen Straßen und zum Mün-ster selbst hat Napoleon durch den Abbruch ei-ner vollen Häuserreihe an die Stelle eines'schmalen Gaßchens einen ordentlichen Zugangschaffen lassen.
Stattliche Gebäude umgeben den Platz, des-sen engere Umgrenzung vier hübsche Reihenvon Acazienbaumen bilden.
Von der Masse der Zuschauer, von demGlanz des Zuges lasse ich die Zeitungen reden.Die Redner wurden natürlich von der unend-lichen Mehrzahl nicht verstanden, das Festge-dicht theilt alle Vorzüge mit allen seinen Brü-den: vor ihm und nach ihm, nur den einennicht, daß es zugleich deutsch und französischgesungen werden konnte. Hier stehe die Poesievom 24 . Juni 1840, „gedruckt am Fuße derStatue Gutenbergs. ^ .. .
„iVloäerne esxei'ÄNckäe 1' wimoriite,presse, ä gul Ig. Brunoslloit la Iibsrt6,pur toi lu parol«sait briser los kers,tu sors äu doussvlsü tout I' univers!