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feste, dem Dürersfeste, dem Gutenbergsfesteu. s. w. sogar den Kalender erspart haben.Wirklich auch, was waren wir Jüngern, wenndiese Denk-Saulen nicht die Marksteine unse-rer Zeitgeschichte wären; wir, die wir von alljenen großen Männern und Streitern, Kaisernund Königen, weltlichen und geistlichen Für-sten nichts mehr gesehen haben! Unsere Väterhaben uns davon erzählt, wir werden dafüran den Fingern die schönen, schönen Feste her-zählen, welche wir so traulich und gemüthlichgefeiert haben.-
Auch die Spitze des Münsters glüht intausend Lichtern — es muß ja sein, seitdemGutenberg das schwarz auf weiß gedruckt zulesen gab: et In Inmiere tut. Wie majestä-tisch diese Feuerpyramide in die rabenschwarzeNacht hineinstammt....
Aber es senkt sich der Blick, denn es giebtein Land, wo man heute, an diesem Tage dieLichter im Thale, die Feuer auf den Bergen,ja die Sterne am Himmel selber auslöschenwill, damit es mehr sei, als Mittelalter, daszwar auch Nacht war, aber sternhell. Soviel Sterne einer auslöscht, so viel darf er indie Tasche oder in das Knopfloch stecken, undnoch einige dazu. — Wird dieses Land auchsich von Finsterniß decken lassen, wenn im Jahre1940, wie wir hoffen, allüberall die Johan-nisfeuer um die freie Presse lodern?-
Vermischte Nachrichten.
* Aus Berlin. Die Ernennung des HerrnGeheimen Legationsrath Eichhorn zum Minister desUnterrichts ist kein leeres Gerücht, wie so viele andere,welche über die Besetzung dieser hohen Stelle in Um-lauf sind, sondern diese Ernennung ist wirklich inFrage und hat zu Verhandlungen Anlaß gegeben.Hr. Eichhorn soll sich besonders eine Veränderung desbisherigen Personals des Ministeriums ansbcdungcnhaben und scheint damit vornehmlich eine Modifiei-rung der geistlichen Elemente, welche bisher in diesemMinisterium herrschten, zu bezwecken. Die Verwal-tung dieser für Preußen besonders wichtigen Staats-stelle würde an ihm den rechten Mann gefunden ha-ben , der aus der Höhe einer geistig durchbildeten undgeläuterten Gesinnung und Zeitanschauung steht unddiese charaktervoll zu vertreten befähigt ist. —
Von einem hiesigen jungen Gelehrten, Dr. I.Frauenstädt, erscheinen nächstens: „Studien undKritiken zur Philosophie und Theologie", in denensich eine ausführliche Beurtheilung von SteffensReligionsphilosophie befindet, was um soLemerkenswerther ist, als sich, soviel uns bekannt,bisher in keinem einzigen deutschen Journal ein Beur-theiler zu diesem Buche hat finden wollen.
Unsere Theater bieten gegenwärtig noch einen An-blick der Verlassenheit dar. Der bisherige Glanz un-serer Oper bürste viele Einschränkungen erfahren, dieaber vielleicht dem Schauspiel zugutkommen. Unsere
erste Sängerin, Sophie Löwe, hat auf längereZeit von uns Abschied genommen, und dürfte auchden nächsten ganzen Winter über von uns fern bleiben,den sie, wie man sagt, in Paris zubringen will.Wird ihre Stelle genügend ersetzt, so haben wir diesenVerlust am wenigsten zu bedauern. Die unschöneund übertriebene Manier dieser so sehr überschätztenSängerin, verbunden mit einer metallarmen und na-turlosen Stimme, war der Förderung des guten Ge-schmacks in der Gesangkunst bei uns gewiß nicht dien-lich gewesen.
Aus St. Petersburg. Allgemein verbreitetist bei uns, besonders unter den höhern Ständen, dieLeidenschaft des Spiels, eine Leidenschaft, die, wieviel Unordnung und Verwüstung sie auch anrichtet,doch hier geduldet, um nicht zu sagen, ermuthigtwird. Während das Spiel in andern Ländern vonGesetz und Sitte verboten ist, überläßt der Russe sichihm ungescheut, und wenn er am Pharotisch seineBörse geleert, seinen Credit erschöpft hat, setzt ermit der größten Kaltblütigkeit seine Güter, seine Wa-gen, seine Domestiken und Pferde auf eine Karte.Besonders die Pferde werben als Preis und Gewinnsehr hoch gehalten, und um dieser willen kam es hierkürzlich zu einer gerichtlichen Klage. Der Graf B...erschien vor dem Trivunal mit einer Klage gegen denGeneral G. — Der Graf nämlich hatte von Letzte-rem in einer Soiree beim Gesandten K..., nachdemer ihm ö0,000 Rubel abgenommen, auch noch seineKalesche, seinen Kutscher, seinen Jockei und zwei arabi-sche Renner gewonnen. Der General G.war nun
bereit zu Fuße nach Hause zu gehen, aber der Grafbot ihm höflichst die von Ersterem eben gewonneneEquipage an, sich derselben zum Rachhausefahren zubedienen, und sie ihm andern Tags zurück zu schicken.Wie groß war aber des Grafen Aerger und Erstau-nen, als am andern Morgen zwar die Kalesche kam,aber nur gezogen vom Kutscher und Jockei, die beidenAraber hatte der General zurückbehalten. Der Gene-ral leugnete, als der Graf ihn deshalb verklagte, die-sen Umstand nicht, indem er erklärte, es sei ihm zuschwer gefallen, sich von den beiden Nennern, dieer so leicht sich nicht wieder ersetzen könne, zu tren-nen, jedoch sei er gerne zu einer genügenden Entschä-digung bereit. — Räch vielen Discussionen warb mandahin einig, daß der Graf, als Entschädigung für diebeiden Pferde, vom General noch die Frau des ge-wonnenen Kutschers und dessen vier Kinder bekommensollte, womit dann der Graf sich nothgedrungen zu-frieden erklärte.
Noch eine andere Begebenheit beschäftigt in diesenTagen die Lacher und Schwätzer unserer Kaiserstadt.
Frau von.. die Gemahlin eines Gesandten und
Minister-Residenten, hatte im verflossenen Herbst ihrenGemahl verlassen, um den Winter in St. Petersburgzuzubringen. Ausgezeichnet schön wie sie war, hoffte sie,da ihr Rang ihr erlaubte, bei Hofe zu erscheinen, dieBlicke des Autokraten auf sich zu ziehen. Aber ihrVorhaben, durch zu rasches, ungeschicktes Entgegen-kommen verrathen, mißfiel demjenigen, dessen Gunst
sie sich zu erwerben hoffte. Doch Frau von.
konnte nicht ohne Bewunderer sein, und nahm daherals Ersatz zu gleicher Zeit die Huldigungen des Sohnseines Diplomaten und die eines Gardeosficiers an.Unglücklicherweise trafen sich die beiden Nebenbuhlerbei ihr und zwar unter Umständen, die keinen Zweifel
ließen über die süße Gunst, deren einer ^ vielleichtbeide, genossen. Ein Duell ward verabredet.
Zwei Stunden darauf erfuhr Herr von Benken-dorf, erster Polizeichef, das Duell und dessen Veran-lassung. Eine halbe Stunde später ward der Kaiserbenachrichtigt, und ließ durch Herrn von Neffelrode
dem Diplomaten, Baron von.. befehlen, seinen
Sohn als Courier sogleich zu verschicken; der Gene-ral Tschernitscheff, Kriegsminister, erhielt Ordre, denGardeofficier in ein Infanterie-Regiment zu versetzen,und ihn denselben Tag nach Tiflis abreisen zu lassen,und der Graf Essen, Gouverneuer von St. Peters-burg, mußte der schönen Helena einen Reisepaß zu-stellen, mit deni Befehl, in vier und zwanzig StundenPetersburg zu verlassen, und sich zu ihrem Gemahlzu begeben.
Bei ihrer Ankunft in .... waren der schönen
Frau von .aber alle Pforten der Damen von
Welt, die nur die taut«« enell««« verzeihen, ver-schlossen , und sie ist jetzt in die Bäder gereiset. Wirwollen nicht verrathen, wo sie jetzt sich aufhält, aberman versichert, die schöne Sünderin werde den näch-sten Winter in Paris zubringen. Ihr Gemahl bleibtmit philosophischer Ruhe auf seinem Posten.
Bei F. H. Morin in Berlin ist erschienen:Luise von Frankreich. Nach dem RomanderGräfinDaschinsDeutsche üb ertragenvon A. Cosmar. Der geschickte und bekannteUebersetzer hat hier der deutschen Lesewelt ein unmu-thiges Büchlein bequemer zugänglich gemacht, dasdurch seine fließende Sprache, und wenn auch etwasverbrauchten, doch anziehenden Stoff, wohl geeignetist, einige Stunden zu fesseln. Luise von Frankreich,die fromme Heldin des Romans, ist gut und fein ge-zeichnet ihrem frivolen und leichtfertigen Zeitaltergegenüber, und die Intriguen der Frau von Maulieuamüsiren hinlänglich. Das Ganze behandelt einengeschichtlichen Moment aus dem Leben der MadameLuise, Tochter Ludwigs XV., die in Folge einer un-glücklichen , stets vergeblich bekämpften Liebe, und imfrommen Wahn durch ihre Hingebung das verderbteLeben ihres Vaters zu sühnen, in das Kloster derKarmeliterinnen geht. — Die Ausstattung ist sauberund elegant.
Bei Gebrüder Reichenbach in Leipzig ist erschie-nen: Frau en-Spiegel. VierteljahrschriftfürFrauen. ZweiterBand. Herausge-geben von Luise Marezoll. Der Inhalt istreichlich genug, und viele Frauen-Namen, die nachdem Ausspruch der Herausgeberin „ den geachtekstenSchriftstellerinnen " angehören, sind kennen zu lernen,z. B. Ernestine, Thekla (von der ein Gedichtüberschrieben ist: Ich an Malwina). Ferner:Elise v. L.. Adeline von D... — M. W.VonPaulineKlein, geb. Gerlach, wird ein Auf-satz mitgetheilt: „Ansichten einer Nicht-Phantastin über die zweite Ehe", der sichdrollig genug ausnimmt. Von RosalieKoch einGedicht: Meine Kreise. Von Agnes Franzeine Novelle: „ DieWahl", und von der Her-ausgeberin ein aus dem Englischen übersetztes Lust-spiel: „Warum starb er?"— Die Herren Ver-leger haben auf die Ausstattung viel Sorgfalt ver-wendet, und ist ihnen zu wünschen, daß ihr Eifervon der weiblichen Lesewelt (der Titel besagt, es seieine Vierteljahrschrift für Frauen) reichlich be-lohnt werde.