Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
435
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Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur-««- Völkerzuftän-e.

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MZ39.-

(Ausgegeben am 13. August 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

Literatur. !

Die I n t r i g u a n t e n. Roman von Fried -- ^rich von Heyden. Zwei Theile. Leipzig,W. Einhorn. 1840.

Dieser Roman gehört zu den interessante-sten und lebensvollsten, welche die Tageslite-ratur hervorgebracht hat. Der Verfasser sagtzur Einleitung: ,,Zu keiner Zeit ist die In-trigue weiter verbreitet und mächtiger gewe-sen , als in der Mitte des siebzehnten Jahrhun-derts. In der Kirche, in der Politik, in der Ge-sellschaft , in der Liebe bedingte sie vornehmlichden Umschwung der Verhältnisse. Das Ge-müth schien weniger als jemals zu bedeuten.List, Freiheit, Malice mischten die Karten desöffentlichen und des Privatlebens zum Spieleoft der treulosesten Ränke, und nur der Geistgalt für vollkommen gebildet, nahm die allge-meine Billigung der großen und vornehmen !Welt in Anspruch, dem es glücklich gelang,am schlausten zu überlisten, alle Trümpfe zusich hinüberzulockeu, um sie zu allgemeinerUeberraschung am Ende auszugeben und sodie Partie zu gewinnen. Man spielte falsch;die Gegenpartei erwartete aber nichts Anderes,machte es nicht besser. Der Sieg der Falsch-heit nahm, unbekümmert um die entsetzlicheUnsittlichkeit, ihren Preis. Der Niederlagedagegen folgte die zersetzende Kraft des Lächer-lichen. Nur wer sich blamirte, war vernichtet.Es ist wahr, dieser heillose Zustand bezog sichvornehmlich auf Frankreich, Italien und Spa-nien; weniger auf Deutschland. Man weißaber auch, wie sehr dieses damals überall zu

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kurz kam, in den Begebenheiten und in deröffentlichen Meinung."

Auf diese geistvolle Geschichtsanschauungbegründet der Verfasser seinen Roman, ohnejedoch seine Begebenheiten an gegebene histo-rische Thatsachen und Namen zu knüpfen.Vielmehr hat er der poetischen Erfindung, dieeine besonders starke Seite feines Talents ist,freien Spielraum gelassen, um den Geist derZeit, die er abschatten will, in einer kunstreichverschlungenen Reihe von Gestalten und Ver-hältnissen zur Darstellung zu bringen. Dieshat den Vortheil, daß sich das Poetische undRomantische in seiner Dichtung ganz frei ent-falten kann, ohne auf Unkosten des Histori-schen zu wuchern, und doch bleibt dem Gemäldeein historischer Gehalt gesichert, indem es zumAbdruck einer eine ganze Menschheitsepocheumfassenden Lebensstimmung wird , welche bisin die feinsten Geäder der Gesellschaft hineinsichtbar erscheint.

Wir befinden uns in diesem Roman aufeinem durchweg unterhöhlten und schlüpfrigenBoden, überall wandeln wir auf einer Mine,die Heden Augenblick gesprengt werden kann,und diese gefährlichen Pfade theils zu enthül-len, theils zu verdecken, wird hier zur eigen-thümlichsten Kunst der Darstellung - und zurAufgabe einer immer wechselnden Erfindung,die sich in den mannigfachsten Bildern undRäthseln, bald mit wunderlichen Sphinrköpfen,bald mit unheimlichen und zweideutigen Jesui-ten- und Hofmannsgesichtern geziert, ergehllEin abenteuerndes Paar, Prinz Amastro unddie Marquise de Ponenti, auf verschiedenen

^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Wegen und zu verschiedenen Zwecken heran-kommend, machen den Anfang des buntbeweg-ten Jntriguenspiels. Die Hauptscene desselbenist ein kleiner italienischer Staat, dessen Eri-stenz von verschiedenen Seiten her durch dieIntriguen entgegengesetzter Parteien untergra-ben werden soll. Allerlei Ränke pflanzen hierihre geheimen Schlachtreihen auf, einer dergewaltigsten Heerführer des verborgenen Kam-pfes ist aber der Jesuitismus, doch wird dieseSeite des Jahrhunderts etwas zu schwach ge-schildert. Einen wohlthuenden Gegensatz zuallen diesen Umtrieben bildet der Fürst dieseskleinen Staates und seine ihm zur Seite ste-hende Gattin. In ihnen wird das edle undrechtliche Element des Lebens in der unüber-windlichen Größe seiner Einfachheit und Lau-terkeit, durch die es allen Ränken siegreich dieStirn bietet, geltend gemacht. Eine eigen-thümliche. Ironie gegen seinen unterminirtenStoff übt der Verfasser am Schluß aus, indemdie beiden Hauptintriguanten, Prinz Amastround die Marquise, die ebenso sehr gegen einan-der wie gegen die Andern operirt haben, sich zu-letzt heirathen müssen. Mit folgenden Schluß-worten, welche die Intentionen seiner Dich-tung erörtern, entläßt der Verfasser seine Leser:„Diejenigen, welche sich auf dergleichen ver-stehen, mögen entscheiden, welcher Classe vonRomanen der eben beschlossene angehört. Er-geben nur geschichtliche Personen den histori-schen Roman, oder ist solcher auch dann ent-standen, wenn erfundene Geschicke mit dereigenthümlichen Farbe einer gewissen geschicht-lichen Epoche bekleidet werden? Die Zeit der