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nicht entschuldigen, weil die königliche Kunstvon dem Armensünderkleide besteckt wird. —Aus den bisherigen Bemerkungen wirdsich nun folgendes Hauptresultat der Eigen-thümlichkeiten der neuen geistignaturali-stischen Kunstrichtung ergeben:
1. Streben nach Wahrheit und charakte-ristischer Schönh eit, soweit beide imBereiche der Möglichkeit liegen.
2. Frische Lebendigkeit und Neuheit in derWahl des Gegenstandes, bewirkt durch sub-jektive Auffassung der Erscheinungen imNatur- und Menschenleben.
3. Organische Zusammenwirkung der Bei-werke, Farbe rc. mit dem Motive.
4. Vermeidung des Abstrakten und Widerlichen.
Die neue Quadrupel-Allianz.
„Die Zeiten sind schwer und drohen nochschwerer zu werden," sagte neulich ein geistrei-cher Fürst bei einer öffentlichen Audienz. Seitder Errichtung des neuen Bündnisses unter denvier Großmächten mit Ausschluß von Frank-reich gewinnt dieser Ausspruch erst eine grö-ßere Klarheit. Der ostensible Zweck der Qua-drupel-Allianz ist zwar die Pacistcation desOrients, allein ein allgemeiner Kreuzzug ge-gen die Franzosen dürfte die versteckte Ten-denz von Seiten Rußlands sein. Dieses ko-lossale Land kann mit den übrigen Landern inden Fortschritten der europäischen Cultur nichtgleichen Schritt halten und muß befürchten,nach und nach von ihnen ganz überflügelt zuwerden. Seine Politik muß daher confequen-terweise dahin gehen, alte übrigen Völker soviel als möglich in Kriege zu verwickeln. Alleseine Versuche, so geschickt sie auch angelegtwaren, einen allgemeinen Krieg herbeizufüh-ren, sind bis jetzt auf eine glänzende Weise<gescheitert, weil England von Frankreich nichtzu trennen war. Letzteres ist in diesem Au-genblick, wenigstens auf dem Papier, gesche-hen. Wir glauben nicht, daß dieser Vertragzu seiner vollständigen Ausführung kommenwird, weil Frankreich zu viel Mittel in Hän-den hat, denselben zum Scheitern zu brin-gen. Sollte derselbe jedoch zu einer pünktli-chen Ausführung kommen, so dürsten die be-denklichsten Folgen, woraus Rußland heimlichgerechnet hat, das traurige Ergebniß für Eu-ropa und namentlich für Deutschland sein.
Wenn die combinirte englisch-russisch-öster-reichische Flotte an den Küsten von Syrienund vor Ale.randrien erscheinen sollte, um denPascha von Aegypten zu zwingen, weniger an-
zunehmen, als ihm der verstorbene Sultanschon vor der Schlacht von Nisib angebotenhatte, so würde der zu Wasser blokirte Mehe-med sich zu Lande Luft machen und auf Con-stantinopel marschiren. Dann würde Rußlandmit seinen bereits versammelten Heeren die asia-tische Seite der Türkei besetzen, um den Siegerschleunigst wieder zurückzutreiben. Zu gleicherZeit würden wohl die Oesterreicher Constanti-nopel und die europäische Türkei einnehmen.
Wie würden sich aber unterdessen die Ver-hältnisse im übrigen Europa gestalten?
Frankreich würde aus verschiedenen Grün-den nicht müßig zusehen. Zunächst schon des-halb nicht, weil es allen seinen moralischenCredit, der in unseren Tagen von höchster Be-deutung ist, verlieren würde, wenn eine sowichtige Frage, bei der es fortwährend be-theiligt gewesen, ohne seine Zuziehung defini-tiv entschieden werden sollte. Ließe sich Frank-reich ein solches Verfahren gefallen, so würdees in der Volksmeinung zu einem sekundärenStaate Herabsinken. Es ist daher eine reineVerleumdung, wenn in einer aristokratischensüddeutschen Zeitung behauptet wird, Frank-reich wolle immer eine diktatorische Stellungbehaupten.
Seiner vortheilhasten liberalen Stellungungeachtet hat dies Land in neuerer Zeit (unvman muß es der Wahrheit gemäß anerkennen)sowohl gegen Italien als gegen Deutschlandwiederholte Proben einer seltenen Mäßigunggegeben.
Dann sieht auf der andern Seite Frank-reich auch ein, daß Rußland nicht wieder ausder asiatischen Türkei zurückkehren und viellieber sich die Beute mit Oesterreich, das keineMittel mehr hätte, es zu verdrängen, theilenwürde. England würde auf jeden Fall dieLandenge von Suez, um sich einen direktenWeg nach Ostindien zu sichern, besetzen undauf diese Weise Frankreich die Präponderanzim Mittelmeer streitig machen. Um allen die-sen üblen Folgen vorzubeugen, müßte Frank-reich schleunigst jetzt den Rath befolgen, denihm der Marschall Maifon schon im Jahre 1831gegeben, und das Königreich Piemont, so wieCivita Vecchia oder Ancona besetzen, um sichden Weg nach Italien offen zu erhalten. DieAufstellung einer großen Armee an der Nord-grenze gegen Preußen wird den Schluß zu die-sen Sicherheitsmaßregeln bilden. Als Gegen-gewicht müßte natürlich Oesterreich eine furcht-bare Armee nach der Lombardei und Preußennach dem Rhein marschiren lasten. GanzEuropa stände sich dann bewaffnet gegenüber.Italien würde zuerst in Flammen stehen und
ein allgemeiner Krieg nicht säumen auszubre-chen. Rußland hätte sodann seinen heißersehn-ten Zweck erreicht, und würde wenigstens denVortheil dabei haben, während die andernMächte im Occident ihre eigenen Länder zuschützen beschäftigt sind, seine türkischen Erobe-rungen im Orient zu behalten.
Was würde aber Deutschland, was würdenamentlich Preußen Lei einem allgemeinen Krieggewinnen?
Um diese Frage zu beantworten, ist es nö-thig, eine allgemeine Uebersicht der Streitkräftezu geben, welche die beiden Gegenparteienmuthmaßlich auf den Kampfplatz führen könn-ten. Die Entscheidung würde wie früher amRhein und in Italien stattfinden. Es kann da-her nur die Rede davon sein, wie viel Trup-pen die Mitglieder der Quadrupel-Allianz aufdie Wahlstatt führen könnten, und nicht wieviel sie in ihren entfernten Ländern nach denStammrollen besitzen.
Frankreich kann, da es zu Hause eine gut-organisirteNationalgarde besitzt, 500,000Mannüber die Grenze führen. Dazu kommen 100,000Spanier und 100,000 Belgier, mithin im Gan-zen 700,000 Mann.
Da der deutsche Bund an der Schlichtungder orientalischen Frage kein Interesse hat,auch nicht zur neuen Quadrupel-Allianz ge-hört, so bleiben nur Oesterreich und Preu-ßen in Deutschland zu berechnen. Die erstereMacht, welche die Lombardei und Galizienstark besetzen muß, kann nur 150,000 Mann,Preußen aber 300,000 Mann über die Grenzeführen.
Rußland würde bei seiner großen Entfer-nung, seiner Beschäftigung in der Türkei, amKaukasus und seinen starken Besatzungen inPolen nur 100,000 Mann seinen Alliirten nachdem Rhein zuführen können.
Wollte man noch 100,000Mann Engländerhinzurechnen, so würden die Alliirten 650,000Mann zu dem allgemeinen Kampf stellen kön-nen. Die Zahl der Kämpfer bleibt sich mithinso ziemlich gleich; Frankreich hat aber dennicht zu berechnenden Vortheil, daß seine Ar-meen aus einem öffentlichen Volksleben aufden Kampfplatz treten, während die Gegnerfür eine Sache streiten müssen, deren Nutzenfür ihr eigenes Vaterland ihnen nicht rechteinleuchten würde.
Wirft man noch einen flüchtigen Blick aufdie finanzielle Lage beider Theile, so muß manwieder gestehen, daß Frankreich im Vortheilist. Es befindet sich nicht allein jetzt schon imBesitz vieler Geldmittel, sondern hat auch Kam-mern, die ihm alles bewilligen werden, sobald