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es nur einen volksthüinlichenKrieg führt. InFrankreich ist aber jeder Krieg ge-gen das Ausland v o lksthümlich.
Dagegen hat Oesterreich seit dem Friedenschon so viel Anleihen gemacht, daß es keinemehr mit Vortheil contrahiren kann, und Preu-ßen, das einzige, was vielleicht jetzt unter denAlliirten eine kleine Geldreserve haben möchte,darf ohne Einwilligung der künftigen Reichs-stände keine neuen Staatsschulden mehr contra-hiren, auch nicht höhere Abgaben erheben.
Rußland hat, wie jeder weiß, kein Geld undEngland wird von seiner enormen National-Schuld zu Boden geworfen und nimmermehrwürde das Parlament, nach den früher ge-machten harten Erfahrungen, Subsidien zueinem Continental-Krieg bewilligen. Auch istes wahrscheinlich, daß der bereits langst abge-nutzte Lord Palmerston, der durch seine rohendiplomatischen Formen sich schon vielfältig imIn- und Auslande lächerlich gemacht hat, dieMajorität im Parlament, die kaum 10 Stim-men beträgt, nicht lange behalten wird. Solltedies wahrscheinliche Ereigniß auch nicht so-gleich eintreten, so wird nimmermehr die eng-lische Nation in Gemeinschaft mit den Russenfechten. Es ist also mehr als wahrscheinlich,daß England zuerst vom Bunde zurücktretenwird. In welche entsetzliche Verlegenheit wür-den die Mittelmächte nicht gerathen, wennEngland durch eine parlaiPntarifche Krisisgerade in dem Augenblick von der neuen Qua-drupel-Allianz sich zurückziehen sollte, in wel-chem sich beide Theile gerüstet gegenüber stän-den. Schwerlich dürsten die westlichen Heerewieder ruhig nach Hause gehen!
Bei einem solchen allgemeinen Kampfe kön-nen Deutschlands Hauptmächte nur bedeutendverlieren, aber niemals viel gewinnen. Oe-sterreich würde, wenn auch die Lombardeinicht verlieren, doch ein konstitutionelles Ita-lien vor seiner Thüre erhalten, und Preußenmindestens die Rheingrenze anzuerkennen ha-ben. Bei einem solchen allgemeinen Kampfewürden nur England und Rußland gewinnen.Ersteres Land würde aus der liberalen Nevo-lutionirung von Deutschland und Italien spä-ter einen kräftigern Stützpunkt gegen Rußlandgewinnen und ihm jetzt willig eitlen Theil derTürkei überlassen, um es ihm später mit destogrößerem Nachdruck abnehmen zu können.
Diese flüchtigen aber freimüthigen Bemer-kungen, welche aus einer für den Frieden stetsgestimmten Feder geflossen sind, mögen hinrei-chend darthun, in welcher verhängnisvollenZeit wir leben und welche schwere Verantwort-lichkeit auf den Staatsmännern ruht, denen
die Vorsehung das Wohl der Völker anver-traut hat. Da Oesterreich und Preußen beider Entscheidung der ägyptischen Frage nichtmateriell interessirt sind, so dürfte es für dieMittelmächte nur rathsam sein, von diesemBunde zurückzutreten, und den Seemächten al-lein die Entscheidung der Streitfrage zu über-lassen.
Vermischte Nachrichten.
!s Aus Berlin. Ein dreiactiges Lustspiel vonC. Blum: Tempora, mutundur, oder: diegestrengen Herren war eine unterhaltendeNeuigkeit aus unserer Bühne, und bewahrte wiederdie äußerst gewandte und glückliche Manier diesesTheaterdichters, der schon so oft seine Virtuosität be-wiesen hat, das Repertoir mit allgemein ansprechen-den, und durch witzige Situationen ausgezeichnetenZugstücken zu versorgen. Man kann diese Virtuosität,im Vergleich zu dem höheren Beruf der dramatischenProduktion, allerdings nur eine untergeordnetenennen. Aber während die Richard Savage's unddie Clotilda Montalvi's nach zwei- bis dreimaligerAufführung spurlos wieder von der Bühne verschwun-den sind, und ihnen selbst bei der ersten Darstellungnur durch sichtliche Machinationen eine Aufnahme er-zwungen werden konnte, scheinen solche Bühnen-Fa-brikate, wie sie Herr Blum liefert, dem Bedürfnißdes heutigen Theaterpublicums mehr zu entsprechen,sie sind Wirkungsreicher und halten sich langer, weilsie unmittelbarer aus einer Kenntniß und Berücksich-tigung des gegenwärtigen Theaterzustandes hervorge-gangen sind. Aber sie besitzen, neben dieser An-schmiegung an einen sehr zweifelhaften und zweideu-tigen Zustand unserer Bühne, größere Vorzüge derNatürlichkeit und Wahrheit, die man solchenmühsam ausgegrübelten Reflerionsproducten, wie z. B.Richard Savage eines gewesen, nicht zugestehenkonnte. Dabei hat Blum einen glücklichen Treffer,alte Stoffe zu nutzen, die er geschickt in ein modernesGewand schlägt und ihnen den Faltenwurf heutigerBühnenintereffen verleiht. So ist auch das neueStück wieder nach einer Idee des Grafen Lodovieo Gi-rauv, in dem Lustspiel: „ 60«! tacava mlv zmllre "gearbeitet. Der Vortheil ist, daß diese Stoffe mei-stens einer älteren einfachen Zeit des Theaters ange-hören , die viel gesunde Kost darbot und die sich anharmlosen Lebenszuständen mit ergötzlichen Verwicke-lungen begnügte, ohne in die unnatürliche und natur-lose Geschraubtheit zu gerathen, in der unsere Büh-nen - Reformatoren von heut ihr ganzes Heil suchen.So kommt es, daß Blum oft ganz hübsche und allerliebsteStücke auf das Ncpertoiv- fördert, die den Schauspie-lern zu pikanten Leistungen Gelegenheit geben unddabei nicht höhere Pratensionen machen als für denTheaterabend zu leben, dem sie sich gewidmet. Mankann es daher dem Publicum, wie es einmal ist,nicht verdenken, daß es diese harmlosen Bühnen-Unterhaltnngen allen Richard Savage's, Werner'sund Clotilda Mantalvi's vorzieht, deren Verfasser unsalle Augenblicke prahlerisch versichern: wir sind pro-duktiv I unsere Dramen gereichen der deutschenBühne zum Heil! und von denen doch, bei allerdieser produktiven Heilsgereichung, Nichts auf derBühne sich erhalten konnte oder nur den Schatten
von populairem Anklang dort fand. Sind diese Her-ren wirklich, wie sie an allen Gaffenecken selber aus-schreien, produktiv, so mögen sie uns Dramengeben, welche die deutsche Nation begeistern und dasTheater zu seiner nationalen Bedeutung zurückführenkönnen, und wir werden die Ersten sein, welche ihreallgemeine Anerkennung ausrufen l Aber so lange sienoch ohnmächtige Erzeugnisse liefern, wie die bishe-rigen , muß man über ihren Reformationseifer lächeln,und sie selbst müssen dulden, daß ein ganz naivesBühnentalent, wie das des Herrn Blum, sie anFruchtbarkeit und Wirksamkeit weit überflügelt. —— Nun zu dem neuen Stück, das eine im Grundeziemlich gewöhnliche Intrigue sehr interessant und leb-haft behandelt. Ein Mann der alten Zeit, der nachden Grundsätzen seines Jahrhunderts, bei aller Gut-müthigkeit seines Herzens, ein eisernes Familienregi-ment handhabt und dadurch in Conflicten mit seinenAngehörigen steht, die besonders das Bestreben haben,ihn mit einem früher davongelaufenen und jetzt beweibtzurückgekehrten Sohn wiederzuvereinigen, bildet denMittelpunkt des Stücks. Die Zeichnung dieses Cha-rakters, dem der Verfasser den Namen Mamer-tus gegeben, sowie seines zur selben Orthodoxieschwörenden Busenfreundes, Pancratius Fr 0 st,wirkt im ersten Act sehr belustigend. Dazu geselltsich ein alter Diener, Servatius, das Kleeblattder drei Kalender - Namen vervollständigend , obwohlder mit diesen Namen getriebene Witz sehr überflüssigund deshalb selbst frostig erscheint. Diese drei wer-den durch die Herren N 0 tt, R ü t h l i n g und Weißmit gutem Humor vorgeführt. Eine hübsche Figurist des alten Mamertus Schwiegertochter, Veronika,die sich so anmuthig in die Launen des Alten einstu-dirt hat, und durch Fräulein Charl. v. Hagnmit der ihr eigenen feinen Charakterzeichnung darge-stellt wird. Der erste Act dieses leichtgeschürzten Jn-triguenstücks ist der gelungenste, und der Verfasserhätte wohl gethan, in diesen einen das ganze Ge-mälde zusammenzudrängen, statt es in drei Abthei-lungen, die viel Wiederholungen und Abschwachungcndarbieten, auseinanderzuziehen.
Ein Kirche nproceß um Therese undFannyElsler. In Paris kam es vor einigenTagen zu einem seltsamen Proceß. Monsieur Eva-riste de St. Ange erschien vor dem Nichterftuhl miteiner Klage gegen die Stuhlvermietherin der KircheSt. Loretto. Er behauptete von dieser Frau die bei-den Kirchcnstühle gekauft zu haben, aufweichen die„himmlischen Schönheiten, Therese undFanny Elsler" gesessen, habe aber jedesmal,wenn er in die Kirche gekommen, seine beiden, theuergekauften Stühle besetzt gesunden; hierüber erzürnt,habe er dies theure Andenken, diesen Stuhl ,,6'uuebxmiit«; usi-isnnk" in seine Wohnung schaffen wollen,sei aber von der Stuhlverkäufcrin, Md. Mabille, unddem Sacriftan daran verhindert. Herr de St. Angeerschien nun mit der Klage gegen die Verkäuferin vor-dem Richter, und verlangte die Auslieferung seinerStühle. Die Klage mußte, da es das Gesetz ver-bietet, etwas aus der Kirche fortzutragen, und zu ver-kaufen, abgewiesen werden, Madame Mabille ver-sprach aber dem untröstlichen „ llon ", ihm, obwohlein wahrhaftes Drängen von Herren nach diesen Stühlensei, wie wenn Liebhaber ihre Geliebte aufsuchten,dennoch ihm dieselben künftig zu bewahren. Herrvon St. Ange meinte sich nicht darauf verlassen zu
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