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Hand und fragte bebend: Können Sie mir aufIhre Ehre schwören, daß er ungefährdet seineReise angetreten?
Daß er sie ungefährdet angetreten,kann ich schwören, antwortete der Graf, dasletzte Wort betonend.
Können Sie mir bei Ihrer gräflichen Ehreschwören, daß er, nach Ihrem Wissen, sieungefährdet fortsetzen wird? fragte Eleonoredringender.
Der Graf schwieg einen Augenblick undbetrachtete mit grimmer Ruhe das Weib, dasan seiner Seite zitterte: Er wird sie nicht fort-setzen diese Reise, sagte er dann.
Die Gräfin, mit einem gellenden Schrei,» bedeckte ihr Gesicht mit ihren beiden Händen,
und der Graf lachte in wilder Rachelust.
Wo ist er, wo? fragte Eleonore dann,und ihr Busen flog in wilder Angst und Ver-zweiflung.
Der Graf erwiederte ruhig: Wir fahrenauf unser Stammschloß, wie Sie wissen, IhrVetter Armand ist uns dahin vorangegangen.
Was sagen Sie da? fragte Eleonore, dennsie verstand nicht den Sinn der Worte, die ihrGemahl gesprochen.
Ich sage, daß es in meiner Stammburgaus guter alter Zeit her ein Burgverließ giebt,mit schweren eisernen Thüren wohl verschlos-sen, und dort seufzt Armand mit zärtlichemSchmachten seinem Liebchen entgegen, währendjeder glaubt, daß er auf der Reise begriffen.
Entsetzlich, unerhört! schrie Eleonore. DerGraf aber ließ die Fenster und Jalousien, dieim Innern des Wagens angebracht waren, her-unter, indem er sagte: Man möchte sonst dadraußen hören und sehen, was hier vorgehtund was keine Zeugen duldet. So sind wirsicher, weder Schreien noch Seufzen, noch auchspähende Blicke von außen dringen durch dieseJalousien hindurch.
Eleonore lag wie vernichtet da, und nurdas laute krampfhafte Stöhnen, das sich ausihrer Brust Hervorrang, bekundete ihre Qual.Dann richtete sie sich auf und sagte: Sie sindein Ungeheuer, ich verachte Sie, ich verab-scheue Sie!
Der Graf lachte, und Eleonore fuhr hef-tiger fort: Sie wußten es lange schon, daßich Sie nicht lieben konnte, ich hatte es Ihnenoft gesagt, oft wiederholt, warum, o warumbestanden Sie darauf mich die Ihre zu nennen,da Sie doch wußten, ich würde es nie in mei-ner Seele sein?
Ich verwettete einst mein gräfliches Wortin fröhlicher Gesellschaft, Sie zu meiner Ge-mahlin zu erheben, obgleich man meinte, es
würde mir nicht gelingen, Sie Ihrem VetterArmand abzugewinnen.
Es ist Ihnen nicht gelungen, nie, niemals!
Mein gräfliches Wort ist, Dank sei es derHabsucht Ihrer Eltern, die Ihnen mit ihremFluche drohten, gelöst, die Wette gewonnen,Sie sind meine Gemahlin.
Wie war es möglich, sagte Eleonore, inverzweislungsvoller Pein alle Furcht und Zag-haftigkeit verlierend, daß ein Mann so unwür-dig , so ehrlos handeln konnte, einem Mädchenseinen Namen zu geben, von dem er weiß, daßsie einem Andern gehört. Sträubte sich IhrInneres denn nicht gegen eine so ehrlose That,mir Ihre Hand zu geben, als Sie erfuhren,ich sei eines Andern Weib?
Meine Ehre duldete es nicht, mich zumGespötts und Gelächter ver Welt zu machen.Nicht allein mußte ich mein gräfliches Wortlösen, meine Wette gewinnen, sondern es galtauch, den Schimpf von mir fern zu halten,am Tage vor meiner Hochzeit die öffentlich be-kannt gemachte Verbindung zu trennen. Aber,Madame, meine Ehre, an die Sie mich sounvorsichtig zu mahnen wagten, schreit nachRache. Sie soll ihr werden.
Eleonore sank nieder zu seinen Füßen. Aufmein Haupt, auf mein Haupt schütten Sie sieaus Ihre Rache, schonen Sie nur, ich flehe zuIhnen, schonen Sie Armand!
Niemand darf leben, der da weiß, daß eineVerbindung mit ihnen mich zu einem Ehrlosenmachte! Armand wird sterben.
Unmöglich, unmöglich! kreischte Eleonore,und umfaßte krampfhaft flehend des GemahlsKnie. Schonen Sie sein, nehmen Sie meinLeben hin, nur schonen Sie das seine.
Umsonst, Eleonore, spare Deine Worte,Ihr beide müßt sterben, sagte der Graf, undzog aus seinem Portefeuille eine silberne kleineKapsel hervor.
Eleonore erbebte, sie kannte diese Kapsel,das ein Erbstück in des Grafen Familie warund langsam tödtendes Gift enthielt.
Sie wollen mich tödten? stammelte sie, undihr Athem stockte in Angst und Pein.
Meine Ehre fordert es! sagte er höhnischurld kalt.
Nun folgte eine furchtbare, eine grausigeScene. Die Lebenslust war erwacht in demHerzen des jungen Weibes. Sie konnte nochso viele Jahre vor sich haben, sie hatte noch sovieles zu hoffen vorn Leben, so viele unerfüllteWünsche, so viele ungeträumte Träume! Sieflehte um Gnade, sie schwur mit heiligem Eide,den Geliebten ihrer Jugend zu vergessen, undtreu ihrer Pflicht und dem Gemahl zu leben.
Sie flehte nur um Barmherzigkeit, um Zeitihren Fehler zu bereuen, sie beschwor den Gra-fen, Armand zu befreien, ihn zu schonen.Ihre Bitten, ihre Jammertöne, Felsen hättensie erweichen mögen, und Steine rühren, desGrafen Brust bewegten sie nicht, kalt undstreng erwiderte er ihren Thränen, ihrenSeufzern, ihrem Händeringen und ihrer To-desangst : Du mußt sterben!
Schonst Du Armand, wenn ich trinke, läßtDu ihm das Leben, wenn ich sterbe? fragte sieendlich, matt vom Weinen, hoffnungslos.
Ich schone sein, dann mag er leben! ant-wortete der Graf.
Hastig nahm Eleonore die Kapsel, öffnetesie und verschluckte den Inhalt, dann warf siesie schaudernd von sich.
Hoffe nichts für Armand! sagte der Grafruhig. Ich sagte Dir schon, Niemand darf le-ben, der da weiß, daß eines Andern Liebstemeine Gemahlin ist.
Lügner und Betrüger! Fluch über Dich!kreischte Eleonore und sank ohnmächtig zusam-men. Der Graf aber murmelte: Sie hat nochacht Tage zu leben!
Der Wagen fuhr mit donnerndem Ge-räusch in den Burghof, die Diener öffnetenden Schlag, der Graf sprang heraus, und dieDiener wegen des plötzlichen Unwohlseins sei-ner geliebten Gemahlin zur Ruhe verweisend,hob er das noch immer ohnmächtige Weib inseine Arme, und trug sie ins Schloß.
(Beschluß folgt.)
Der Brunnen von Baktschisarai.
Nach Puschkin.
Girej sitzt starr, den Blick gesenkt;der Bernstein dampft in seinem Munde;und scheu den finstern Chan umdrängtdes knecht'schen Hof'S lautlose Runde. -Im ganzen Schlosse regt sich Nichts;denn Alle lasen mit Erbleichendie düstern Zorn- und Nnmuth-Zeichendes strenge - schau'nden Angesichts.
Da hebt ker stolze Fürst die Linkezum ungeduldig raschen Winke:und Alles, tiefgebückt, eilt fort.
Allein im Saale sitzt er dort.
Laut seufzt die Brust, nun frei gehoben,und offen werfen Stirn und Blick,lebend'ger jetzt des Innern Toben,so wie sturmdrau'nde Wolken drobender Mcerbucht schwankes Glas zurück.
Was mag den stolzen Geist bewegen?
Was sinnt, was brütet der Despot?
Geht's Rußland neu zum Kampf entgegen?Bringt Polen er sein Machtgebot?