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Entbrennt sein Herz in blut'ger Rache?
Entdeckt er Meuterei beim Heer?
Bangt ihm vor'm Bergvolk', oder mehr:
Daß Genua's tück'scher Haß erwache?
Nein, Krkegsruhm dünkt ihn läst'ge Sache,ermattet sank die Schreckenshand:
Krieg seinem Sinne langst entschwand.
So schlich auf schnöden Pfaden ebenin's Harem sich Verratherei,und hat dem Giaur das Herz ergebendie Tochter üpp'ger Sklaverei?
O nein! die Frau'n Girej's, voll Zagen,Gedanken nicht, noch Wünsche wagenund blüh'n in ruh'gem Einerlei:bei kalter Hüther Lauerzwange,im Schooß trostlosem Müßiggänge,nichts wissend von Verratherei.
In ihres Zwingers Dämmern ebenblüht ungesch'n ihr Reiz empor :
So prangt Arabien's Blumenflor,von Treibhausscheiben rings umgeben.
Für sie ziehn Tag' und Monde bleich,die Jahre trüb' im Zeitgetriebeund nehmen unbemerkt.zugleichdie Jugend mit sich, sammt der Liebe.
Jedweder Tag einförmiglangund trag die Stunden hier verfließen:im Harem laßt der Müßiggangnur selten wahren Frohsinn sprießen.
Die jungen Frau'n, wie's nur will geh'n,bemüht, ihr Herz zu hintergeh'n,vertauschen bald die Prachtgewande,bald sinnen sie ob anderm Tande:beim Plätschern munt'rer Brunnen bald,bald längs der Fluth, der silberklaren,im schattigkühl'n Platanenwald,lustwandeln sie in heitern Schaaren.
Inmitten geht der Hämmlingsmohr;den flieh'n woll'n, wäre Müh' verschwendet:sein eifersüchtig' Aug' und Ohrfolgt ihnen Allen unverwendet.
Diensteifrigst hat er festgestellt
der Ordnung Zwang: der Will' im Chane
ist ihm die einz'ge Norm der Welt;
auf kein Gebot, selbst vom Korane,
er je gewissenhafter hält.
Sein Herz fragt nimmerdar nach Liebe;und kälter selbst kein Steinbild bliebe,als er für Vorwurf, Spott und Tück',für übermüthig arge Schnurren,
Schimpf, Bitten, schüchtern schäm'gcn Blickund leises Seufzen, machtlos Murren.
Er hat des Weibes Art erkannt,erfuhr, wie's arg in List gewandt,in Freiheit, wie im Sklavenzimmer:
Kein Schmachtblick, noch stummklagend' Naß
vermögen über ihn Etwas;
er traut ihm nun schon lange nimmer.
Drum, eilt, sein flatternd' Haar zerstreut,das junge Volk, der Haft entflogenin's Bad, zur heißen Tageszeit,und, drängen sich die frischen Wogenum all' den Zauberreiz voll Neid —so ist der Kurzweil steter Hütherauch hier, und fühllosruhig sieht erden lockendholden Schwärm enthüllt:wie er, wenn Nacht das Harem füllt,
die Spähertritt' in seinen Sälen,den Teppich kaum berührend, sacht,aus Thür' in Thür', leis' aufgemacht,pon Lager sich zu Lager stehlen —-die Frau'n des Chan' s die ganze Nachtin ihrem üpp'gen Schlaf bewacht,dem Traumeslall'n selbst lauscht entgegenund jedes Athmen, Seufzen, Regengespannt und gierig nimmt in Acht.
Weh' dann ihr, deren Schlummerlautenein fremder Name wohl enteilt,wenn sie nicht gar der Freundvertrautenein sträflich Plänchen mitgetheilt!
Was aber quält Girej so nagend?
In seiner Hand erlosch das Rohr;und reglos, kaum zu athmen wagend,harrt, an der Thür, des Winks der Mohr.
Da geht der Chan, vertieft in Träume,zur offnen Thür vor ihm und, traunstumm, durch die stillgeheimen Räumeder noch unlängst so lieben Frau'n.
Sorglos harr'n die, gewohnter Weise,des Herrn, am Springquell schon im Kreise,auf seidnem Teppich, weich und bunt,muthwillig ausgelassen kauerndund schier mit kind'scher Freude lauernd,bis Fisch um Fisch im hellen Grundumkreist des Marmorbodens Rund;dann flugs hinab zum klaren Sandemanch' gold'nes Ringlcin fällt vom Rande —indeß die Dienerinnen baloScherbet, gewürzig duftend, bringen,bald hell und klar dies Liebchen singen,daß rings dqs Harem wiederhallt:
Tatarisches Lied.
1.
Es schenkt der Herr dem Staubgebor'nenErsatz für Jähr' und Ungemach:
Dem Fakir Heil, dem Auserkohr'nen,
Der Mekka schaut, ob trüb' und schwach!
2 .
Heil! wer der Donau wonn'ge GaueIn blut'gem Tode weichend trankt:
Auf ihn zum Gruß' aus Edens AueDer Huri sel'ger Blick sich senkt!!
3 .
Doch dem, Sarema, Heil die Fülle!
Der, Fried' und Ruh' erkiesend sich.
Wie eine Ros', in Harems Stille,
So zärtlich hegt, Liebholde; Dich!!!
So tönt's. Wo aber ist Sarem e,der Liebe Stern, die Perl' im Diademeves Harems? — Wehe! Bleich und bang,vernimmt sie nicht den Lobgesang!
Der Palme gleich, geknickt vom Blitze,senkt sie das Haupt auf ihrem Sitze.
Nichts, nichts, ihr nun noch lieb, es giebt;Seremen hat Girej geliebt. —
Er ward untreu!... doch, welche Schöne,Kind Grusien's, gliche Dir an Schöne?Umschlingt der Lilienstirne Glanznicht doppelt deiner Flechten Kranz?
Beschämt des Zauberblicks Gefunkelnicht Tagcsglanz und nächtig' Dunkel?
Welch' and're Stimme tönt so starkden Schwung von heißer Wünsch' Ergüsse?
Welch' and'rem Kuß bebt Bein und Markso tief, wie deinem Flammenkusse?
Wie sollt' ein Herz, schlägt's Dir bereits,noch klopfen je für andern Reiz? >—
Und doch! Kalt, hart, gleich einem Steine,verschmähte Deiner Reize PrachtGirej: die frische Zeit der Nachtverbringt er finster und alleine,seitdem des Polenfürsten Sproßer in sein Harem jüngst verschloß.
Nicht lang noch ist Marie an diesenihr fremden Himmel herverwiesen;nicht lang noch blüht' in holdem Glanzsie frisch, der Schmuck des Heimathland's:des greisen Vaters Stolz und Freude,hieß Trost sie ihm und Augenweide;
Gesetz war für den alten Mann
des Mädchens kindisch Woll'n und Weben;
und nur d i e Sorge focht ihn an:
daß seiner süßen Tochter Leben
sei, wie ein Frühlingstag, so licht;
daß selbst minutenlanger Kummer
nicht stör' ihr Herz, noch ihren Schlummer;
daß auch die Gattin einstmals nicht
ganz ohne Rührung denk' und träume,
wie froh des Mädchens Zeit ging hin,
vorbeigeblitzt wie flücht'ge Träume. —
Sie ist ganz Reiz: So sanft ihr Sinn,harmonisch Wesen, Thun und Trachtenmit ihrer Taubenaugcn Schmachten —und, was Natur an Lieblichkeitihr gab, half sinn'ger Schmuck erheben;des Hauses frohe Gastlichkeithalf süß ihr Harfenspiel beleben.
Gar mancher Groß' und Reiche mußt'umsonst Mariechen' s Hand verlangen,und manche treue Jünglingsbrustverzehrt um sie ein still' Verlangen.
Ihr Herz schlägt ruhig; unbewußtsollt' ihm noch stets die Liebe bleiben:
Die freie Muß' in's Vaters Schloßim Kreis' der Lieblingschaar verfloßbei lauter muntern Zeitvertreiben.
Indeß, wie lang' — so brach die Fluthder Tatarn über Polen' s Schwelle:
Nicht schlängest mit so grauser Schnellesich durch die Saat die FeuerSgluth.
Verheert ward durch des Krieges Welle,verwaist das lebenvolle Land:
Verscheucht des Friedens Spielvereine,verstummt die Dörfer sind, die Haine;verödet auch die Herrnburg stand.
Mariechen's traut' Gemach füllt Schweigen...
und, wo im Ahnenheiligthum
die Theuren ruhen, starr und stumm,
mit Fürsten-Kron' und Schmuck ringsum,
seh' ich ein neues Grabmal steigen ....
Ihm ward das Grab, ihr Sklaverei. —
Ein gier'ger Erb' im Schlosse schaltet,der jetzt mit schwerem Joch verwaltetdas Land, schon eine Wüstenei.
Und ach! der Fürstin junges Lebenbegräbt nun Schloß Baktschisarai!
Einsamer Haft hier preisgegebenhärmt sichMaria weinend ab. —