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Girej der Aermsten Nachsicht gab;denn ihre Wehmuth, Zähre, Bittestört selbst im kurzen Schlaf den Chan.
Für sie drum mildert er fortandes Harems nie verletzte Sitte:
Der störr'ge Frauenhüther auchbetritt nicht Tag's noch Nacht's ihr Zimmer;sie führt mit eig'ner Hand, wie's Brauch,zu ihrem Ruhebett' er nimmer;
Er wagt es nicht und richtet niedes schnöden Auges Blick auf sie.
Im Flußbad' auch, im dicht verhang'nen,naht nur die Sklavin ihr. Ja sieh,der Chan sogar trägt, der Gefangnengramvolle Ruh zu stören, Scheu:
In seines Harem's fernstem Theilefür sich zu bleiben, steht ihr frei.
In dem Asyle scheint's, als weilegeheim ein Ueberird'scher dort:
Es brennt die Ampel da vor'm Bildeder heil'gen Jungfrau fort und fort;und Trost der Langen Seel' und mildeHoffnung wohnt still dort, unverwandtdem Glauben demuthvoll verbündet;und Alles da dem Herzen kündetein nahes beff'res Heimathland.
Der Zähren Trost Marie hier findet,fern von der neid'schen Andern Schaar.
Und wo rings Alles ganz und garnur schlaffer Wollust hingegeben —durch Wunder frei, dies reine Lebenein Fleckchen zum Asyle fand:
So wahrt ein Herz, der Sünd' erlegen,inmitten schnöder Lüste Regen —ein einzig' heil'ges Unterpfand —doch ein gottselig' rein' Gefühl.
Nacht ist's. Gehüllt in Dunkel hattensich Taurien's Gefilde schon;fern klang aus stillen Lorbeerschattender Nachtigallen süßer Ton, *und, hinter'm Sternenchor auftauchend —der Mond aus wolkenlosem Blauauf Thal und Hügel schien und Au,mit mattem Glanz sie überhauchend.
Gehüllt in weiße Linnen, steh',wie Schatten leicht vorüberschweben —Baktschisar ai's Straßen ebenvon Haus zu Hans, balv dort, bald hie,die Tatarfrauen scheu durcheilen,vereint die Mußezeit zu theilen.
Das Schloß ward stumm, das Harem lagvom Arm' wollüst'gen Schlafs umschlossen;kein Laut, kein Flüstern unterbrachdie Ruh' der Nacht. Stumm und verdrossender Wacheunuch die Runde macht.
Jetzt schläft auch er. Doch, ob verschlossen,die Furcht im S chlaf auch in ihm wacht;denn, für und für Verraths gewärtig,giebt nie sein Geist der Ruhe Raum,ist stets Geräusch ihm gegenwärtig:
Geflüster nun, nun Zank, im Traum —daß er, vom falschen Ohr betrogen,vom Schlaf aufschreckend, bang nunmehrund ängstlich lauscht, scheu vorgebogen....
Doch Alles schweigt rings um ihn her.
Die Springquell'n nur süßplaudernd kosen,enteilt der Marmorbrunnen Zwang;und zärtlich ruft den trauten Rosen
der treuen Nachtigallen Sang.
Lang' horcht der Sklave schlummertrunken,bis er ausiS Neu' in Schlaf versunken.
Wie lieblich doch der dunkle Glanzder Nacht, wo sie zu Allah beten:
Wie süß rauscht ihrer Stunden Tanz,für Euch, Verehrer des Propheten!
Ha, welche Lust rund um euch lacht:in Eurer Gärten Zauber-Pracht,in Eurer Harem trauten Räumen,wo Euch des Mondlichts mag'sche KraftGeheimniß rings und Ruhe schafft,süßleidenschaftlich' Thun und Träumen!
Das Harem schläft. Nur e i n Weib wacht:Kaum athmend steht sie auf, und sacht —mit kecker Hand sie leicht berührend —>die Thür sich öffnend, unverweiltdurch's Dunkel, fiücht'gen Schritt's sie eilt.
Im scheuen Halbschlaf' Alles spürend,der graue Wächter vor ihr liegt.
Weh! Der wird Nachsicht nie gestatten —
Weib! seines Schlummers Ruhe lügt!...
Sie schwebt vorbei gleich einem Schatten.
Da naht sie einer Thür. Nur zaudernd,wie sie ihr ängstlich Zittern spürt,die Hand das gute Schloß berührt.
Jetzt schlüpft sie durch, und sieht, leis schaudernd,
von ticfgeheimer Furcht erfüllt,
bei stillem Ampelschein', im bleichen
Erglühen vor der gnadenreichen
gebenedeiten Jungfrau Bilv,
das Kreuz, der Liebe heilig' Zeichen....
Gcrusierin! Wie rief dir das
das Land in'S Herz, das dich geboren,
aus Tagen, die es lang vergaß,
geheimnißvoll heraufbeschworen! —
Vor ihr die Fürstentochter ruhtin jungfräulichen Schlummers Gluth,die Wangen rosig blühend,bethaut von frischer Thränen Spurin mattem Lächeln sanft erglühend:
So malt das Mondlicht Bach und Flur.
Entrückt aus Eden's sel'gen Auenein Engel da zu ruhen scheint,der schlummernd heil'ge Zähren weintum Alle, die in Harem's Grauen. —
Doch weh, Sarema! Was ist dir?
Beklemmung schnürt den Busen ihr;und unwillkürlich ist's geschehen:
Sie kniet und fleht: „Erbarmen mir!
Verwirf nicht mein inbrünstig' Flehen!... "
Dies Wort und Thun im Schlafgemachder Jungfrau leisen Schlummer brach.
Lang sah sie, wie beim Ampelschimmerdie junge Fremde knieend lag,und hob, bestürzt und scheu noch immer,sie auf, indem sie zu ihr sprach:
Wer bist du? Nachts in meinem Zimmer!
Was thust du hier?-„Ich suchte dich.
Du aber rette, rette mich!
Sonst ist mein Hoffen all' geschlossen....
Ich habe lang nur Glück genossen,ward sorglos mehr und mehr fortan —da ist das Schattcnglück zerflossen. —
Mit mir ist's aus! — Doch, hör' mich an:
Ich ward nicht hier geboren — drüben,weit drüben — doch der frühern Zeit
Erinn'rung ist mit Deutlichkeitmir stets tief eingeprägt geblieben:
Mich mahnt's an riesiger Berge Joch,an warme Gießbachwasser noch,an Haine, die kein Fuß durchschritten,an and're Satzung, and're Sitten. —
Doch, weshalb und, durch welche Machtvom Heimathland' ich weggebracht —das weiß ich nicht. Das Meer nur seheich, seh' den Mann noch immer dort,hoch zwischen Segeln....
Angst und Wehe
blieb mir bisher ein fremdes Wort;
In Wohlbehagen fort und fort,im Harem, konnt' ich mich entfalten,und sah die Liebe ruhig nah'n,ließ frei ihr erstes Regen walten.
Da ward mein stiller Wunsch und Planerfüllt: Girej vertauscht zur Stelleden blut'gen Krieg mit Fried' und Ruh,stellt ein die grausen Ueberfälleun^ spricht im Harem wieder zu.
Vor'm Chan' erwartungbang wir standen;da läßt auf mir er schweigend ruhnder Augen Strahl, wie sie mich fanden.
Dann rief er mich zu sich.... Und nunin stetem Liebestaumel immerGlückseligkeit nur athmend, sah'nVerleumdung, Argwohn, Leiden schlimmerqualvoller Eifersucht wir nimmer,noch Langeweile jemals nah'n. —
Maria! da bist d u gekommen....
Weh! Nun hat sein Gemüth die Nachttreulosen Sinnes eingenommen:
Girej, schon auf Verrath bedacht,hört meinen Vorwurf nicht; Erkaltungnur noch mein Schmerz ihm abgewinnt:
Gefühle nicht, noch Unterhaltungwie sonst, er nunmehr bei mir find't.
Du theilst noch nicht sein treulos Wesen —ich weiß: nicht deine Schuld ist's, nein.
Doch, ich bin schön, wie ich's gewesen —mir ward'st im Harem du alleingefährlich, sonst kein weiblich Wesen —und Leidenschaft ist erblich mein!
D u weißt, wie i ch zu lieben, nimmer;was schreckst mit Schönheit, kalt wie Stein,solch' heißes, weiches Herz denn immer?
Laß wir Giwej! Mein muß er sein:
Noch fühl' ich seiner Küsse Brennen!
Er schwur mir Eioe, hoch und schwer!
Und lang' möcht' er nichts And'reS kennen,als was auch meines Sinns Begehr. —
Mich mordet sein Verrath! drum, siehe...
Ich weine? — Ja! Sieh' her, die Knieeselbst beug' ich, Mädchen, jetzt vor dirund fleh' — zu feig, dich anzuklagen —
Gieb wieder Fried' und Ruhe mirund den Girej aus frühern'Tagen!...
Nein, sag' mir Nichts! Mein Glückist er, ist mein! Du blendest seineBegier jetzt. Trotze, klage, weine —wie du nur willst, weis' ihn zurück!
Das schwör' —, vergaß i ch, dem Korane
anheimgefallen wie dem Chane,
den Glauben auch, der mich gebar:
der Glaube meiner Mutter war
doch deiner — schwör's beideinem Glauben:
Girej Saremen nicht zu rauben!