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in überwallendem Gefühl der Vaterliebe brei-tete er die Arme aus und rief: Komme an meinHerz, mein Sohn , ich bin Dein Vater! —-Der junge Graf aber stieß ihn zurück, rief sei-nem Diener, der hinter dem Wagen ritt, undsagte diesem in französischer Sprache, daß seinKutscher, wie er so eben sehe, ein Wahnsinni-ger sei, vor dem ihm schaudre. Er möge ihmsein Pferd überlassen. So sprechend, befahlder junge Graf dem Kutscher zu halten, bestiegsein Pferd, und trabte davon. Mit einem To-desschmerz in der Seele blickte der Graf ihmnach, und flüsterte: Das war erst die wahreBuße! Nun glaube ich, ist meine Schuld ge-sühnt !
Ich kenne den jungen, liebenswürdigenGrafen Gehberg, sagte ich, und bin überzeugt,er ahnt nichts von dieser traurigen Geschichte,er ist zu gut, um so grausam zu sein.
Der Kutscher wandte sich rasch zu mir um.Sie kennen ihn, Sie kennen ihn? fragte er,seine Züge waren Plötzlich mild und weich ge-worden, seine Lippen zitterten in tiefer Bewe-gung, und es schien mir, eine Thräne trete insein Auge. Beschreiben Sie ihn mir, wie siehter jetzt aus. O, könnten diese alten Augen —doch nein, unterbrach er sich hier selber, wozudas! — Er trieb seine Pferde zu einem schnel-lern Trab, und da der Sand hier nachgelassen,hatten wir bald das Ziel unsrer Reise erreicht.Als ich aus dem Wagen stieg, faßte ich endlichden Muth, den Kutscher nach seinem Namenzu fragen. Er sah mich mit einem durchdrin-genden Blicke an, und antwortete: Ihr wißt,wer ich bin. Ich heiße Graf Gehberg. —Dann fuhr er von bannen, ich aber wandtemich zu dem Wirth, vor dessen Hotel ich abge-stiegen und der so eben zu mir trat, und fragtehastig : Sagt mir doch, wer ist denn jener selt-same Mann? — Der Wirth sagte lachend:Den Kutscher meinen Sie? Das ist ein stiller,ordentlicher Mann, der sehr gut und sicherfahrt, aber seine eignen Grillen hat. Er istein unschädlicher stiller Wahnsinniger, und bil-det sich ein, der berüchtigte Graf Gehberg zusein, der vor zehn Jahren gestorben. —
Vermischte Nachrichten.
* Hamburg, Juli.— Die Telegra-phenlinie von Curhafen bis Hamburg.— Das Bürgermilitair.— Die Wett-rennen. — Ein seit mehreren Jahren mit großemNutzen für die handeltreibende Welt bestandenes In-stitut , die von Herrn Schmidt in Mona begründeteTelegraphenlinie von Curhafen bisHamburg droht aus Mangel an Unterstützung, für
unsere Stadt wenigstens, wieder einzugehen. DerDirector hat sich, durch zahlreiche Unterschriften unter-stützt , an den Senat um einen jährlichen Beitrag ge-wendet, der ihm aber abgeschlagen wurde, aus wel-chen Gründen ist nicht bekannt, wahrscheinlich weildie Staatscasse für private Unternehmungen kein Geldhergiebt, und nun soll Alton« wieder wie zuerst derEndpunkt der Linie sein. Die ganze Linie kostet un-gefähr 18000 Mark Banco, von denen etwa 12000Mark durch Subscription der Kaufleute, Schiffsrhederrc. gedeckt sind. Da sehr viele Hamburger Subscri-benten sind, so steht zu befürchten, daß die Einnahmenoch mehr sinken und dadurch das ganze Unternehmeneingehen wird, wenn nicht die Besprechung in denöffentlichen Blattern eine regere Theilnahme unterdem betheiligten Publicum zu Stande bringt, wasum so mehr zu wünschen ist, da auch andere deutscheStädte, wenn sie erst mit Hamburg durch Eisenbah-nen in genauere Verbindung getreten sein werden,auch dem Meere gleichsam naher rücken und an schnel-len Nachrichten von daher mehr Theilnahme bezeigenwerden. Wenn auch die jüngste Zeit gezeigt hat,daß Deutschland für großartige Unternehmungen, obauch nicht in so reichem Maße, wie England, Frank-reich und Belgien, empfänglich ist, so fehlt eö nochzu sehr an der Einsicht, wie diese einzelnen Unterneh-mungen in einander greifen, und daß zuweilen dasEine nur bestehen kann zum Nutzen des Andern unddadurch des Ganzen. —
Auf allen unsern Wachen und an den Thorensieht man jetzt nur Bürgers oldatcn; unser Li-nienmilitair, das am 26. August zum Brigade-Manö-ver nach Oldenburg marfchirt, wird schon seit einigenWochen täglich eingeübt und ist daher seit dieser Zeitvon dem Wachdienst befreit. Das gemahnt an dieSchulen, wenn der Lehrer weiß, daß die Schul-Jnspecflon zu einem öffentlichen Gramen eintreffenwird, oder an jene Stadt, wo von den Feuerdepu-tirten verordnet wurde, einige Tage vor einem aus-brechenden Feuer die Spritzen zu probiren. Sollteeine auswärtige Macht, wenn sie einmal Deutschlandmit Krieg überziehen will, nicht die Gefälligkeit haben,jedem Militaircorps des deutschen Bundes, wenig-stens einige Monate vorher, eine Anzeige davon zumachen, daß es sich vorher dazu einüben könne? Vonden höflichen Franzosen ist das gewiß zu erwarten.—Die Wettrennen, die vom Wetter begünstigtwurden, haben viele Leute auf die Rennbahn gelockt,besonders an den beiden letzten Renntagen, an wel-chen ein Trabrennen gehalten wurde. Da daran nurdie Pferde der Bürger und Landleute Theil nahmen,so erweckte es unter diesen auch bei weitem mehr In-teresse, als das Rennen der veredelten Pferde, dieman hier nur als eine Lurussache des Adels betrachtet.
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^ Aus Stuttgart. — Das Buch-druckerfest zu Stuttgart 1840. — Meh-rere Tage hatte man zu den Vorbereitungen der Fest-lichkeit gebraucht. Auf dem Markte war eine Tri-bune errichtet worden, auf der die alte und neuePresse stand. Sehr viele Häuser und alle in denStraßen, durch welche sich der Zug bewegte, warenfestlich mit Laub-, Blumen- und Bänder - Guirlan-den geschmückt. Schon am Vorabende des Festes,an welchem der Messias von Händel aufgeführtwurde, war die Bewegung auf den Straßen bedeu-tend, doch war die Schaulust der Menge an diesem
Tage mehr kritisirend und erwartungsvoll, als feier-lich. Der Johannistag erschien. Auf den beidenThürmen der Stiftskirche wiegten sich dort aufgesteckteBäume, der Schmuck der Häuser war vollständig,das Volk, das weit und breit hergeströmt war, wogtedurch die Straßen, und die Herzlichkeit und Zufrie-denheit, von jedem verstanden, konnte sich ungehin-dert zeigen. Um 9 Uhr Morgens bewegte sich derZug von der cottaschen Buchdruckerei, die vor demtübinger Thor gelegen ist, durch die Hauptstraßender Stadt, die Theilnchmer desselben verfügten sichdann in die Stiftskirche, hörten eine Rede an undpilgerten zuletzt, den Zug wieder herstellend, aufden Markt, um eine Rede von W. Menzel anzuhö-ren , und die alte und neue Presse, deren Arbeiterihre Blätter unter's Volk warfen, in Bewegung zusehen.
Wenn der Zuschauer durch die Allgemeinheit desFestes zugleich Theilnehmer desselben ist, so strömtder Geist solcher Festzüge vermöge seiner Erhabenheitund Naivetät, die in genauer Wechselwirkung stehen,wunderbar durch die Seele des Beschauers, doch diesesso einfache Gefühl der Allgemeinheit und ungebunde-nen Herzlichkeit wiederzugeben, hat, wenn man sichkurz fassen will, zu viel Schwierigkeiten, als daß iches mir hier zur Aufgabe stellen könnte. Der Zug wardurch viele Fahnen geschmückt, die durch ihre Formdemselben den Anstrich von Alterthümlichkeit und Re-ligiosität liehen, da dieselben nicht zur Seite hinflat-terten, sondern, wie dies bei Kirchenfahnen der Fallist, an Schnüren befestigt, herunterfielen. Nur diecottasche Fahne (blau und roth mit einem Löwen inder Mitte) machte eine Ausnahme hiervon, und weithinwegflatternd schien sie eine weltliche Macht andeu-ten zu wollen. Zwölf auswärtige Liederkränze (ausMetigheim, Cannftadt, Darmshekm, Eßlingen, Fell-bach, Kirchheim, Nenningen, Stellen, Tübingen, Un-tertürkheim, Waiblingen und Wangen) eröffneten denZug, unter denen sich besonders der aus Darmsheimauf eine hübsche Weise auszeichnete. Dieser Lieder-kranz bestand aus lauter Bauern in ihrer Sonntags-tracht, langen blauen Röcken und umgekrempten Hü-ten , an denen Eichenlaub steckte. Der älteste dersel-ben, ein Fünfziger, durch nichts als durch sein Altervon den andern verschieden, trug die Fahne. Er warnoch rüstig, und die andern Bauern, jüngere, kräftigeBursche, die voller Fröhlichkeit dahinschritten. Werbei diesem Anblicke seine unwillkürlich hervortretendeThräne nicht zeigen wollte, mußte denn schon vor Lustlachen und jauchzen. Der Hauptzug war historisch ge-ordnet , ihn eröffnete nach den Liederkränzen die Qua-driga der alten Presse und wurde durch die Quadrigader neuen Presse geschlossen. Vor der ersteren wurdenvier Fahnen getragen (Mainz, Faust und Schösser,Gntcnbcrg, Straßburg). Die Bedienung der altenPresse trug das damalige mittelalterliche Costum. Ihrfolgten die Fahnen von Blaubeuern, Eßlingen undStuttgart, drei Träger mit dem Psalter, der Bibelund dem ersten Stuttgarter Druck, sodann die Fahnenvon Urach, Ulm und Tübingen, denen die Haupt-sahne, worauf sich Gutenberg befand, folgte undvon 3 Männern in altem Costüm getragen wurde.Dieser Fahne, der dieselben huldigten, folgten dieHandwerker, deren Gewerbe sich seit der alten Pressedurch dieselbe ausgebildet hat: die Buchdrucker,Schriftgießcr, Buchbinder, Buchhändler und Pa-pier - und Farbefabrikanten. Jetzt mußte die Qua-driga der neuen Presse folgen, der die beiden Fahnen(Hagar, König und Bauer) vorgetragen wurden.