Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
459
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Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:

„ An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur-«»- Völkerzustände.

Herausgegeben von -er Redaction des/reihakens.

Man abonnirtaufdenPiloten für den jährli-chen Prännmerations-preis von 8 Thtr.,halbj. mit 4 Thlr.,ricrtclj. mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postäinternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Petitzeile aufge-nommen , Beilagenmöglichst billig be-rechnet. ^

M42.

(Ausgegeben am 24. August 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

L84«

^ Druck von B. G. Teubner ln Leipzig.

Inhalt : Ungarische Zustande. — Eine Begnadigte. Novelle. — Religiöses und Kirchl. Polit. auö der Schweiz. — Vermischte Nachrichten : Aus Berlin:Leben Börne's, von Heine. Die Censurfreiheit der evangel. Kirchenzeitung. Das Jahr 1840, von Beta. — Zur Charakteristik des Journalismus.— Neuigkeiten der Literatur.

^ Ungarische Zustände.

Schon seit dem vierten Jahrhunderte be-gannen die zahlreichen Stämme der Slavenaus Asien in Europa vorzudringen, und einTheil derselben setzte sich an der Donau undden umliegenden Gegenden, in dem heutigenUngarn, Croatien, Dalmatien, Slavonienund Jllyrien, fest. Attila unterwarf sich die-selben. Allein nach seinem Tode zerfiel dasReich der Hunnen, und die entkräfteten Sla-ven begaben sich unter die Botmäßigkeit desrömischen Kaisers Marcian. Aber schon im6. Jahrhundert drangen andere Stämme ausAsien nach Europa vor, von denen der eine,die Avaren, sich Ungarns bemächtigte, unddie Slaven seiner Botmäßigkeit unterwarf.

Die Avaren ihrerseits wurden jedoch (796)von Karl dem Großen besiegt und unterworfenund als seine schwachen Nachkommen jene ent-legenen Gegenden nicht mehr behaupten konn-ten, von anderen slavischen Stämmen, denMähren und Petschenegern (827) besiegt undendlich aufgerieben; so daß das Slaventhumin Ungarn wieder zur Herrschaft gelangte.

Aber gegen das Ende des 9. Jahrhundertsdrangen die, früher gleichfalls aus Asien nachEuropa eingedruugenen Magyaren in Ungarnein, besiegten die Slaven, unterwarfen sieihrer Oberherrschaft, errichteten in Ungarnein mächtiges Reich und nahmen das Christen-

thum an. Die Slaven retteten jedoch ihreSprache, und ihre Nationalität, indem siesich zumeist in die Gebirge zurückzogen.

Im 13. Jahrhunderte wurde das Reich,nach der Schlacht auf der Heide von Mohi,in welcher die Magyaren eine gänzliche Nie-derlage erlitten, von den Mongolen über-schwemmt, und gänzlich verwüstet. Doch ver-ließen sie es bald wieder. Aber Ungarn warso verwüstet und entvölkert, daß sich der KönigBela IV. genöthigt sah, um es wieder empor-zubringen, deutsche Ansiedler herbeizuziehen,die er in die königl. Freistädte versetzte, undihnen mannigfache Vorrechte verlieh. Dasist der Ursprung des, noch heutigen Tagesvorhandenen, deutschen Elementes in Ungarn.

Im Jahre 1301 erloschen die Herrscher ausdem Stamme>Arpad, und das Haus Anjoukam auf den Ahron, in dessen Gefolge vieleFranzosen und Italiener einzogen.

Im 15. Jahrhunderte begannen die Kriegemit den in Europa sich mehr und mehr aus-breitenden Türken, sin denen Ungarn eine langeZeit hindurch das Bollwerk und die Schutz-wehr von Europa war, bis innere Unruhen,die durch die Streitigkeiten unter den Magna-ten, und die Bedrückungen derselben hervorge-rufen, und durch manchen Zwiespalt derselbenmit der Regierung genährt wurden, das Reichso schwächten, daß im Jahre 1526, nach derunglücklichen Schlacht bei Mohacz, in welcher

der ungarische König Ludwig II. Sieg undLeben verlor, über die Hälfte von Ungarn,nebst Ofen, in die Gewalt der Türken fiel.

Um den Ueberrest stritten sich die zwei er-wählten Gegenkönige, Ferdinand von Oester-reich, und Johann Zapolya. Um diese Zeitmachte die Reformation solche Fortschritte inUngarn, daß mehr als zwei Drittheile der Be-völkerung, und fast die ganzen Reichsstände,sich zu derselben bekannten. Sie fürchtetenZapolyas bekannte Verketzerungssucht, undfielen Oesterreich zu, welches vorzüglich ihrerUnterstützung es verdankt, daß sich Zapolyamit Siebenbürgen, und wenigen ungarischenGespannschaften, begnügen mußte, währenddas übrige Ungarn, so weit es nicht von denTürken besetzt war, Ferdinand zufiel.

Doch wußte das Haus Oesterreich den Pro-testanten für diese Unterstützung keinen Dank.Sie wurden , besonders seit der im Jahre 1561stattgehabten Einführung der Jesuiten, auf alleArt und Weise verfolgt, so daß häufige Un-ruhen entstanden, die im Jahre 1606 durch densogenannten Wiener Frieden beendiget werdensollten, in welchem ihnen die freie Religions-übung , jedoch ohne Nachtheil der katholischenReligion, verstattet und zugesagt wurde.

Die angehängte Clausel wurde jedoch soausgelegt, daß sie jene Freiheit thatsächlichwieder vernichtete, und die Bekehrungskünstewurden mit solchem Erfolge betrieben, daß