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schon 1634 der größte Theil der Magnatenwieder katholisch war, und der Katholicismusauch auf dem Reichstage das Uebergewichtbekam.
Diese Bemühungen wurden so konsequentdurchgeführt, daß bis zum Jahre 1781 denProtestanten nach und nach über 700 Kirchenabgenommen worden waren. In dem gedach-ten Jahre erschien das Toleranzedict Josephs II.und brachte Erleichterung. Aber es wurde nurso lange er lebte gehalten, dann gingen die al-ten Bedrückungen wieder an. Zwar wurde esim Jahre 1791 erneuert und von Leopold II.in die Zahl der Reichsgesetze aufgenommen.Aber es blieb, wie so manche andere Verhei-ßung, nur auf dem Papiere, und die That-sachen stellten sich ganz anders heraus. Die,kraft dieses Gesetzes zusammengetretenen, Syno-den konnten nie die, zu Gültigkeit ihrer Be-schlüsse erforderliche, kaiserliche Bestätigungerlangen, und wenn auch, wie jenes Gesetzebenfalls ausdrücklich bestimmte, die Religionkein Hinderniß mehr bei der Gelangung zuStaatsämtern sein sollte, so blieben diese dochfortwährend thatsächlich in den Händen derKatholiken.
Die ungarische Verfassung, vom KönigStephan begründet, verstattete den Ständendie größten Rechte, uud Ungarn war sogarein Wahlreich. Aber als, seit 1686, Oester-reich Ofen erobert, und die Türken aus Un-garn vertrieben hatte, wurde sie, trotz des Wi-derspruches der Stände, den das Blutgerichtzu Eperies unterdrückte, vielfach beschränkt,und es mußte namentlich Ungarn die Erblich-keit der Krone in der österreichischen Dynastieanerkennen.
Gewöhnlich sind die Gewalten folgender-maßen vertheilt. Die gesetzgebende Gewaltsteht der Ständeversammlung auf dem Land-tage, d. h. dem Könige und den Ständen, zu.Die Stände bestehen aus der höheren Geistlich-keit, aus den Magnaten, aus den zwei Ap-pellationsgerichten , und je aus zwei Abgeord-neten der Capitel, des Adels der Comitate, derköniglichen Freistädte, und der privilegirtenDistrikte.
Sie ist in zwei Tafeln getheilt, denen derPalatinus und der Präsident der königlichenGerichtstafel prästdiren.
Alle übrigen Attribute der Souverainetätstehen dem Könige zu. Die Geistlichkeit, derAdel, die freien Städte und die privilegirtenDistrikte, letztere beiden als moralische Perso-nen, sind frei von Zehnten und Militairein-quartierung, müssen aber bei Kriegsgefahr in-surgiren. Die Abgaben lasten daher in der
Hauptsache auf dem, bei den Landtagen nichtvertretenen, Bauerstande, der deshalb auchLei den, in lateinischer Sprache gehaltenen,Landtagsverhandlungen, sehr bedeutsam: un-sern i-lebs eoutrilniens genannt wurde.
Die ungarischen Landtage haben in neuererZeit gewöhnlich einen stürmischen Anfang ge-nommen, aber schlüßlich sehr friedlich, undim Sinne der Regierung, geendet. Auch kanndem wohl nicht anders sein, da der König allegeistlichen Pfründen, und weltlichen Stellen,zu vergeben hat. Die Geistlichkeit und dieAppellationsgerichte stimmen daher mit derRegierung, und da sie die Intelligenz, und dieGeschäftserfahrung, vor den übrigen Ständenvoraushaben, so müssen natürlich, wenn dieerste Hitze bei diesen verdampft ist, jene dasUebergewicht auf die Seite der Regierung zu-letzt zurückführen!
Daraus erklärt sich derGang der Verhand-lungen, und die Ursachen, warum die anfäng-lich scheinbar das Uebergewicht erhaltendenliberalen Anträge zuletzt allemal scheitern müs-sen; es ist eben überall nur Formales, denn dieRealität, die vollkommene Unabhängigkeitaller Abgeordneten, fehlt.
Nur eins ist gegenwärtig auf dem Land-tage durchgesetzt worden, die Erhebung dermagyarischen Sprache zu der allgemeinen Lan-dessprache; mehr wohl, wie es scheint, weildie Regierung, ein geringeres Interesse darannehmend, die Ständeversammlung, die einenbesonderen Werth darauf legte, hat gewäh-ren lassen, um ihr doch in etwas zu Willenzu sein.
Indessen ist damit allein die Sache nochnicht entschieden; der wahre Kampf über diesenGegenstand ist erst noch im Leben zu bestehen,und er wird um so hartnäckiger werden, jeweniger sich die Regierung dabei betheiligen zuwollen scheint, jemehr er daher mit gleichenWaffen geführt werden kann.
Trotz eines Jahrhunderte langen Zusam-menlebens stehen die verschiedenen Nationali-täten in Ungarn einander schroff gegenüber,und grenzen sich sogar bis auf ihre Wohn-plätze gegeneinander ab. Die slavische Bevöl-kerung, die fast zwei Drittheile der Gesammt-bevölkerung bildet, lebt hauptsächlich in dengebirgigen Theilen des Landes; die Magyaren,die, als die letzten Eroberer, den herrschendenTheil in Ungarn ausmachen, leben auf demstachen Lande, und betragen noch nicht dasvolle Drittheil der Bevölkerung. Die Deut-schen leben in den Städten. Außerdem giebtes noch Italiener, Franzosen, Zigeuner, Bul-garen u. s. w., bei denen aber, schon wegen
ihrer Zerstreuung und geringen Anzahl, keineNationalität hervortreten kann.
Es handelt sich also um Unterdrückung derslavischen, und deutschen, Sprache, die zeithermit der magyarischen auf gleicher Stufe gestan-den haben. Jene beiden sind daher natürlicheVerbündete, die ihre Literatur und ihre Or-gane so gut haben, wie die magyarische Sprache.Das Slavische ist zudem die Sprache des über-wiegenden Theiles der Bevölkerung, und findetin der stammverwandten czechischen Literatureinen Verbündeten. Die Slaven zeichnen sichüberdies fast überall durch ein hartnäckigesFesthalten an dem einmal Ueberkommenen aus.Darum ist, bei der scheinbaren Theilnahms-losigkeit der Regierung, der geistige Siegdes Magyarenthums, und der magyarischenSprache, über das Slaventhum, und dieslavische Sprache in Ungarn, noch lange nichtentschieden, sondern es ist eine heftige Reactionzu erwarten.
Jedenfalls aber wird der Kampf nur mitgeistigen Waffen geführt werden, und darumkann er nur ein wohlthätiger sein, der, wennauch nach verschiedenen Seiten, dennoch überallnur in Geistesstammen auflodert, die, weitentfernt zu verzehren oder zu verletzen, nurGutes und Schönes bringen können.
Cirre Begnadigte.
Auf den sonst so öden, todten Straßen dersibirischen Hauptstadt Tobolsk war heute einungewöhnliches Leben und Menschengewoge.Alles drängte in die Mitte der Stadt, zu demgroßen geräumigen Marktplatze, in dessen Mittedas Rath- und Gerichtshaus befindlich. Dortstanden die Menschen in Gruppen vertheilt,neugierig harrend, wie es schien, einer wichti-gen Begebenheit. Die strenge Kälte des Mais,der fußhohe Schnee, auf dem die kalte Sonneglitzerte, ohne ihn zu erwärmen, die schnei-dende durchdringende Luft machte keinen Ein-druck auf diese abgehärteten Kinder des Nor-dens, deren Augen nur mit unverwandtemHinschauen nach der Pforte des Rathhausesgerichtet waren. Wichtiger und ernster Artmußte das Ereigniß sein, das diese Menschen-menge hier versammelt, denn Niemand wagtenur ein lautes oder ungeziemliches Wort zusprechen, schweigend, oder nur leise flüsterndstanden Alle da. Wie wird das Urtheil lauten?hörte man hier eine leise fragende Stimme.Man wird, mit Gottes Gnade, ihrer schonen,war die hingeseufzte Antwort. So jung, so