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Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen
Literatur- «»d Völkerzrrstän-e.
Herausgegeben von -er Ne-aetion -es Freihafens.
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(Ausgegeben am 31. August 1840.)
Verlag von 2. F. Hammerich in Alton«. ^
L84M
^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.
Inhalt: Liebe, Glaube und Poesie. Eine Rhapsodie in Briefen. Von Theodor Melas. — Französische Tageszustande. Von Eduard Arnd. (DieStellung der Julirevolution zu den verschiedenen Classen der Bevölkerung. Die Asche der Julitodten.) — Der Roman: Kaiserin und Sklavin. — Aus
Leipzig: die Magdeburg-Leipziger Eisengegen das Buch von Heine über Borne).
Liebe, Glaube und Poesie.
Eine Rhapsodie in Briefen.
Von Theodor Melas.
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Joseph an Klär chen.
Es ist Sonntag, mein liebes Klärchen!Mit diesem Worte überfallt mich eine Fluthvon Empfindungen und ich zittere, Alles dasauszusprechen, was mich so glücklich machtund was ich Dir so gerne mittheilen möchte.
Meine früheste Kindheit kömmt mir dannimmer in den Sinn und es ist als wenn dazwi-schen gar keine Kluft wäre, als wenn ich mei-nen Vater noch bei seiner Predigt am Schreib-pult sitzen sähe, die Glocken läuten höre unddie Sonntagskleider und die reine Wäsche vormeinem Bette liegen.
Eigentlich ist es dasselbe auch, eben derSinn erfreuet mich noch jetzt und wenn ichrecht heiter und frisch bin, so bin ich auchwohl recht kindisch noch und kann mich anKleinigkeiten herzlich ergötzen.
Du bist nun wohl mit Charlotte in dieKirche gegangen und denkest wohl meiner nicht,wenn Du die schöne Orgel hörst und den herr-lichen Festgesang! Gern wäre ich bei Dir undwenn ich auch nicht die rührende Musik ver-nehme, so bin ich doch auch andächtig und weißauf meine Art den Sonntag zu feiern.
und ein russisches Volkslied zu ihrer Einweihung.
Du kennest meine Wohnung! Es ist einschöner, stiller Morgen und aus dem alten, ho-hen Felfenfchloffe sieht sichs recht stolz auf dieweite Ebene hinab. Ich lehne mich bald ausdem Fenster, bald schreibe ich wieder an Dich;dann sehe ich wieder hinaus und freue michder geschmückten Bauersleute, welche mit be-dächtigen Schritten zur Kirche treten. So binich bei Dir und auch nicht, bin zerstreut unddoch gesammelt und so schwindet mir der Mor-gen, ohne recht zu wissen, was ich gemachthabe und möchte doch um Alles diesen Müßig-gang nicht vertauschen.
Jetzt eben läutet es aus dem nahen Dörf-chen — ich höre den Glauben singen — esist kurz vor der Predigt und ist mir noch so,als wenn ich nun gehen müsse und die gutealte Großmutter zur Kirche triebe.
Ich bleibe indeß, mein liebes Klärchen,denn ich bleibe bei Dir und habe Dir ein ver-trauliches Wörtchen zu sagen. Sollte dies nichtauch Religion sein, wenn ich mich mit Dirbeschäftige, wenn Dein Bild mir gegenwärtigist! Ist es doch etwas Anderes noch, was sichdarin abspiegelt und bin ich vielleicht gradedann am frommsten, wenn fromme Leute übermich die Achsel zucken?
Du sagtest mir einmal: in Krankheitenseist Du immer am religiösesten gewesen, hät-test dann auch die größeste Hingebung gefühlt;
Zur Philosophie des Scandalö (über einen Ausfall
wenn Du aber gesund geworden, sei dies Ge-fühl wieder verschwunden und habe sich in einheiteres und reiches Leben gleichsam verhüllet.Du klagtest Dich an um diesen Leichtsinn,wie Du es nanntest, und glaubtest darin dieSchwachheit des Menschen und sein eitel Ge-müth zu erkennen. —
Erzähle mir noch mehr davon, liebes Klär-chen, ich höre Dich^o gern davon reden undkann Dir nicht sagen, wie Deine einfachenWorte mich erfüllen und erquicken.
Weißt Du noch wohl, wie ich Dich zuerstbei Dresden in dem großen Garten sah? Eswar ein Sonntag Nachmittag und Du warstmit Deiner Muhme und einigen andern Ver-wandten hinaus gegangen. Ich bemerkte Dichin der Ferne schon und Du kamst mir so be-kannt vor, obgleich ich Dich noch niemals ge-sehen hatte. Da erst fiel es mir recht auf, daßes Sonntag sei, denn ein verwirrtes Lebenhatte mich lange betäubt gehalten. Du er-schienest mir in Deinem stillen Schmucke, inder süßen Beschränkung eines geordneten Wan-dels. Da ich Dich ansah, schlugst Du die Au-gen nieder, und wurdest unmerklich roth —wohl Niemand als ich hat es gesehen und ebendas freute mich, und ich glaube auch Du fühl-test , daß ich mich freuen konnte.
Ich erinnere mich noch sehr wohl was Dufür ein Kleid trugst, es war hellbraun mit