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derung rechnen kann — llockie Illü, cra8 milli— als der Trauerwagen ankam, fiel es Nie-manden ein, sein Haupt zu entblößen. Jenaher man dem Platze der Baftille kam, jefurchtbarer ward das Gedränge in den Stra-ßen, je dichter an Fenstern und auf Galeonendie schwarzköpfigen Reihen der zuschauendenMänner und die bunten in allen Farben bli-tzenden Hüte der Damen. Auf dem letztenTheile des Weges ward das Spalier von eini-gen aus Algier zurückgekommenen Bataillonengebildet, deren verbrannte Gesichter das afri-kanische Klima bezeugten. Es fiel uns an ih-nen, wie so oft, wenn wir hier größere Trup-penmassen zusammen sehen, die unregelmäßi-gen Züge dieses Volkes auf. Nirgends, selbstnicht in England, ist die Masse schön zu nen-nen, nirgends aber sieht man vielleicht so we-nige regelmäßige Bildungen als hier. Die hie-sigen Gesichter machen uns oft den Eindruck,als wären die einzelnen Theile, Stirn, Mund,Nase, nicht zugleich entstanden, sondern vonverschiedenen Köpfen her aufs Gerathewohl ge-nommen und zusammengesetzt worden. Beson-ders ist dies in der Infanterie auffallend, daalle schönen Rekruten zur Cavalerie genommenwerden. Fast allgemein liegt in den Augendes hiesigen Volkes ein gewisser Ausdruck vonSpott und Lebenslust, der zu diesen unregel-mäßigen Zügen nicht übel steht und ihre häu-fige Häßlichkeit vergessen läßt, selten findetman den Charakter von grober stumpfnasigerArroganz, der manchesmal unter Deutschenund von kaltem, hochmüthigem Selbstgefühl,der so oft unter Engländern wahrgenommenwird.
(Beschluß folgt.)
Literatur.
Kaiserin und Sklavin. Ein historischerRoman aus dein dritten JahrhundertderchristlichenZeit. Drei Bande. Leipzig,1840, bei Wilhelm Engelmann.
Der Verfasser des vorliegenden ausgezeich-neten Romans, der seinen Namen leider nichtgenannt hat, zeigt gleich von vorn herein, daßer mit seinem „ historischen Roman aus demdritten Jahrhundert der christlichen Kirche"keineswegs nur jene Zeit im Auge gehabt hat,sondern damit den Ideen und Pulsschlägen derneuen Zeit zugewandt ist. Als Vorwort dientihm ein Wort von Börne, ,,das Christenthumfand die Menschen bei seinem ersten Auftretenunglücklich und es hat sie in ihrem Elend ge-tröstet und aufgerichtet. Das Christenthumist der Arzt der römischen Welt geworden,
die in Folge ihrer zügellosen Leidenschaftenund ihrer brutalen Ausschweifungen krank ge-worden war. Herren und Sklaven waren da-mals gleich schuldig; die Einen schwammen imBlute, die Andern steckten tief im Schlammder Knechtschaft; das Christenthum reinigtedie Einen, und richtete die Andern auf! Esschrieb Allen eine heilsame Seelen - und Kör-perdiät vor, und diese strenge Diät hat derWelt das Leben gerettet und sie geheilt. DasChristenthum hat nicht die Rechte des Flei-sches aufgehoben, es hat sie blos unter dieVormundschaft der Seele gestellt, um sie rei-ner und dauernder zu machen. Keine Religionhatte je sö viel Nachsicht mit den menschlichenSchwachen, als die christliche." — Auf diesenAusspruch Börne's, der gleichsam die Basisund das Fundament des ganzen Buches ist,hat der Verfasser ein stolzes, kühnes und erha-benes Gebäude aufgeführt, m dessen Räumenman die verschiedenartigsten Menschen undScenen gewahrt. Die Bewohner der Mansar-den und Keller werden mit nicht andererWahrheit und Feuer geschildert, wie die desSalons und der Prachtzimmer, und die leb-hafte Theilnahme, die wir der Kaiserin zuge-stehen, werden wir der Sklavin nicht versagen.Der Verfasser bringt mit seltener Sachkenntnißund Genauigkeit jene Epoche der Römerge-schichte zur Darstellung, in der durch LurusundSchwelgerei sich der allmälige Untergangdes Volkes und Staates vorbereitete, wahrendandrerseits unter Blut und Aschenhaufen, um-geben von Gefahren und Schrecknissen, sich dasChristenthum Mühsam, aber entscheidend Her-vorrang. Alle Greuel des alten Roms, vonden schwelgerischen Saturnalien der Cäsaren,bis zu den Ekel erregenden Orgien der Gladia-toren und Prätorianer werden genau und mitglänzenden Farben geschildert. Die Grausam-keit und wilde zügellose Leidenschaftlichkeit undder Aberglaube der damaligen vornehmenRömerinnen findet in der Kaiserin Faustinaihre Repräsentantin, und ihr gegenüber zeigtsich in der Glorie wahrer Weiblichkeit undchristlicher Anmuth die christliche Sklavin Neo-demia, ein liebreizendes anmuthiges Bild, mitseltener Wärme und Zartheit gezeichnet. Zwi-schen diesen Beiden, und von Beiden geliebt,steht der vornehme Römer Flavian, der Helddes ganzen Buches, der gleich zu Anfang denrömischen Prätor in Karthago ermordet, dasVolk aufwiegelt, den Antonius Gordian, Fau-stinens Gemahl, zum Kaiser erhebt, und alsLohn für seine Thaten nichts begehrt, als dieSklavin des Antonius, die junge Neodemia.Die junge Sklavin aber ist Christin und dem
schönen Römer gegenüber, der sie mit Liebes-anträgen und Schwüren bestürmt, betet sie zuihrem Gott, er möge sie stärken in dieser Ver-suchung, und das Gebet kräftigt sie zur Weige-rung. Zum erstenmale sieht sich der stolze lie-benswürdige Römer, dem selbst Kaiserinnenhuldvoll gelächelt, zurückgewiesen, und zumerstenmale erkennt er die Würde der Weiblich-keit, die sich ihm in einer Sklavin, einer Chri-stin offenbart. Diese Beziehung zu Faustinenund Neodemien führt nun eine Menge Ver-wickelungen und Kämpfe herbei, und währendFaustine durch den Umsturz zweier Kaiser-throne, die Flavian mit dem Purpur bekleidensollen, sich seine Liebe gewinnen möchte undseinen Besitz, siegt Neodemia zuletzt doch übersie durch ihre Anmuth, ihre Weiblichkeit undihr christliches, keusches Wesen. Anmuthig istdas Liebesglück des jungen Paars geschildert,aber das Glück ist nur von kurzer Dauer, Fau-stinens Eifersucht führt neue Gefahren undPein herbei, das Volk wird aufgewiegelt gegendie Christen, ein furchtbares Blutbad, undNeodemia stirbt, heilig und muthvoll, eineMärtyrerin ihres Glaubens. Wir übergehenhier eine Menge von einzelnen Thatsachen, in-teressanten Verschlingungen und schön gezeich-neten Gestalten, zu denen vor Allem der römi-sche Gladiator zu zählen ist. Flavian ziehtsich, nach dem Tode seiner Geliebten, in dieEinsamkeit zurück, aber der Gedanke an Neo-demias Leiche führt ihn wieder in die Welt,und er eilt in die christliche Kirche, um dergeliebten Todten den Abschiedskuß zu geben.Da, an dem Sarge Neodemiens, aufgelöst inThränen, kniet er vor dem christlichen PriesterOrigenes. „Priester des Herrn, bete fürmich."
Steh auf, sagte Origenes feierlich, stehauf, verlaß diesen Tempel, und gieb dem erstenArmen, der Dir begegnet, den reichen Mantelund diese mit goldenen Franzen besetzte Chla-mys; nimm dagegen seinen Stab und seineLumpen, verlaß diese Stadt, geh aus demThor, das nach Morgen führt, und wandredurch die Wüste, immer grade aus; wenn Dusieben Tage und sieben Nächte gewandert bist,wirst Du in der Ferne die Obelisken des altenThebens erblicken; wende Dich dann zur Lin-ken und aus allen Felsenklüften werden DirSeufzer und Klagen entgegen schallen; laßmit ihnen auch Deine Seufzer und Klagen er-tönen, Gott wird sie hören — Du wirst inEinsamkeit und Stille seine Stimme verneh-men, und seine Engel werden Dich auf demWege zu Deinem Heil geleiten. Stehe auf,und wandle, geh zu Neodemia, geh zu Gott