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der Schmetterling im Rosengarten; das zer-rissene Netz, die Kornblumen am Wege.
Bei einigen, z. B. der Alchymist; dasGraschen und der Schwan, u. a. hinkt dieAnwendung; sie haben keine rechte Spitze.Andere wieder sind pietistisch oder dogmatischgefärbt, und eine: der Greis, das Traumbildund der Stern, müssen wir als völlig unwahrund unchristlich verwerfen. Sie lautet:
Einst wandelte ein Greis am Ufer des Meeresund gedachte der besseren Tage, die nicht mehr dawaren. Das Rauschen der Wellen erneuerte man-chen schönen Traum seines Lebens, der ihn in Hoff-nung beglückt hatte, doch unerfüllt blieb. Nochrauschten die bläulichen Wellen eben so lieblich, wiein seiner fröhlichen Jugend; noch erzählten sie ihm,wie damals, von unaussprechlichen Dingen und un-endlichem Glücke. — Doch nun stand der Sirius stattder Sonne am nächtlichen Himmel über dem Meereund erhellte nur matt und kalt die rollenden Fluthcn,als wollte der Stern seiner Hoffnungen höhnen.Wehmüthig rief der Greis aus: „ O Traume sindSchäume! Fahr' hin, du goldner Traum meinerJugend, darin die eitlen Wünsche sich hüllten! Oheiliger Stern der Sterne, lehre mich Wahrheit!"— Starker blitzte und erglühte der hohe Stern beidiesem Gebet des Greises, als wollte er fragen:„Kannst du, o Schwacher, auch meine Wahrheit er-tragen ?" Zugleich aber trat ein freundlicher Mannvor ihn hin und sprach: „ Ich bin der Traum deinesLebens; was schmähest du mich so? Wisse, o Kurz-sichtiger, hätte ich dich nicht bisher so freundlich ge-leitet und so tröstlich und labend mit dem Munde derWellen zu dir geredet, .längst warst du schon todt! "Der Greis aber versetzte bitter: „So weiche endlichvon mir, du täuschender Traum, und laß mich sterbenam Lichte der Wahrheit!" Seufzend entwich derfreundliche Bote der Götter und vor ihm stand eineschreckliche riesenhafte Gestalt mit Augen, leuchtendwie die Sonnen, und rief: „ Ich bin die W ahr -heit. Kannst du mich ertragen?" — Wie einBlitzstrahl fuhr es nun durch des Greises Haupt.Er erkannte die ewige Wahrheit, aber ihr Licht töd-tete ihn alsbald. — Forsche nicht, Sterblicher, überdeine Grenzen hinaus, damit du nicht schauest undsterbest!
Ist diese Nutzanwendung nicht völlig un-christlich? Heißt es über seine Grenzen hinausforschen, wenn man nach W a h rh e i t forscht?Ist der Mensch nicht dazu bestimmt, die Wahr-heit zu erkennen, und sagt nicht Christus: ichb i n die Wahrheit; wer mich siehet, der siehetden Vater? Verheißt nicht der Apostel dasSchauen? Sagt er nicht: Wir sehen jetztdurch einen Spiegel in einem dunkeln Worte;dann aber von Angesicht zu Angesicht,und an einer andern Stelle: Der Geist erfor-schet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit?Nur auf dem alttestamentlichen Standpunkteheißt es: wer Gott sahe, müßte vergehen!weil da Gott noch jenseits in unzugänglichemLichte wohnt. Aber im netten Bunde ist Gottvon seiner übermenschlichen Höhe auf die Erde
herabgestiegen, ist Mensch geworden, leidendund sterbend, wie wir, und will seine Auf-erstehung feiern in einem Jeden. Er entziehtund verbirgt sich uns nicht mehr, sonderngiebt sich uns gnadenvoll zum Genusse dar.Sterben muß der Mensch allerdings vor demAnblick der Wahrheit, aber nur den geistigenTod, den unendlich süßen Tod der Wiederge-burt und Erneuerung im Geiste. Sterben mußer täglich mit Christus, um täglich mit ihmaufzuerstehen zu ewigem, herrlichen, unver-gänglichen Leben.
F.
Meine Beweggründe zumUebertrittau s der r ö m i sch - kathol i schen in diefreie evangelisch-christliche Kirche.Von I. de Marl e. Leipzig, 1840. ZweiteAusgabe.
Ein erfreuliches Zeichen, daß es in unsernTagen mit dem religiösen Jndifferentismusdoch nicht ganz so arg ist, wie Viele unaufhör-lich klagen, ist unter andern auch vorliegendesBüchlein von einem Buchhandlungsgehülfenin Leipzig, dem wir recht viele empfänglicheLeser der katholischen Kirche wünschen, da desVerf. Beweggründe zum Uebertritt die reinstenund vernünftigsten sind, die es überhaupt beieinem solchen Schritte geben kann. JederKatholik, der mit dem Verf. gleicher Gesin-nung ist —' und daß es deren Viele unterden Gebildeten giebt, zweifeln wir nicht —ist schon innerlich zur protestantischen Kircheübergetreten, sollten ihn auch äußere Beweg-gründe von dem öffentlichen Uebertritt nochabhalten. Wenn uns überhaupt der Blick indie innere, unsichtbare Kirche, in die gei-stig e Gemeinschaft der Gläubigen eben so ver-stattet wäre, wie die Uebersicht über die äußere,sichtbare Kirche, wie viele dürften sich da vorunserm Auge in Protestanten verwandeln, diewir bisher noch für Katholiken hielten? Wieviele haben nicht schon den Grundsatz von deralleinseligmachenden römischen Kirche längstinnerlich aufgegeben, weil er eben so wenigmehr zu der Cultur-Stufe unserer Zeit paßt,als etwa der jüdische Grundsatz von einem aus-erwählten Volk Gottes? —
Der Verf. sagt gegen das: Außer derrömischen Kirche giebt eskeinHeil:„Aber ich fand in dieser Kirche trotz allen Su-chens überhaupt wenig Heil, statt der gött-lichen Lehren traten mir Menschensatzungen,statt der christlichen Liebe Unduldsamkeit, Ver-ketzerung und Verdammung Andersglaubenderentgegen, statt der Anbetung des alleinigenGottes im Geiste und in der Wahrheit, wie
Christus lehrte, fand ich Anrufung der Heili-gen und Verehrung menschlicher Ueberreste."Und als Belege zu diesen Anklagen führt eran, daß in der heiligen Schrift nirgend stehe,daß der römische Bischof Stellvertreter Christisein solle, nirgend, daß es sieben Sacramentegebe, daß in der Kirche ein mit besondererMachtvollkommenheit ausgerüsteter eheloserPriesterstand herrschen soll. „Nirgend ist dieMesse, d. h. eine unblutige Wiederholung desblutigen Opfers Christi am Kreuze, vorge-schrieben, geschweige denn, daß dieser solcheWirkungen beigelegt wären, wie es die römi-sche Kirche gethan hat, um ihre irdischenZwecke desto leichter erreichen zu können. Nir-gend ist die Rede davon, daß unser Zustandnach dem Tode hier auf Erden zu einer Er-werbsquelle, zu einer Finanzspeculation ge-macht werden solle, wie es durch die Lehre vomAblaß und vom Fegefeuer geschehen ist. Nir-gend befiehlt die Schrift die Anrufung der Hei-ligen. Nach ihr giebt es nur Ein heiliges,vollkommenes Wesen, Gott. Und wo in allenheiligen Urkunden ist auch nur die leisesteSpur davon zu finden, daß blos die Anhän-ger des römischen Bischofs zur Seligkeit be-rufen wären?"
Der Verf. erzählt aus eigener Erfahrungfolgendes interessante Beispiel von Reliquien-verehrung. Seit Jahren schon mit seiner Kirchezerfallen, in so fern er nicht mehr allen ihrenGrundsätzen huldigen konnte, kam er zur Zeitdes 16 hundertjährigen St. Ursula-Jubiläumsnach Cöln, wo, wie er sagt, sein Aufenthalteben nicht geeignet war, ihn mit seiner Kirchezu versöhnen. Die heilige Ursula, eine Prin-zessin Englands, soll hier auf ihrer Rückreisevon Rom mit 11,000 jungfräulichen Begleite-rinnen von den Heiden erschlagen worden sein.Unzählige, vorgeblich diesen 11,000 Jungfrauengehörende Schädel werden in der St. Ursula-kirche aufbewahrt. Bei der hier stattgefunde-nen achttägigen kirchlichen Feier waren meh-rere derselben vor dem Hochaltare aufgestellt.Ich sah, erzählt der Verf., wie das Volk sichhinzudrängte und Rosenkränze, Armbänder,Halsschmuck u. s. w. an diesen Schädeln vor-überstreichen und beräuchern ließ. Zum Dankfür diese Gnade wurde von den Gläubigen einGeldopfer gebracht. Sollte man glauben, daßdergleichen in christlichen Tempeln vorkommenkönnten? — Am Abend des letzten Festtageswar Procession, bei welcher außer einem mitReliquien gefüllten Kasten drei dieser Schädel,auf prachtvolle Sammetkissen gelegt, von Prie-stern in feierlichstem Ornate und unter demgrößten Pompe umhergetragen wurden. Wo