Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
605
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Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:„An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker lnLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur-Völkerzustän-e.

Herausgegeben von -er Redaction-es Freihafens.

Man abonnirt aufbenPiloten für denjährli-chen Pränumerations-Preis von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,Viertels, mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von l Gr. fürdie Petitzeile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

60 .

(Ausgegeben am 26. Oktober 1840.)

Verlag von 2. F. Hammerich in Alton«.

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L84«

^ Druck von B. G. Tcubner in Leipzig.

Inhalt: Das Wiedersehen. Novelle von Theodor Oelckers. — Der Brand des hölzernen Theaters in Petersburg. Von I. G. Kohl. — Eindrücke vonAlgier. Von H. Laube. (Beschluß.) — Berliner Briefe. 1. Neue Friedenshoffnungen. Die Neduction der Armee. 2. Die kommerziellen Conferenzenund die Runkelrübenzucker-Fabriken. 3. Der preußische Getreidehandel nach Rußland. 4. Wahrscheinliche Veränderung der Redaction der Staatszeitung.5. Die preußische Provinzial - Censur und die stettiner Börsennachrichten.

Das VZiedersehn.

Novelle

von

Theodor Oelckers.

1 .

Der Horizont hatte sich schnell mit dunkelnWolken umzogen. Die Luft war schwül undschwer, trotz dem Winde, der Staub und los-gerissenes Laub durch einander wirbelte unddie Gipfel der Pappeln an der Heerstraße Log.Nirgends war ein lebendiges Wesen zu sehen,Alles hatte vor dem drohenden Aufruhr einObdach gesucht. — Jetzt ruhte auch der Unheilverkündende Wind gänzlich, ein Wetterstrahlzuckte aus einer der Wolken, aber es wahrtelange, eh' der donnernde Nachruf desselbenüber den Himmel hinrollte, das Gewitter warnoch nicht völlig heraufgezogen.

Da jagte auf schaumbedecktem Pferde einjunger Reiter, schneller als der Sturm, vonder Stadt her auf der einsamen Straße dahin.Diese beginnt, etwa eine Viertelmeile vor demnächsten Dorfe, einen bedeutenden Bogen zubeschreiben und ein Pfad, nur für Fußgängerberechnet, führt hier seitwärts über die Feldergerade nach jenem Dorfe hin. Schnell vor-wärts zu kommen schien der alleinige Gedankedes Reiters zu sein, denn rasch entschlossensetzte er zur Seite über den Graben und folgtejenem Pfade. Einzelne Regentropfen began-nen indeß die ausgetrocknete Erde zu netzen unddas Gewitter zog schnell heran.

Endlich war der Gasthof des Dorfes er-reicht. Der Wirth stand unter der Thür, er^ hatte den Reiter schon von Weitem'erkanntj und rief dem Durchnäßten entgegen:

„Sie haben nicht die beste Stunde zumSpazierritt erwählt, Herr Doctor! Doch kom-men Sie gerade noch leidlich davon — HerrGott! war das ein Blitz!"

Der Wirth, der zögernd bereits die tro-ckene Schwelle seines Hauses verlassen hatte,fuhr bei dem kräftigen Donnerschlage, der jetzterfolgte, unwillkürlich wieder zurück und über-hörte die Frage gänzlich, die ihm der Reiterschon zwei oder drei Mal hastig zugerufen hatte.

Mit tausend Entschuldigungen trat er end-lich, nachdem er sich ermannt hatte, hinaus,um dem Herrn beim Absteigen behülflich zu seinund das Pferd in Empfang zu nehmen. DerReiter war jedoch gar nicht Willens einzutre-ten und wiederholte nur mit ängstlicher Hastnochmals seine Frage.

„ Aha!" rief nun der Wirth, „ hätte mir'sdoch gleich denken können, daß Sie deswegenkommen. Wer wird sonst auch bei solchemWetter spazieren reiten." —

„Aber wohin sind sie? wo treff' ich sie?so antwortet doch, um des Himmels willen!"

„Ähre Freunde waren noch vor wenigenMinuten hier, kaum — ja, zum höchsten fünfMinuten." —

„Wohin? wohin, will ich wissen!"

„Die Herren sind auf jenem Wege nach-dem Walde gegangen. Weit können sie noch >

gar nicht sein, aber nun wird sie doch das Un-wetter ganz überraschen. Ich sagte —"

Der Reiter wandte sein Pferd und war imBegriff der bezeichneten Richtung zu folgen,aber der Wirth rief ihn zurück.

„Das Pferd müssen Sie nothwendiger-weise zurücklassen, damit kommen Sie nichtfort im Walde." — Der Reiter stieg ab undwarf dem Wirth den Zügel zu. „VergessenSie nicht," rief letzterer dem Hinwegeilen-den noch nach, „ungefähr fünfzig Schritt imWalde den Weg zur Rechten über den Grabenund dann links." —

Aber die Worte waren in den Wind ge-sprochen. Denn Blankensee, der jungeMann, dem sie galten, war bereits in größ-ter Eile hinweggegangen und verschwand baldim nahen Walde. —

„ Gebe der Himmel, daß ich noch zur rech-ten Zeit komme!" sagte er zu sich selbst undschritt hastig vorwärts.

In Strömen ergoß sich jetzt der Regen durchdie Buchenzweige, der Pfad wollte zu keinemZiele führen und die Unruhe Blanke nsee'sstieg mit jedem Augenblicke. Schlag auf Schlagtobte das Gewitter und sein Getöse übertäubtejeden andern Laut. Dennoch war es dem Lau-schenden, als habe er schnell nach einanderzweimal den Knall eines Feuergewehrs ver-nommen, und zwar ganz in der Nähe zurSeite des Pfades. Das immerfort grollendeGewitter hatte ihn zwar täuschen können, dochentschloß er sich schnell und brach sich durch das