Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
625
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fest halten, so ist keine Gefahr vorhanden, daßdas Kunststreben von Innen erlahmen könne,weil der innere Werth der Kunst, wieStaatspapiere, falle. Vorn achten Künstlerdarf dann nicht mehr im verächtlichen, son-dern im besten Sinne behauptet werden, „daßer aus den Gegenständen macht, was darauszu machen ist." — Aus einer großen Mengewird er gar nichts machen.

Vielleicht aber, versetzte Jünemann, dersich noch nicht geben wollte, verdient HegelsBemerkung berücksichtigt zu werden: „daß derKünstler sich zu der in ihm zu gestaltenden Ideegleichsam als Dramatiker verhält, der andere,fremde Personen aufstellt und erponirt.

Das geben wir gern zu. Um so leichterkann das geschehen, nahm Jäp das Wort, dader Vergleich von dem höchsten Kunstwerke aufdas ganze Gebiet der Kunst übertragen wird.Die Auffassungsweise macht dem Künstler selbstvielleicht mehr zu schaffen, wie 'ja auch specielldie dramatische Poesie mehr Kraftaufwand er-heischt, als die lyrische etwa; aber das Kunst-werk muß dabei an Objektivität gewinnen.Jedes Sujet der Kunst kann sich dann orga-nisch aus seiner eigenthümlichsten Natur ent-wickeln, wird um so weniger an den Künstlererinnern und gewissermaßen eine unantastbarePersönlichkeit gewinnen. — Diese Stellungdes Künstlers zu seinem Kunstwerke ist aller-dings Folge der zum bestimmten, bewußtenGedanken durchdringenden Reflexion. DerErfolg aber ist um so sicherer. Die bedeutend-sten Maler der Gegenwart z. B. behandelnmeist einen historischen Stoff, zu dem derKünstler recht eigentlich in das Verhältniß desDramatikers tritt. Sie wählen aber freilichmit sicherm Takt das germanische Mittelalter,auf dessen Schultern wir zu stehen uns rüh-men, das in der That aber als Quintessenzenthielt, was unsere Zeit nur homöopathischverdünnt und verwässert hat. Da ersetzt dasHistorische vollkommen die Weihe des frommenGlaubens. Die Individualität der Gestaltenwird durch die Geschichte eben so scharf be-stimmt, als die eines griechischen Gottes durchdie Mythologie und alles phantastisch Un-wahrscheinliche wird abgestreift.

Ich bemerke, daß es doch vielleicht zu kühnsei, das Kunstwerk nicht allein von der Nabel-schnur zu lösen (was billig), sondern ihm auch— wie Adam es von den Rabbinen habe er-leben muffen — den Nabel gänzlich abzu-sprechen.

Aber Jäp ging nicht darauf ein. Er be-nutzte die Trope, um seinen kalten Witz wieder

auftauchen zu lassen, da er sich einen Augen-blick zu Erörterungen hatte verleiten lassen.

So nahm Pfad und Gespräch eine andereWendung.

(Beschluß folgt.)

t-'r Ueber

den Stnatseredit,

von

einem russischen Staatsmann.

Leipzig, 1840, bei Otto Wigand. XIV. 176.

(Beschluß.)

Die französische Tilgungscasse muß, so vieles uns erinnerlich ist, nahe an 80 Millionenjährlich zu ihrer Verfügung haben, sie ist mit-hin die reichste in der ganzen Welt. Sie wurdeursprünglich mit 40 Millionen dotirt, ist aberso eingerichtet, daß ihr fortwährend alle Zin-sen der von ihr zurückgekauften Renten zu-fallen. Da die einzulösenden Renten an Capi-tal jetzt ungefähr Vier Tausend Millionen be-tragen, so muß die ganze Schuld in einigenDecennien getilgt sein. Eine starke Verminde-rung könnte daher jetzt ohne irgend einenNach-theil eintreten. Die preußische Tilgungscasseist nach einem modisicirten Principe eingerich-tet, indem die Zinsen der eingelösten Staats-schuldscheine nur während ioJahre dem Amor-tisationsfonds zugeschrieben werden, nach dieserZeit aber eine neue Rechnung beginnt und dieersparten Zinsen den Unterthanen an Steuernerlassen werden. Dieses, in dem höchst wich-tigen Gesetze vorn 19. September 1820 gegebeneSystem scheint uns bei einer gewissenhaftenAusführung das Beste zu sein, indem es mehrgleichmäßig die Last der Staatsschuld auf dieGegenwart und Zukunft vertheilt.

Eine andere Ausführung, die dem Ver-fasser besonders am Herzen zu liegen scheint,besteht darin, daß nicht allein konstitutionelleRegierungen Credit genießen. Dies hat noch,soviel wir wissen, Niemand behauptet, nurmit Recht ist bemerkt worden, daß solche Staa-ten mehr Zutrauen von jeher bei den Capita-lien gefunden haben, als Autokratien. Alsin Baiern vor 22 Jahren die Constitutioneingeführt wurde, stiegen die Staatspapiereum 20 Procent und die Papiere aller konsti-tutionellen Länder stehen jetzt höher, als diealler andern Staaten, weil bei dem öffentli-chen Staatsleben jeder Interessent bis auf denGrund sehen kann.

Bevor wir schließen, müssen wir den Le-sern noch ein Paar Stellen des geistreichenVerfassers mittheilen, die sich im Munde eines

Russen, des ernsten Gegenstandes ungeachtet,sehr komisch ausnehmen würden, wenn nichtdahinter ein verstecktes Endziel läge.

„Wenn das Streben, schreibt derVerfasser mit gesperrten Lettern, nach in-nerer Umgestaltung der Einführungderökonomischen zuvoreiltodermitihr zusammentrifft, so droht dasgrößte Unglück den Regierungen,wie den Völkern, wenn aber umge-kehrt die innere Umgestaltung siche r st d a n n z u e n t w i ck e l n a n f ä n g t, w e n ndieökono mische sich schonganzvoll-endethat, so verschwindetdie ganzeGefahr u. Orvnung, all mälige Ent-wickelung und Ruhe begleiten alleneuen Einrichtungen und alleFort-schritte derAufklärung und derFrei -heit." Diese Theorie ist, wie beim erstenBlick einleuchtet, für diejenigen sehr bequem,welche für eine zeitgemäße Volksentwickelungnichts thun wollen. Sie können sich immermit der Ausrede entschuldigen: die ökonomi-sche Entwickelung ist noch nicht vollendet. Wirwollen dieser Ansicht eine andere, ebenfallsgroß gedruckte, entgegensetzen, und die Beur-theilung, welche die richtigere sei, lediglichden Lesern anheim geben. Seit einemVierteljahrhundert des allgemei-ne n F r i e d e n s i st d i c ö k o n o m i s ch e E i n -r ich tun g all er eur oP ä is ch e n Sta ate nlängst vollendet; mithin isteshoheZeit, eine innere freiere Einrich-tung zur wahren Verwirklichungdes Rechts eintreten zu lassen: sollteaber nach so langer Zeit irgend einStaatnoch nicht finanziellgeordnetsein, so würde dies nur beweisen,daß er an einem organischen Gebre-chen leidet, das ihn zum Untergängeunvermeidlich führen muß. Es er-scheint mithin als eine unabweis-bare Pflicht, seine Rettung auf le-gislativem Wege durch eine consti-t u irende V ersa mmlung zu v ers uch e n;wenn auch dieselbe mit mancher Ge-fahr verbunden sein mag. Der Ver-fasser, welcher klug genug ist, auf liberalemBoden zu kämpfen, glaubt, daß die Aufgabeder neuen Aufklärung durch drei Resultate voll-ständig gelöst sei. Hierher rechnet er l) „diegeistige Umbildung oder den Uebergang derVölker von Fanatismus und Aberglauben zuDuldung;" 2) „Umbildung der äußern Poli-tik, oder Uebergang der Völker von ehrsüch-tigen Plänen zum friedlichen Besitz, von demZustand des angreifenden Alleinstehens zum