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Peinlich sein wird. Verschone mich mit Fra-gen, ich werde Dir Alles erklären — unddann verschließ'es in Dir, was ich Dir mit-theile — doch nein, meinetwegen mag es dieganze Welt wissen, mein Elend kann dadurchnicht größer werden."
Blankensee erwiederte kein Wort; ihnschauderte vor dem stieren wahnsinnigen BlickeFriedrich's, der nach einer Pause in abge-brochnen Sätzen, bald sehr langsam, bald sehrschnell und heftig sprechend, fortfuhr:
,,2ch hab' ihn gesehen, er ist mir erschie-nen! — Doch, hör' es in der Ordnung —Du weißt es, und hast es selber beobachtet, wiemich Mathilde auf den ersten Anblick fesselte,Du hast auch unser schnelles Vertrautwerdenin diesem einzigen Tage bemerkt. Gestern wares — glaub' ich — doch was kann mich dieZeit kümmern! diese Qual, die ich seit letzterNacht empfinde, wird mir gewiß ewig bleiben
— '—ja, gestern, es war ein heißer, aberschöner Sommerabend; wir hatten uns allegetrennt, das heißt ihr Alle, aber ich wandeltemit Mathilden noch durch die dunkeln Baum-gange — endlich setzten wir uns zum Aus-ruhen in der großen Ulmenlaube — Du wirstmich vielleicht auch diesmal auslachen wollen
— doch erst höre weiter. Wir sprachen beidesehr wenig, ihr Haupt ruhte an meiner Schul-ter und ich hatte sie mit dem Arm umschlun-gen. — Eine ganz eigene, nie, nie gefühlteWehmuth hatte sich meiner bemustert. Datrat mir mahnend der Gedanke an den gemor-deten Otto vor die Seele und ich fühlte mich,trotz der Geliebten an meinerseits, vom tief-sten Schmerz um den Geschiedenen ergriffen.Ich starrte vor mich hin und sprach kein Wort;aber klar dachte ich an jenes Versprechen, nachdem er mir in freundlicher Gestalt wieder er-scheinen sollte; ich dachte, wie das doch wohlein Wahn sei, er könne oder wolle nicht wie-derkehren, und zugleich dacht' ich, wie schönes dennoch sein würde, wenn er jetzt vor unsträte, und, selbst versöhnt, unsern Bund wei-hete und segnete. So dacht' ich >—- — „Undglaubst Du, Dein Otto halte sein Verspre-chen nicht heilig? erkennst Du mich noch im-mer nicht wieder?" sprach es neben mir. Dabrach ein Strahl des Vollmonds durch dieZweige und beleuchtete die Züge der Geliebten
— nein, o Gott! — ich mag vor Entsetzenlaut aufgeschrien haben — beleuchtete dieZüge meines todten Freundes, den ich umfaßthielt — ich war starr, eiskalt, mit dem klar-sten, schrecklichklaren Bewußtsein — und wieich ihm so starr und unbeweglich in's Gesichtschaue und krampfhaft die kalte Gestalt noch
umfaßt halte, da verschwebte es leise, wieein Schattenbild, in meinen Armen — ich warallein in der mondhellen Laube, schreckliche,gräßliche Augenblicke allein — was ich weitergethan, weiß ich nicht. Von einer Ohnmachterwachend, fand ich mich im Freien, im Felde.Es war noch Nacht. Wie ich nach der Stadtgelangt, weiß ich eben so wenig — undnun" —
Mit diesen Worten schloß er seine Erzäh-lung und versank sogleich wieder in seinenstarren theilnahmlosen Zustand; es schien ihmnur die einzige Scene, dies einzige Bild imGedächtniß geblieben zu sein. Außerdem sahund dachte er nichts.
Nachdem Blankensee für ärztliche Hülfegesorgt, kehrte er zu Wald au zurück undtheilte diesem das Ganze mit. Hätten in denNebenumftänden nicht die klarsten Beweise ge-legen, so hätte das Geschwisterpaar der Sachesicher keinen Glauben geschenkt. Doch warfür Waldau schon der Gedanke tröstlich, daßes gar nicht seine Nichte gewesen und er alsovon jeder Verantwortung frei sei. Uebrigenssuchte man den Bedienten u. s. w. den ganzenfatalen Vorfall möglichst natürlich darzustellen,alles mußte für einen Scherz gehalten werdenund jeder Uneingeweihte mußte glauben, daßAlles ganz in der Ordnung sei. —
11 .
An einem der nächsten Abende war Ernstso eben durch Blankensee von dem Vorfallunterrichtet worden. „ Dies," schloß der letz-tere gleichsam triumphirend, „dies ist der Ver-lauf der Sache, das rein Faktische — undwas ist nun Deine Meinung, Ernst?"
Die Geschichte ist gut genug erfunden,wenn das Ganze nichts als eine Caricatur seinsoll, wodurch unsre heutigen Geistersehereienverspottet werden.
„Dein radicalerUnglaube macht Dich blindfür — "
„Dich blendet Dein Glaube", fiel Ernstschnell in's Wort, „so daß Du an dem Anstö-ßigsten keinen Anstoß nimmst. Wird ein ge-läuterter Geist, der diesem Leben entfloh, fähigsein können, ein albernes Hokus Pokus hiermit närrischen zu treiben, sie gleichsam zu hän-seln und dann durch beinah tückische Täuschun-gen zu erschrecken? Warum erschien er nichtwenigstens in seiner wirklichen ehemaligen Ge-stalt?"
„Es wäre nichts Kleines, dies Alles zurGenüge zu erklären. Ich vermag das nicht,halte mich aber ans Factum."
„Und warum", fragte Ernst weiter, ^
„warum ahnte Friedrich nicht gleich an-fangs, wen er vor sich habe? Warum klärteihn in diesem außerordentlichen Falle sein In-neres nicht auf?"
„Wenn wir Alles erklären und das Er-klärte beweisen könnten, so waren wir wohlschon etwas mehr als Menschen! Eine Artvon Ahnung war aber gewiß bei Friedrichvorhanden, eine Ahnung, deren er sich nurnicht bewußt war. Bei seiner schlimmen Ge-müthsstimmung hätte er sich doch wahrlich inkein gewöhnliches Mädchen verlieben können;nur dieser einzige Geist konnte ihn fesseln,— daß er ihn nicht erkannte, ist freilich einRäthsel."
„Nun, das Ganze wird sich noch als arti-ges Lustspiel gestalten und vollenden — diefalsche, d. h. die verschwundene Mathildewird am Ende wiederkommen." —
„Bedenke all die Umstände, die ich Dirschon mittheilte." —
„Ja, 's ist wahr! Das hätt' ich fast ver-gessen. Ich komme mit natürlicher Erklärunghier nicht aus!" sagte Ernst. „Wahrhaftsonderbar ist der Vorfall, bei Gott! Ich kanndas Geifterfräulein nicht wegleugnen —- dieSache ist ein unauflösbares Räthsel."
„Ein Räthsel, wie alles Wunderbare!nur begreif' ich nicht, warum Du so schweretwas glauben lernst, was Dir rathselhaft er-scheint. Als ob wir nicht täglich Wunder er-lebten, unter Wundern groß würden und unterWundern stürben, die alle unerklärlich sind!"
„Ja, wir kamen schon jüngst einmal aufdies Capitel," erwiederte Ernst lächelnd.Aber die Wunder des gemeinen Lebens, dieich gern einräume, weil wir sie vor Augenhaben, sind doch sehr verschieden von einemWunder, wie das mit dem Fräulein. Wirsollten uns überdies fast schämen, in unsernTagen eine derartige Wundergeschichte auchnur geduldig erzählen zu hören, geschweigedenn zu erleben."
„O, Du fängst an komisch zu werden inDeinem Unglauben, währendDuDich sträubst,das Unleugbare anzuerkennen. Doch, nochetwas Merkwürdiges. Noch erzählte ich Dirjenen Traum nicht, den ich in derselbenNacht" —
„Einen Traum! Das ist auch nichts Wirk-liches!"
„Höre nur erst!" fuhr Blankensee fort.
„ In jenem Traume trat Friedrich an meinLager und " —
In diesem Augenblicke wurde die Thür desZimmers langsam aufgethan und herein tratFriedrich, wild und wahnsinnig auf die