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7. Cardinal Richelieu, Saint MarcunddeTourineinerBarkenachLyonzur Hinrichtung führend.
In der vordem, mit dunkelrothem Bal-dachin bedeckten Gondel sitzt, abgesondert vonseinen Kavalieren, die in ehrerbietiger Fernestehen, der kranke bleiche Cardinal, sein Hauptgelehnt an das weiße Kissen, das seinen Rückenstützt; in tiefem Sinnen schaut er vor sich nie-der, die dürren Hände im Schooß gesalten; inden schmalen zusammengepreßten Lippen, inden durchfurchten eisernen Zügen steht es ge-schrieben, daß dieser Mann kein Erbarmenkennt; es ist das Gesicht eines grausamen, blut-dürstigen Geizhalses, der, seine Zwecke zu för-dern, ohne Erbarmen fremdes Gut und Lebenverschwendet. Er denkt an seine Plane, nichtan die Gegenwart, er denkt an sich und seinenkranken, fröstelnden Körper, nicht an jenezum Tode Verurtheilteu, die in offner Barkeder andern folgen; ihr Urtheil ist gesprochen,für ihn gehören diese Beiden dem Leben schonnicht mehr an, und sie haben keine Gnade zuhoffen! Und doch möchten sie so gern nochleben, diese Beiden, die in der Mitte der Barkeneben einander sitzen, ihnen zurSeite der Prie-ster, Wachter und Hellebardiere; mindestensSaint Marc, dieser Jüngling in dem rothengoldgestickten Wams, dem breitgekrampten Fe-derhut, schaut mit verstörten wilden Blicken,fassungslos in die Weite, er kann den Gedan-ken zu sterben noch nicht denken, das Lebennoch nicht lassen; ruhiger, gefaßt und ernstsitzt neben ihm sein Unglücksgefährte, imschwarzen Gewände, das Haupt unbedeckt;das Gesicht halb nach seinem Gefährten hinge-wendet, scheint er ihm Trost und Muth zu-zusprechen. So ziehen die beiden, so verschie-denartig bemannten Barken hintereinander aufden Wassern einher, und die Wogen schlagenan die Wände der Fahrzeuge, dem Cardinalein Schlummerlied, den Nerurtheilten einenGrabgesang murmelnd. —
Vermischte Nachrichten.
rn Aus der Schweiz.
Der Pseud oliberalismus oder d i eneue Aristokratie, welcher wir in Nr. 41des Piloten das Horoskop gestellt, hat in ih-ren halbschlächtigeu Reformen der Kantoneund des Bundes die lange günstige Zeit von1830 bis 1840 auf die unverantwortlichste Weiseverloren. Jetzt, da die größten und wichtigstenWeltfragen zum Entscheid kommen, steht die
Partei, die bei aller Jncapacität sich als In-telligenz geltend machen wollte, ohnmächtigund beschämt vor dem Volke da. Diese uner-freuliche Erscheinung zeigt sich besonders in denKantonen Aargau, Luzern und Solo-th urn, in welchen mit dem Jahre 1840 und1841 die Zeit der gesetzlichen Verfassungsrevi-sion gekommen ist. Aargau, welches als Er-perimentirkanton wahrhaft unmündiger Mag-naten vorangeschoben ward, ist daher auch zu-erst zu Fall gekommen. In der Dunkelkammereiner aus allen Elementen zusammengewürfel-ten Commission war ein grundsatzloser undbuntscheckigter Verfassungsentwurf ausgehecktworden, mit welchem die schwachsinnigen Po-litiker das aargausche Volk, wie ein Kind durchein Kaleidoskop, zu bestechen hofften. Aberin vanuin iadoravernnt ckoinim. Am 5 . Octoberward der monströse Entwurf dem Volke zurAnnahme oder Verwerfung vorgelegt und dasVolk übte auch sogleich die verdiente Gerech-tigkeit an dem todtgebornen Machwerk. Die-ses ward in den Urversammlungen mit 24,000Stimmen gegen 4000 verworfen.
Allerdings ist diese Verwerfung, wiederZürchercorrespondent in Nr. 266 der Allgemei-nen Augsburger Zeitung sagt, das Resultatder Coalition von zwei Ertremen. Aber esgehört die Verblendung eines selbst factiösenSinns dazu, um die zwei Volksparteien alsdie Klosterpartei des katholischenFreiamtes und die evangelischradi-cale Partei des alten Landestheilszu bezeichnen. Wohl ist es wahr, daß der Ent-wurf von beiden Theilen vorzüglich des kon-fessionellen Paritatsartikels wegenist verworfen worden. Allein dieser Artikel warvon der einen Seite des heillosen Gebrauchswegen, welchen man in neuester Zeit davongemacht hatte, verworfen worden; und vonder andern wollte man sich mit der Paritätnicht mehr begnügen, um auch kirchliche Ange-legenheiten dem Entscheid einer Repräsentationnach der beliebten Kopfzahl zu unter-werfen. Die früher so vielgepriesene Parität !konnte also nur so lange bestehen, als die zwei !Kirchen und der Staat im Aargau mit einan-der im Frieden lebten. Nachdem dieser Un-schuldszustand verloren gegangen, mußte einandrer mockus vivencki gesucht werden und eshätte bei dem Revisionswerk einer Staatsver-fasfung nothwendig bis auf die ersten Gründesollen zurückgegangen werden. Diese Aufgabelag aber für die grundsatzlosen Grundgesetzge-ber zu hoch und sie verwickelten den Knäuel ^vielmehr, als daß sie ihn lösten. Nachdem das >Volk nun, wie in der Regel immer, mit j
einem hellsehenden Instinkte den Knoten zer-schnitten, ist ein vorn Volke zu wählen-der Verfassungsrath eine unumgänglicheNothwendigkeit geworden und so wird dennwieder in der politischen Entwickelungsgeschichtedes Aargaus ein neues Princip festgestellt, esist dieses, daß dem Volke in der Republik, wiedie Sanction auch die Initiative des Verfas-sungswerks zukommen muß. Der Behör-de n so uverainetät wird damit ein Endegemacht. Dies in Hinsicht auf die Form. Wasnun die Materie des Gegenstandes betrifft,so läßt sich mit zuversichtlicher Bestimmtheitvoraussagen, daß die politische Einheitdes Aargaus nur mittelst konfessionellerScheidung wird erhalten werden können.Zum Glück liegen in den Kantonsverfassungenvon St. Gallen, Thurgau und Bündten durchErfahrung bekräftigte Normen vor, nach wel-chen dies Verhältniß zwischen Kirche und Staatin einem Kanton leicht kann geregelt werden.
Wir halten demnach die Wendung, welchel die aargauschen Zustände genommen, für einesehr glückliche im Sinne der Freiheit und desRechts aller Parteien. Daß diese Wendungaber von andern Seiten auf eine ganz ent-gegengesetzte Weise angesehen und beurtheiltwird, läßt sich leicht erklären, indem der ge-sunde Volkssinn wieder einmal die Kapacitätenvon hüben und drüben zurechtgewiesen, demneuen Herrnthum im Aargau den Todesstoßgegeben und demselben auch in den Kanto-nen Luzern und Solothurn sein nahestehendesSchicksal vorgezeichnet hat.
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Tageszettel.
— * Ein Pfarrer im Kanton Freiburgin der Schweiz predigte mit vieler Heftigkeitgegen die Aufklärung und machte gro-ßen Eindruck auf seine Gemeinde. Als er ausder Kirche ging, trat der Vorsteher des Ortszu ihm und sagte: 8o)e2 trauguille, je ue ineeontenterai zm8, ju8<i>?ü ce c^ue tous les 6on-seillers et Ions les Onres 6e uotre Cuntonseront au88i unes csus Vons et moi. — *
Neuigkeiten der Literatur.
In der C ast'schen Vuchhandl. in Stutt-gart ist erschienen: GeschichtedesPu-gätsch ew'scheu Aufruhrs. Aus demRussischen des Alerander Puschkinvon H. Brandeis. — Alerander Puschkinnennt sein Werk in dem Vorbenchte selbst einunvollständiges und der ttebersetzer fügt hinzu: