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Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen
Literatur-Völkerzuftän-e.
Herausgegeben von -er Redaction-es Freihafens.
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MZ66.
(Ausgegeben am 16. November 1840.)
Verlag von 2. F. Hammerich in Alton«. ^ ^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.
Inhalt: Blicke nach Westen und Osten. I. >— Fragment aus Nostradamus unter den Lilliputanern. — Briefe aus Preußen. II. — Ungarische Zustande undStrebnisse. — Skizzen aus der Schweiz, von Alfred Montanus. — Neuigkeiten der Literatur.
^ Blicke nach Westen und Osten.
Erster Artikel.
Nach einer langen Reihe von glücklichenFriedensjahren, von Jahren der Ruhe undOrdnung in Mitteleuropa, fängt sich der Ho-rizont wiederum an zu verfinstern. Mögen wirnach Osten oder nach Westen blicken, überallzeigen sich mehr oder minder drohende Wetterund Bewegungen, die auch unseren friedlichenZustanden die wesentlichsten Gefahren drohenund sogar einen allgemeinen Kriegszustand inAussicht stellen.
Die Bewegungen, in deren Mitte wir unsbefinden, sind doppelter Art; sie gehen theilsvon den Herrschern, theils von den Völkernaus. Von welcher Seite sie indessen auch ver-anlaßt werden, so sind es doch überall Prin-cipfragen, um die es sich in letzter Instanzhandelt und selbst die Bewegungen, welcheursprünglich nicht damit zusammen zu hängenschienen, wie z. B. die orientalische Frage,werden, in ihrer weiteren Entwickelung, durchdie Gewalt der Umstände eben auch auf diesesGebiet hinübergedrängt.
Zwar ist allerdings die Bewegung einedoppelte; eine innere zwischen Fürsten undVölkern, wie wir sie in Holland, in Frank-reich und Spanien verhandeln sehen und eineäußere zwischen den verschiedenen Staaten, alsderen Veranlassung zunächst die verschiedene
Ansicht über die Art und Weise der Beilegungder orientalischen Angelegenheiten sich darstellt.Indessen sind die Sachen so weit gediehen, daßes sich auch bei der letzteren nicht minder umdie erstere handelt. Jene Bewegung erscheintdaher als das Hauptmotiv der gegenwärtigenZustände, darum müssen wir unsere Blickezuerst nach Westen, als dem eigentlichen Sitzederselben, wenden.
Der Grund derselben ist das überall mehrund mehr zu Tage tretende Verlangen derVölker nach sicheren Garantien für ihre Rechteund nach Erweiterung der in der Erfahrungals unzulänglich erschienenen zeitherigen Ga-rantien. Dieser Streit wird überall in denverschiedenen Staaten dem Volkscharakter ge-mäß geführt; in Holland mit germanischerRuhe und Festigkeit, in Frankreich mit galli-schem Leichtsinn und gallischer Unbesonnenheit,in Spanien mit jener heißen Glnth der Lei-denschaft, welche gleich sehr durch das Klimaund durch das Uebergewicht des maurischenBlutes in der Bevölkerung bedingt wird.
In Holland ist man sich des Zweckes be-wußt und wählt die gesetzlichen Mittel; darumwird man dort auf dem Wege der Ordnungdas Ziel am ehesten erreichen. Zweifelhafterbleibt der Ausgang in Frankreich und Spa-nien; in jenem, weil der verschiedenen Partei-ungen zu viele sind und die leicht beweglicheMenge, von verschiedenen Seiten her und auf
verschiedene Werft angeregt, kaum zu dem kla-ren Bewußtsein dessen, was sie eigentlich will,gelangt sein dürste; in diesem, weil die Be-wegung der neuesten Zeit, durch das Gesetzwegen der Ayuntamiento's hervorgerufen, zu-nächst wohl aus verletzten Interessen und nurzu deren Abwehr entstanden ist, ohne daß da-bei ein weiteres positives Ziel vorgeschwebthaben mag. Ist dieselbe indessen auch zunächstmehr eine Vertheidigung der bestehenden kon-stitutionellen Verhältnisse, so zu sagen dasZurückschlagen eines auf dieselbe gemachtenAngriffes, so läßt sich doch, soweit die Köni-gin Regentin sich dadurch veranlaßt sah, dieRegentschaft aufzugeben und das Schiff gleich-sam ohne ostensibeln Steuermann zu lassen,leicht ermessen, daß es dabei allein sein Be-wenden nicht haben werde und es mag leichtsehr Schlimmes zu befürchten sein, da auf dieseWeise dem Ehrgeize und der Leidenschaftlich-keit freier Spielraum gegeben worden ist. Läßtsich nun auch gegenwärtig noch nicht überse-hen, inwiefern die Umstände sich so gestaltethatten, daß die Abreise der Königin Regentinan sich unbedingt nothwendig gewesen ist, somuß sie doch jedenfalls als ein für Spanienunglückliches und höchst bedauerliches Ereig-niß betrachtet werden, weil sie leicht zu einemStreite über die Regentschaft führen könnte,dessen Folgen schwerlich zu übersehen und kaumgute sein möchten.