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Was nun zunächst Holland betrifft, so ha-ben wir schon einmal in Nr. 18 und 20 d. Bl.die eigentliche Veranlassung zu den gegenwär-tig wirklich eingetretenen Reformen entwickelt,und der Erfolg hat die Resultate bestätiget, zudenen wir damals vorläufig und im Allgemei-nen gelangten. Das Nähere muß sich aller-dings erst im Verlaufe der eben erst eröffnetenVersammlung der Generalstaaten mehr undmehr entwickeln; indessen ist das Ereigniß,selbst so, wie es gegenwärtig vorliegt, schon einvielfach wichtiges.
Zuerst hat sich gezeigt, wie die holländi-schen Minister ohne Verantwortlichkeit undLei geheimer Behandlung der Angelegenheitenim Stande sind, lange Jahre hindurch zumSchaden des allgemeinen Besten zu handeln,ohne daß es entdeckt wird. Daß dem in mehr-facher Beziehung so gewesen sein müsse, wennes auch zur Zeit noch an genaueren Nach-weisungen fehlt, läßt sich wohl mit voller Ge-wißheit, theils aus den zahlreichen Andeutun-gen , theils aus der Geneigtheit schließen, mitwelcher die Regierung selbst sich für die mei-sten der von den vorigen Generalstaaten geäu-ßerten Wünsche erklärt und dieselben zu ihreneigenen Anträgen erhoben hat. Gewiß hättesie dies nicht gethan, wenn sich nicht die Dring-lichkeit, ja die Nothwendigkeit dieser Abän-derungen auch ihr gleichmäßig herausgestellthätte.
Damit aber ist zweierlei erreicht worden.Es ist zuerst das Vorurtheil, als ob Unver-antwortlichkeit und geheime Verwaltung im-mer gut und nützlich wären und nicht zu Miß-bräuchen Anlaß gäben, widerlegt und die Noth-wendigkeit, zu Verhütung von Mißbräuchenbei der Öffentlichkeit und Verantwortlichkeit,als bei dem besten Gegenmittel, Zuflucht suchenzu müssen, klar herausgestellt worden; sodannhat sich gezeigt, daß, sobald nur die ersten An-fänge gegeben sind, das konstitutionelle Prin-cip sich ruhig und ohne alle Gefahr, ganz aufgesetzlichem Wege, weiter entwickeln kann undje nachdem die Verhältnisse es erfordern, sichauch weiter entwickelt. Unstreitig sind dies zweiwichtige und erfreuliche Resultate, die wir derin Holland stattgefundenen Bewegung unbe-zweifelt verdanken.
Einen weniger erfreulichen Anblick gewäh-ren die Bewegungen in Spanien, ungeachtetsich deren endliches Ziel noch nicht mit Sicher-heit bezeichnen läßt. Man spricht verschiedenund es ist sogar von republikanischen Ideen,von der Errichtung einer föderativen Repu-blik u. s. w. gesprochen worden. Indessen istes, selbst wenn Versuche dazu gemacht werden
sollten, sehr schwer an ihr Gelingen zu glau-ben und sie müßten um so bedauerlicher sein,je heftigere Bewegungen und Reactionen in ih-rem Gefolge sein würden.
Das Princip der Republiken ist Tugend,Einfachheit der Sitten, und, wenigstens an-fänglich, ungefähre Gleichheit der Bevölke-rung. In dem Maße, in welchem man sichdavon entfernt, sind immer die Republiken ih-rem endlichen Untergänge zugeführt worden.Daher sind sie auch mehr nur auf der erstenStufe der Geschichte eines Volkes anzutreffenund ein Volk, welches schon eine Geschichtehat, mag schwerlich dazu gelangen. In Eu-ropa sind alle Völker ohne Ausnahme gleich-fern von allen republikanischen Tugenden, fernvon jener Einfachheit der Sitten, kurz fernvon allen Bedingungen, welche die Begrün-dung einer Republik erfordert.
Es läßt sich kaum noch leugnen, daß un-sere Civilisation allmälig in eine falsche Rich-tung gerathen ist und anstatt der vernünftigsittlichen, die verständig sinnliche Richtung ge-nommen hat. Vergebens wird es sein, sie aufden ersten Weg zurückzuführen; wenigstenssind die dazu gemachten Versuche theils zu ein-seitig, theils auch ihrerseits zu sehr in falschenRichtungen befangen, als daß sie zu Errei-chung eines solchen Zieles, dem überdies diegegebenen Bevölkernngsverhältnisse Europasein unübersteigliches Hinderniß entgegensetzen,geeignet sein möchten. Diese Betrachtungenallein sollten schon hinreichen, wie sie die Aus-führung unmöglich machen, so auch jeden Ge-danken an eine Republik in Europa, im In-teresse der Menschheit selbst, zu verscheuchen.
Bedenkt man nun, daß Spanien schon eineGeschichte hat, erwäget man, welche Mengehistorischer Vorrechte bei dem Versuche zu Be-gründung einer Republik mit einem Schlagezertrümmert werden würden und welche Re-actionen dadurch hervorgerufen werden müß-ten , so läßt sich ein Schluß auf das Trauer-spiel machen, welches sich dabei unseren Au-gen unvermeidlich eröffnen müßte. Für Eu-ropa kann gegenwärtig die Aufgabe nicht dieZerstörung, sondern nur die Vermittelungder streitenden Interessen sein; nur auf diesemWege noch läßt sich Gutes erwarten.
Darum würden republikanische Versucheeben so bedauerlich für Spanien selbst, wie fürdie weiteren Fortschritte der ruhigen Entwicke-lung des konstitutionellen Princips in Europanachteilig sein.
Fragment
aus
„Nostradamus unter den Liliputanern"
von R. O. Consentius.
Laß dir einfach, lieber Leser!
Und in ungezierter FormBon den Wunderdingen sprechen.Welche ein Prophet in Frankreich,Nostradamus ist sein Name,
In dem Jahre fünfzehnhundertSechs und sechzig, als dem letztenSeines Lebens, noch erfahren.
Zu Salon liegt er begrabenAuf dem Carmalitterkirchhof,
Und in seinem Grabe hab' ichDiese Schriften aufgefunden,
Die mich fast betrübt zum Tode,
Aus den Leiden mir dann wiederSchwermuthsvolle Freuden schenkten.Denn im jünglingskraftgen AlterKeimt die Freude nur aus Schmerzen.
Hast du, Leser! schon vernommen,Daß ich deinen Heiland schmähte,
Und du glaubst es dem Gerüchte,
Daß ein Atheist ich bin,
Lies, den Heilgen Glauben hegend.Dann auch dieses Mahrlein nicht!
Und auch du, der Achsel zuckendAuf den Glaubgen niederblickest,
Dich allein für kräftig haltend.
Da dein Blick das UnsichtbareIn der Außenwelt nicht schauet.Weniger noch halten kann,
Fliehe vor der goldnen Schlange!
In der Nacht, in der du irrest,
Ist der Böse allgewaltig!
Glücklich nur, der ewig strebet,Seliger der Gläubige.
Dir nun, der den Himmel kennet,Den du kühn der Hölle raubtest.
Will ich, was das Grab mir schenkte,So erzählen, wie ich'S fühle.
Nostradamus saß am Pulte.
Vor ihm lag im ManuscripteChristi heil'ges Buch der BücherAufgeschlagen, und danebenSah man Luthers Uebersetzung.Angestrengt war seine StirneTief gerunzelt, angestrengt auchQuälte, mit den Augen fühlend,Sich der Geist, die Pfade suchend.Welche dem Verständniß frommten;Doch es wollte ihm nicht glücken.Ungeduldiger verglich erMit dem Wort die Uebersetzung,Unergiebig aber blieben,
Fclsgefilde, beide Bücher,
Bis er, von des Dranges MühenGanz erschöpft, mit beiden HandenSeine Augen wild verdeckend,
Endlich rief: „Genug! Genug!" —„Ach, was ist des Menschen LebenUnfruchtbar und »»ergötzlich,
Wenn man seine Welt sich selber,