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Hand, und England hat es nicht zu bereuengehabt. Ist aber nicht England, seitdem derköniglichen Gewalt die engstmöglichen Schran-ken gezogen sind, zu der großartigen Entwicke-lung der Volkskraft gelangt, auf der seinejetzige Größe beruht?
L. V.
*2 Ungarische Zustande undStrebnisse.
Es ist in der That etwas Schönes um diehoffnungsreiche Aussicht einer Zukunft undum das thatkräftige Ringen nach ihrer Ver-wirklichung — mit einem Worte: um dasheitre Vollgefühl der Jugend im Menschen-und Völkerleben. Wie am strebsamen Jüng-linge jede Muskel sich straffer spannt, jedeAder schwillt, und im Blicke des belebten Au-ges alle Begeisterung, aller Muth und Stolzdes ungedämpften, thatenlustigen Jugendfeuerslodert, wie wir um dieses letztern willen sogerne manche jugendlichen Mangel und Thor-heiten nachsehen, manchen Wahn und mancheUnerfahrenheit lächelnd — beneiden: so ge-währt auch der Anblick einer blühenden, kräf-tigen Völkerjugend ein wahrhaft erhebendesund wohlthuendes Gefühl. Der frische, ur-sprüngliche, vom Getriebe des Weltverkehrsnoch nicht ganz abgeflachte Geist, der uns hieraus allen Lebensäußerungen erquickend an-weht, übt einen eigenen Zauber auf das dafürempfängliche Gemüth, und bietet in seinemkräftigen Ringen nach zeitgemäßer Ausprä-gung hinlänglichen Ersatz für den Mangel je-ner Hähern Reife und allseitigen Durchbildung,deren sich die auf dem Höhepunkt ihrer Ent-wickelung bereits angelangten Völker rühmen,aber selten ungetrübt erfreuen können.
Aus diesen Ursachen ist auch das stets all-gemeiner werdende Interesse erklärbar, welchesdas gebildete Ausland an den Zuständen undStrebnissen Ungarns, dieses jugendlichen,mit überraschender Schnelligkeit auf der Bahnder Vervollkommnung fortschreitenden Landeszu nehmen beginnt, über dessen neueste Stadienhier einige kurze übersichtliche Andeutungenfolgen sollen.
Seitdem der befriedigende Schluß des letz-ten Reichstages das Vertrauen zwischen demLande und der Regierung wieder mehr befestigtund damit zugleich manche störende Hinder-nisse und Hemmungen in der Entfaltung desöffentlichen Lebens theilwcise beseitigt hat,nimmt auch der Eifer zu allseitiger Regulirungheimischer Altgelegenheiten in materieller
und geistiger Beziehung einen stets raschernFortgang uno erfreulichern Aufschwung. Vonersterem liefern die bereits begonnenen und,zwar geräuschlos, aber rüstig fortschreitendenArbeiten an der preßburg-tyrnau er,sowie an der vom Freiherrn von Sina zu er-bauenden raaber Eisenbahn und der stehen-den Brücke zwischen Ofen und Pesth, unterLeitung des englischen Ingenieurs Clark einrühmliches Zeugniß. Durch der beiden letzterngroßartige und wahrhaft splendide Anlage,wobei durchaus keine Kosten gespart werden,um die höchstmöglichste Vollkommenheit zuerzielen, erwirbt sich der, mit reichen Mittelnversehene Unternehmer neuen Anspruch auf denDank des Landes, das ihn unter seine Söhneaufgenommen. Der unverständige Eifer der-jenigen, die aus übelverstandenem Patriotis-mus und ohne genaue Kenntniß jenes großenUnternehmens dem bereits abgeschlossenen Ver-trage der hierzu bevollmächtigten Reichstags-deputation mit dem Frhrn. v. Sina, im Inter-esse des Landes opponiren zu müssen meinten,und dasselbe dadurch beinahe um den unbere-chenbaren Vortheil eines baldigen, ja allein aufdiesem Wege möglichen Zustandekom-mens jener großen Nationalwerke betrogenhätten, kann schon jetzt durch einen einzigenBlick auf die bereits ausgeführten Vorarbei-ten gründlich widerlegt und beschämt werden.Ueber die preßb urg-tyrnaue r Eisenbahnist kürzlich ein interessantes Schriftchen imDruck erschienen: „Die erste Eisenbahn imKönigreiche Ungarn von Preßburg nach Tyr-nau, skizzirt von Adolph Neustadt." Ob dieprojectirte und, wie es heißt, bereits con-cessionirte ullmannsche pesth - debrezinerEiss-ubahn am linken Donauufer sobald zuStande kommt, steht noch dahin, wiewohlauch zu dieser die nöthigen Vermessungen be-reits beendigt sind. Wie unendlich folgen-und segensreich diese neuen Communications-mittel, die stets mehrere und umfassendere nachsich ziehen werden, für Ungarns künftigeWohlfahrt erscheinen müssen, bedarf wohl kei-ner weitläufigen Auseinandersetzung, um soweniger, als damit zugleich einem Principdie Bahn gebrochen ist, das für sich alleinschon der heldenmüthigen Kämpfe und An-strengungen werth ist, die besonders von Sei-ten unsers rastlosen, unermüdlichen GrafenStephan Szechenyi und seines Anhangs zurDurchführung jener Maßregeln aufgewendetwurden, dem Principe nämlich: daß auch derAdel Weg - und Brückengeld zu zahlen ver-pflichtet sei; eine Zumuthung, die derselbe nurnoch vor wenigen Jahren als gleichbedeutend
mit dem Umstürze der alten aristokratischenVerfassung Ungarns ziemlich allgemein per-horrescirte, und durch deren factische Begrün-dung eines der Haupthindernisse zur durch-greifendem Cultivirung des Landes hinwegge-räumt ist.
An der Einführung des Wechsel-rechtes inUngarn wird gleichfalls thätiggearbeitet. In allen Buchhandlungen erschei-nen neue Handbücher zum Studium desselbenfür die dabei Betheiligten angekündigt, umdas weitgreifende Bedürfniß darnach zu befrie-digen. In Kurzem werden auch die Wechsel-gerichte selbst an den gesetzlich bestimmten Or-ten vollständig creirt sein und ihre Thätigkeitbeginnen. Der Zudrang zu diesen Stellen istungeheuer, da bei der Ueberfüllung des juri-stischen Standes in Ungarn sich hierdurch einewillkommene Aussicht auf Beförderung darbie-tet. Mit dem „ Ersticken Ungarns in seinemeigenen Fett" dürste es daher unter den gegen-wärtigen Umständen so ziemlich vorüber sein,und nach dem Aufschwungs, den besonders diestets erweiterte Dampfschifffahrt auf der Do-nau genommen, und den Aussichten, die die-selbe dem ungarischen Handel eröffnet, dieserletztere sich immer freier und glücklicher zumVermittler der unerschöpflichen Produktivitätdes Bodens und des zunehmenden Natio-nalwohlstandes emporschwingen. Vor Allemdürfte Pesth dazu berufen sein, mit der Zeiteinen Rang unter den ersten HandelsstädtenEuropas einzunehmen, Pesth , das vor dritt-halb Jahren dem größern Theile nach in Schuttund Trümmern lag und das sich von diesemSchlage bis jetzt schon so weit erholt, daß dieSpuren davon nicht nur kaum mehr wahrzu-nehmen sind, sondern nur als Grundlage einesdesto raschern und schönern Emporblühens er-scheinen. Pracht, Lurus und die höchste Ele-ganz wetteifern in den neuen Schöpfungen,die fast täglich die Physiognomie und das ge-räuschvolle Leben der Hauptstadt verschönern.Neben den Triumphen der Architektur, beson-ders in den, selbst von den immer zahlreicherherbeiströmenden Fremden bewunderten öffent-lichen und Privatbauten unsers genialenH ild,fangen auch die übrigen Künste an in UngarnWürdigung und Unterstützung zu finden. EinKunstverein hat sich bereits gebildet, dessenerste Gemäldeausstellung diesen Sommer einzahlreiches Publikum um sich versammelte.Unter den vielen eingelieferten Gemälden undSkulpturen befanden sich auch Beitrage von34 theils in Ungarn einheimischen, theils da-selbst geborenen Künstlern, von welchen mehrereBilder, besonders die von Barabäs allgemeine