Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
669
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Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlichL Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:,, An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- «-r> Völkerzustände.

Herausgegeben von -er Nedaetion-es Freihafens.

Man abonnirtaufdcnPiloten für den jährli-chen PränumcrationS-prciS von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,Viertels, mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Pctitzeile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

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(Ausgegeben am 23. November 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

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^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Inhalt: Memorabilien von Karl Jmmermann. — Fragment aus Nostradamus. Von Consentius (Beschluß). — Blicke nach Westen und Osten. DritterArtikel. —> Skizzen aus der Schweiz, von Alfred Montanus. IV. V. VI. — Aus Hamburg: Seesahrer-Casse. Eisenbahnen. Der achtzehnte October.— Tageszettel: Die Rachel und der Minister des Innern. Rosenkranz über Steffens' Religionsphilosophie. — Neuigkeiten der Literatur.

Literatur.

Memorabilien von Karl Jmmermann.

Erster Theil.

Jmmermann hat zwei Bande Memorabi-lien hinterlassen, von denen der erste uns jetztübergeben ist, der durch die Frische der An-schauung und Beschreibung sowie durch dieMännlichkeit und Gediegenheit des Urtheilsder lebhaftesten Theilnahme gewiß sein kann.Und das um so mehr, als er uns nicht bloseine Abspiegelung des eignen Wesens des Dich-ters und seines Werdens giebt, sondern unsbeständig die Aussicht auf die Kämpfe und Be-wegungen einer Zeit eröffnet, welche der un-mittelbare Vorläufer der unsrigen ist. Damalserhoben sich noch einmal die Gegensätze in ih-rer ganzen Kraft, an deren Vermittelung undAbschleifung unsere Periode arbeitet. Eineübermenschlich-menschliche Persönlichkeit, wieJmmermann sagt, lastete drückend aufderZeit;sie wurde gestürzt, aber nicht durch eine anderegroße Individualität, sondern durch eine all-gemeine Bewegung. Und fast möchte manglauben, daß dieser Kampf der Individuali-tät überhaupt gegolten habe. Denn nun be-ginnt die Zeit der kleinen Menschen und dergroßen Ideen, die Zeit der ,, Epigonen," vonder Jmmermann sehr treffend mit Bezugnahmeauf ein bekanntes Distichon von Schiller sagt,sie erscheine wie ein Riese, wo viele zusam-menhandeln, wenn man aber die Handelnden

einzeln betrachte, so zerkrümele sie sich in lau-ter Zwerge. Ja, wir sind Nachgeborne, —Jmmermann hat es an sich selbst erfahren; —-wir kämpfen unter den Fahnen unserer Väterund aus beiden Lagern erschallt das Feldge-schrei, das schon sie in den Kampf führte. DieIdeen, von denen wir zehren, die Gegensätze,in denen wir uns bewegen, sie sind nicht vonuns aufgebracht, sondern überliefertes Erb-theil. Die Ideen sind Lreitgetreten, die Gegen-sätze abgestumpft, die großen Geister, welcheaus dem Umschwünge der Zeit hervorgingen,vom Schauplatze abgetreten, ohne Nachfolgerzu finden. Und dennoch werden die Epigonenden Kampf auskämpfen.

^ Doch wenden wir uns von diesen Betrach-tungen zu Jmmermaun. Er selbst wird unsschon wieder zu allgemeinen Gesichtspunktenführen, da die persönlichen Skizzen mit Schil-derungen der geistigen Bestrebungen und derauf die Zeit einwirkenden geistigen Potenzenwechseln.

Jmmermann versetzt uns zunächst in seineKnabenzeit. Hier erzählt er uns, wie sich inseine frühste Jugendzeit zwei große Gestaltender Vorzeit hineindrängten. Die erste warGustav Adolph, in dessen Armee einer seinerVorfahren, der erste des Namens in Deutsch-land , Sergeant gewesen war. Noch lebens-voller mußte dem Knaben diese Erscheinungdeshalb entgegentreten, weil er in Magdeburggeboren war, wo das Andenken an Tilly und

seinen Gegner, den Schwedenkönig, lebendigfortlebte. Die zweite große Gestalt war Fried-rich der Große. Die Verehrung dieses Na-mens wurde durch seinen Vater genährt, derAuditeur beim General Saldern gewesen: dieseVerehrung ging so weit, daß in Folge einerAeußerung seines Vaters, wenn Friedrich dieFronte heraufgeritten, so sei es Jedem gewe-sen, als ob der liebe Gott gekommen, er kei-nen Unterschied zwischen Friedrich und Gottmachte. „Durch den Vater wurde der Ge-danke an Persönlichkeiten vermittelt, zu denenAlles, was man sah und hörte, nicht mehrpaßte; es wurde eine Art Heroencultus gestif-tet." Während der jugendliche Sinn sich soan großen Erinnerungen der Vergangenheitstärkte, blieb er Fremdling in der Gegenwartund er hatte keine Ahnung davon, wie beidemit einander zusammenhingen. Dies ging soweit, daß er an das Fortbestehen der magde-burgischen Erzbischöfe glaubte, bis ihn derVater eines Bessern belehrte. Die erste großeWeltbegebenheit, die ihm vor die Sinne trat,war der Krieg der Oesterreichs im Jahre 1805,deren Niederlage allgemeine Freude erregte,denn daß Preußen bald ein ähnlicher Schlagtreffen könne, davon ließ sich Niemand etwasträumen. Noch war das Vertrauen auf Fried-richs Staat und Heer unerschüttert und dieRheincampagne hatte keine Erinnerung zu-rückgelassen. Die Enttäuschung sollte nichtlange ausbleiben. Bald wurde Magdeburg