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ganze deutsche Bund in seiner Gesammtheit be-theiligt wird, und daß Eisenbahnen solcherleiGegenstände sind, bedarf wohl kaum eines Be-weises, wenn man bedenkt, wie wichtig sie imKriege werden müssen, und ob sie, wenn sieerst allenthalben eingeführt sind, nicht über-haupt den Krieg ganz aufheben werden, wiedie stärksten gleichseitigen Kriegswaffen immermehr Ruhe, als Krieg verschaffen. — Nachder silbernen Hochzeit, welche die Hanseestädtevor einem Jahre mit dem innigstgeliebten undgepflegten 18. Oktober gefeiert, ist die Liebeund die Ehe beinahe verschwunden; es sindzwar einige Reminiscenzen übrig geblieben, diefinden aber auch keinen Anklang mehr. DieTurner turnen, Theertonnen werden Abendsverbrannt, es findet sich allenfalls eine schau-lustige Menge dabei ein, da man aber den Tagauf den Sonntag verlegt hat, so geht es damit,wie es den Juden gehen würde, wenn sie denSabbath auf den Sonntag verlegen müßten,wie es von Einigen vorgeschlagen worden ist,die rechte Weihe ist davon, und es bleibt ausder innigen Verbindung ein altes Mütterchenübrig, dem man noch einen Schemel unter dieFüße rückt — aus Mitleid mit der alters-schwachen, aber nicht mehr aus Galanterie.
Tageszettel.
—* Es ist so viel Schauspielerei in derPolitik, daß man sich nicht ärgern darf, wennman einmal auch ein Bischen Politik in derSchauspielerei findet. Mlle. Rachel hat ihreMinister; an dem Tage, wo das neue Cabi-net eröffnet wurde, begegnete eine der Thea-
tercelebritäten, deren Minister abgetreten, derRächet und rief ihr zu: Nun, Sie treten insMinisterium?— Ja, antwortete diese, undSie treten aus! — In der That sammelt sichein zahlreicher Kreis ehrgeiziger Bittsteller umMlle. Rächet, die Alle von dem Einfluß dergroßen Schauspielerin auf den Minister des In-nern gute Früchte erhoffen. —*
—* DiechristlicheReligionsphi-lo soph ie von Heinrich' Steffens erhältvom Professer Rosenkranz in den berlinerJahrbüchern für wissenschaftlicheKritik die gediegenste und gehaltenste Beur-theilung, welche diesem so sehr beschwiegenenBuche nur zu Theil werden konnte. Merkwür-dig ist an dieser Recension die Verbindung derphilosophischen Schärfe, welche den Inhaltkeineswegs schont, mit der großen persönlichenMilde, die darin athmet. Besonders verdientdie Schlußftelle Erwähnung: „— Wir wol-len hier nicht mäkeln, wie lar und willkürlichsolche Bestimmungen sind, wie „ethische Be-deutung , eigentlicher Gegenstand der Wissen-schaft," sondern nur bemerken, daß die he-gel'sche Philosophie in der Betheiligung umden Fortschritt der Sittlichkeit, namentlich imStaat, in der Schule und in der Kirche, ganzanders dasteht, als die schelling'sche, welcheuns nur Reactionaire hat liefern können.Steffens selbst, der von 1817 — 21 so herr-liche, unvergeßliche Worte in dieser Hinsichtgesprochen hat, scheint nur durch das Natur-wüchsige in seiner Persönlichkeit, das ihm da-her auch mit Recht überaus theuer ist, vor demSchicksal bewahrt zu sein, noch tiefer von sei-
nem früheren kraftvollen Standpunkt abzufal-len, als er in seinem Roman: die Revolution,schon gethan hat." —>*
Neuigkeiten der Literatur.
Im Verlag von Tr.BrommeinDres-d en ist erschienen : Erz stufen für 1841.NovellenundErzählungenvonJdaF r i ck. Dies neue Werk der fleißigen Verfas-serin enthält drei Novellen. 1. Der Maria-st e i g. 2. D i e H o st i e nv e r sch w ö run g.3. Die Geschwister. Die erste dieser Er-zählungen ist die Bearbeitung einer nordischenSage und bezeugt der Verfasserin glücklichesTalent für Naturschilderung und Charakter-zeichnung. Die zweite: Die H ostienver-schwörung ist eine Geschichte aus dem Mit-telalter, zu der das Schicksal und die Verfol-gung der Juden den Hauptftoff hergegeben,und in der Schilderung des bekannten JohannPfefferkorn und dessen Lebenslauf hat die Ver-fasserin eine gründliche Kenntniß der Geschichtedamaliger Zeit gezeigt, wie in der letzten Er-zählung: Die Geschwister, eine lebhafteund glühende Phantasie nicht zu verkennen ist,wenn auch hier und da die Situationen etwaszu kraß erscheinen und die Verfasserin sich zusehr in Schilderung von entarteten Charakterenzu gefallen scheint. Das Schlechte und Gemeinesoll nie um seiner selbst willen, sondern um desGuten willen da sein, bei diesen Erzählungenscheint es zuweilen, als sei das Gute um desSchlechten willen da, und nur um diesem alsFolie zu dienen. Auch der Styl verräth hinund wieder Unbeholfenheit und Härte, dochist auch hierin ein lobenswerthes Vorwärts-streben der Verfasserin nicht zu verkennen.
(Hh,nünndtgirttgen.
Bei C. G. E. Meyer 86N. in Braunschweig ist erschienen:Donata oder Liebe und Weltton. Roman vonWil-helmine Sostmann, geb.Blumenhagen.
Mit Recht kann dieser Roman als eins der trefflichsten Werke der beliebtenVerfasserin der Lesewelt empfohlen werden, namentlich aber den Damen, denendiese Lectüre schon deshalb zusagen wird, weil sie reiche Befriedigung für dasGemüth ^gewährt. Der Conflict zwischen Liebe und Welt bildet das Thema,welches die Verfasserin mit glühender Phantasie und ergreifender Ueberzeugungdarstellt. Durch den historischen Hintergrund, den sie wählte, gewinnt die ansich höchst anziehende Erzählung ein gesteigertes Interesse, und die geachtetstenKunstrichter, so wie die entschiedene Vorliebe der Leser haben es längst ausge-sprochen , daß Wilhelmine Sostmann zu den bedeutendsten der deutschen Schrift-stellerinnen gezählt werden muß,
Generalbeichten, von Fr. Soulio. Theil 1 und 2. Ausdem Französischen von vr. E. Brinckmeie r.
Soulis, der Dichter der Intriguen, der gefeierte Romantiker und geist-volle Schriftsteller hat hierin ein Werk geliefert, das in ähnlichem Sinne, wiedie Memoiren des Satans, abgefaßt, diesen sich würdig an die Seite stellen kann.
Die Verwickelungen sind in diesen Leiden ersten Bänden bereits auf das Höchstegesteigert und die Spannung des Lesers wird mit jeder Seite größer. Auch einevernünftige Moral wird gegen das Buch mit Recht nichts einzuwenden haben.Verbrechen, Nichtswürdigkeiten, Verräthereien an Liebe und Glauben werdenallerdings erzählt, aber nur um der gerechten Schmach übergeben zu werden.Besonders ist es die Heuchelei der Gesinnung, welche in Souli« einen strengenRichter findet. Die Uebersetzung ist, wie sich von vr. Brinckmeier nicht anderserwarten läßt, sehr vorzüglich.
Ein Liebestraum und die Kammerzofe. Zwei No-vellen von Soulie. Nach dem Französischen von W.Schultze.
Diese in trefflicher Uebersetzung wiedergegebenen Novellen zeigen vonNeuem, daß Souli« in der Erfindung von Intriguen unerschöpflich ist und inihrer Schilderung wohl schwerlich übertreffen werden möchte. Der „Liebes-traum" ist ein so reizendes, anziehendes Gemälde, die „Kammerzofe" so eigen-thümlich erfunden, und beide so meisterhaft erzählt, daß wohlversorgte Privat-,namentlich aber die deutschen Leihbibliotheken nicht versäumen werden, das Buchanzuschaffen.