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scheint. Auch wir thaten dasselbe. Jin Schlosseselbst wird der Gartensaal und das Schlaf-zimmer noch in demselben Zustande gezeigt,wie sie der Philosoph verließ, und der jetzigeBesitzer, ein Seitenverwandter jenes GrafenBude, von welchem Voltaire die Besitzungkaufte, thut sein Mögliches, um diese Sachenzu erhalten. Am Saale hangen einige schöneLandschaften, und im Schlafzimmer meist Por-traits, unter denen uns besonders das vonFriedrich dem Großen, als junger Königim kriegerischen Schmucke dargestellt, anzog.UebrLgens ist alles sehr einfach, ja nach jetzi-gen, mehr erwähnten Begriffen ziemlich unbe-quem, und wir verließen den Ort voll Verwun-derung darüber, wie sehr Wohnlichkeit undLurus seit jenen Zeiten gestiegen sind, Vol-taire, damals einer der reichsten Privatleuteund der berühmtesten Schriftsteller, welcherhier die angesehensten Fürsten des Continents,und die reichsten Lords empfing, wohnte imVergleich zu Leuten von heut, welche wenigerVermögen und gar keinen Ruhm besitzen, un-elegant und fast ärmlich. Selbst die solidePracht, welche man immer jener Zeit gegendie unsere vindicirt, konnten wir nicht finden.Zuletzt besuchten wir noch die kleine Kirche,welche Voltaire vor dem Hofthore erbaut, undin welcher er selbst einmal gepredigt, alseinige grobe Diebstähle von den Bauern seinesDorfes verübt worden waren. Auf dem Rück-wege erfreueten uns genußreiche Aussichten voneinigen Campagnen, auf diesen kleinern Ver-bergen des Jura, und die breitästigen Frucht-bäume längs der Straße gewährten einladen-den Schatten.
Aber mehr, als alle diese einzelnen Na-turgenüffe erfreute uns eine zweitägige Fahrtauf dem See, zu dessen Umschiffung täglichzwei sehr elegant eingerichtete Dampfböte fürden Reifenden bereit sind. Auf einem dersel-ben verließen wir an einem Sonntag die Rhedevon Genf, fuhren längs des Schweizerufers,wo wir bei jeder etwas bedeutenderen Stadtanlegten, bis Villeueuve am andern Ende desSees, und besuchten dann „zwur celedrer leckimuncbe," wie sich unser Capitain ausdrückte,das quer über dem See auf dem savoyischenUfer liegende Eira^l. Nachdem wir dort zweiStunden lang an lustig belebten Land- undWirthshäusern vorüber einzelne Felsen undBerge erstiegen, kehrten , wir nach Vevay aufdas Schweizerufer, von heftigem Sturme ge-trieben, zurück, um von dort am folgendenTage uns wieder auf dem gestrigen Wege nachGenf zurück zu begeben.
Besonders am Sonntage ist aufdenDampf-
böten eine beständig wechselnde Gesellschaft.Deutsche, Franzosen und Engländer drängtensich bunt gemischt untereinander, und jederüberließ sich seiner Stimmung, entweder dieihn umgebenden Aussichten auf die grandio-sen Schönheiten der Natur betrachtend, oderdie Einsichten in den eleganten, stets von sehrreizenden Gesichtern erfüllten Schiffsraum die-ser vorziehend. Wir suchten, soweit unserAuffassungsvermögen es erlaubte, alle dieseverschieden lockenden Eindrücke in uns aufzu-nehmen. Aber solche poetisch durchlebtenTage lassen sich auch nur poetisch wahrhaftwiedergeben, und sowie auf solchen Fahrtendas geographische Zergliedern der Oertlichkeitden frischen und erhebenden Totaleindruck zer-stört, so würde eine ordnungsmäßige Beschrei-bung des herrlichen Alpensees vielleicht sehrnützlich, aber wenig ergötzlich sein. Ja, wirsind gar nicht im Stande, sie auszuführen;uns war diese Natur ein einziges herrlichesGedicht, dessen gewaltiges Ganze uns nurnach den Beleuchtungen, in denen es seinDichter aufführte, verschieden ergriff, unddarum fühlten wir uns so glücklich, weil esuns vergönnt war, diese Scene in Morgen-,Mittag - und Abendbeleuchtung wechselnd nacheinander an uns vorüber ziehen zu sehen.Wir fuhren durch silberne Wellen, wenn dieersten Morgenstrahlen auf sie fallen, helle tief-blaue Krystalle legten sich in der Ferne mitden glänzendsten Farben um die Ufer, wenndie kräftige Mittagssonne senkrecht auf sie her-nieder blitzt, und wir durchschnitten die dunk-len Purpurstreisen, wenn die glühenden Abend-wolken in diesem bewegten Spiegel wieder-strahlten. Wir schaueten voll Sehnsucht aufdiese treibenden Kräusel, wenn ein sanfterWind, von den Thälern her, nur leise überdie Wasser strich, und standen freudig bewegtan dem Mäste, als der Wind gegen Abendaus den Spalten der Alpen mit kräftigemOdem in die blutigen Furchen sich eingrub.So webten Alpenhöhe und Wasserstiefe, inunzähligen Farben spielend, ein hinreißendesBild, und aus diesem Hintergründe trat dieschönste Eigenthümlichkeit des Genfersees undseiner Ufer, diese nirgends unterbrochene städ-tische Lebendigkeit desto reizender hervor. Anden Ufern keiner andern Seen, selbst nicht andenen der lieblichsten lombardischen, fandenwir so viele, dichtbewohnte Städte und Städt-chen zerstreut, als hier, und das macht dieAnsicht so einzig, wenn das Schiff auf derHöhe von Lausanne schwebt. Von hier auserreichen in der südwestlichen Spitze diesesgrößten Wasserspiegels in Europa die Augen
kaum die genfer Ufer, am südöstlichen Endesteigen vor ihnen in drohender Nähe bis zuden Schneespitzen der Gletscher, die waadtischen,wallisischen und savoyischen Alpen auf, mitihren furchtbaren Mauern und finstern Schluch-ten in grandioser Perspective um den See unddas aufwärtssteigeUde Rhonethal gelagert, undzwischen diese unsichere Wasser- und starreGebirgswelt hat versöhnend der Mensch sichgedrängt, auf dem schmalen Streifen zwischenAlpe und See schimmern überall freundlicheund wohnliche Orte, die immer größer undstolzer werden, jemehr die unbezwinglichenMassen zurücktreten, bis sie beinahe eine mei-lenlange Häuserreihe bilden im Norden desSees, wo die einladende Natur alles Störendeverbannt, und die senkrechten Felsen in frucht-bare Hügel verwandelt hat, welche ihre sanfteAbdachung gegen den See der Mittagssonnedarbieten, auf daß sie den Wein koche, und dieköstlichen Früchte reife. Hier wirft alles dasBild des natürlichsten Reichthums, der be->glückendsten Wohlhabenheit zurück, und wievon einer lebendigen, gegen die Nordwindeschützenden Mauer, wird dieser Garten vondem fernen waldreichen Jura umkränzt. Wienun die Lichter des Tages wechselten, so tratenauch die einzelnen Motive dieses Landschafts-bildes besonders hervor; die durch Fröhlich-keit oder Arbeit belebten Ufer am Tage, derschwankende See und der stille, von der un-tergehenden Sonne goldgesäumte Jura desAbends, und majestätisch und am erschreckend-sten die zackigen Alpenfelsen um Villeneuve hochüber den Morgennebeln im Thale und aufdem Wasser. Monden lang hätten wir hierherumschwimmen können, aber der Mont-blanc, den uns der Capitain auf dem Rück-wege, bei der Einfahrt in den sogenanntenMinen See, zeigte, rief in sein Gletscherthal,fttnd'dKrchglüht von den Zaubern der Vergan-genheit, selig in der Gegenwart, und erfülltmit den reichsten Hoffnungen sahen wir zuerstdie^lieblichen Ufer, dann die gastliche StadtGenovas nach und nach aus dem feuchten him-melblauen Grunde uns entgegenstehen.
Das deutsche Bankwesen.
(Fortsetzung.)
3. Die österreichische Nationalban k.
Sie wurde im Jahre 1816 errichtet und er-hielt ein Privilegium auf 26 Jahre. Ihr ur-sprünglicher Hauptzweck war: die Einlösung desentwertheten, auf 600 Mill. Gulden geschätzten,Papiergeldes zu bewirken und das ganz in Un-