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nächst die S el i gk e it, und 2) im Gegensatzemit den blinden Schlägen des Schicksals undden Gewaltstreichen der Tyrannei, so weit die-ser auch die Natur zu Gebote steht — mit denim Kreise der Gegenwart öfters so schneidendenMißtönen ober Mißverhältnissen zwischen Ver-dienst unv Schicksal — die Glückseligkeit(in Ermangelung eines anderen Wortes!).So verbindet die Glückseligkeit zwei Weltenmit einander: das Jenseits mit dem Diesseits.Wie herzlos müßte eine Speculation sein, diebei dem Anblicke eines solchen Mißstandes, zu-mal in irgend einem besondern Falle, wo einEdler oder eine Edle zertreten ward, gleichgül-tig sein könnte, wie herz - oder gemüthlos derWissenschafter (Speculant), dem nicht mit ob-jectiver Gültigkeit das Urtheil entstünde: „die-ser Gemarterte, Gekreuzigte rc. war eines bes-seren Schicksals werth, ihm muß, ihm wird,so gewiß es eine Gerechtigkeit giebt, Ersatz,Vergeltung werden — wann und wie im-mer !" ?
So bewährt sich die Grundansicht von dermoralischen Weltordnung. Und werdemnach, nächst der Tugend, die Glückselig-keit fordert, steht auf dem Standpunkte derrichterlichen Reflexion: er urtheilt nicht fürsich, als Einzelner, geschweige als ein Sol-cher, der auf Genuß (als Zweck, Endzweck)ausgeht, sondern im Namen der Vernunft, imNamen der Menschheit'
Mag also die kantische Lehre sonst, inBetreff des Moralischen und Religiösen, nochmit einem Mangel behaftet sein, indem sie demerstem den Primat schlechthin zuschreibt, undeben so die Religion als Mittel der Sittlichkeitaufführt: der Vorwurf einer egoistischen Wen-dung kann ihr doch Lei dieser Grundlehre mitRecht nimmermehr gemacht werden; und dasPostulat Gottes als E.recutors des Moralge-setzes, auf dieser Seite, und der Unsterblich-keit des menschlichen Geistes in gleicher Hin-sicht — dieser Beweis für Beide hat an seinemOrte, obwohl nur an untergeordneter Stelle,die volle Gültigkeit.
Sagt uns hingegen ein Kenner und An-hänger des hegel'schen Systems: „Die Be-stimmung ist, mich mit Gott in mir zusammen-zuschließen (!), mir d lesen höchsten ab-soluten Genuß zu geben; so ist dieseSprache offenbar egoistisch, da hoffentlichauch hier die Folge der Sittlichkeit stattfindensoll. Wird aber an diese gedacht, so erscheintin der frommen Rede zugleich ein Wider-spruch.
Unv was gewährt die herrschende Redevon der'Religion, wenn 1) die Entstehung,
die Genesis derselben, wie solche nur in einemmenschlichen Geiste denkbar ist, keineswegs auf-gezeigt, und 2) der innere Zusammenhang desReligiösen mit dem Moralischen, wie derselbeobjectiv und dann subjectiv erfaßt werden muß,mit keiner Sylbe berührt wird? Denn, wasda von Grund aus, vor Allem , erkannt wer-den muß, ist Folgendes: I. Beide, das Mo-ralische und Religiöse (oder umgekehrt) sindübersinnlicher Art, gehören zu dem metaphy-sisch Objectiven; und II. subjectiv aufgefaßt,d. i. als Moralität und Religion, sind Beidevon einander nicht trennbar und so im tiefstenGrunde Eins, weil ja ohne die Willensthälig-keir die Religion überall nicht entsteht und dieMoralität keine Vergötterung des Menschensein kann: was ist dem Menschen, der Sub-ject oder Person geworden, zu seiner Anstren-gung vorgesetzt, als Object der Achtung, derLiebe u. s. w. angekündigt? — Erst auf demuntergeordneten Standpunkte der ethischen Re-flexion, indem solche der Mißkennung, Miß-handlung rc. des Einzelnen entgegentritt, gehtdas Göttliche im Menschen (mithin auch imeigenen Selbst) oder die Menschenwürde alsPflichtobject besonders hervor.
Aber diese doppelte Einheit so vorausge-setzt, ist dann noch insbesondere wohl einzuse-hen, daß I. die Moralphilosophie, die Ethik,ohne die Religionsphilosophie nicht bestehen,und II. die Religionsphilosophie ohne die Mo-ralphilosophie nicht entstehen kann. Denndas Heilige ist in der Rede von Gott dasErste, Entscheidende — wie wäre sonst dieGottheit von dem Götzen selbst mit objectiverGewißheit unterscheidbar? — der Begriff desHeiligen aber ist ohne den des (sittlich) Gutennicht möglich, ist durch den ethischen Grund-begriff bestimmt, bedingt und so davon aus-gegangen. Die Moralwissenschaft behauptetdemnach, obschon nur soweit, den Primat.
Heißt hingegen die Religion das absolutwahre Wissen, und das Gefühl selbst, als An-fangspunkt, — ein Wissen, das unmittelbare;so erscheint, sprechend genug, der Intellektua-lismus: der Wille, das ethische Subject, istwissenschaftlich verkannt, das Gefühl, imGegensatze mit der Gefühllosigkeit und so zumtieferen, zarteren rc. sich fortbildend, also eineFunktion des Willens, während das Wissendie Hervorbringung des Verstandes ist, —keineswegs erkannt. Das Gefühl mangelt jadem (eigentlichen) Mystiker nicht; wohl aberfehlen ihm die bestimmten und deutlichen Be-griffe.
Wird dann ferner behauptet, „die Reli-gion fordere das Aufgeben des Willens, die
Aufhebung der natürlichen Persönlichkeit, daßder Mensch seiner Subjektivität abthue (!)"u. dgl.: so verbindet sich mit dem Intellektua-lismus , naiv oder natürlich genug, der My-sticismus. Uebrigens ist ja die Persönlichkeitals solche natürlich, wenn dieses Beiwort indem uneigentlichen Sinne, welchem zufolgeauch von der Natur des Geistes geredet wird,gelle» soll; und aufhören kann ste, die Per-sönlichkeit oder die Subjektivität, nimmer-mehr: es soll nur die sittliche, nicht die un-sittliche, die religiöse, nicht die irreligiöse,eintreten, auf jene Ankündigung des Einen,dem die Achtung rc. gebührt, folgen und be-stehen , d. h. in dieser Richtung fortgehen.
Daher auch, um noch ein Beispiel anzu-führen, die Behauptung, Heiligkeit werdevon der Religion oder Kirche, Sittlichkeitvom Staate gefordert; als könnte die Ersterevon der Wissenschaft dem Menschen, nicht Gottallein, beigelegt und ohne die Sittlichkeit (nurmit Weglassung des Beschränkten, welches derTugend selbst noch anhängt) je gedacht werden!Die „ Moralität" selbst erscheint zuletzt nebender Religion'gar dürftig oder^— wunderlich:„sie verewigt das Bewußtsein der Sünde zumWurm, der nimmer stirbt; aber die Religionhat vor der menschlichen (?) Moral das Vor-recht, die Sünde zu vergeben." Was folgthingegen aus dem Begriffe des Heiligen, nachjener Grundbestimmung, so wie nun Gott inseinem Verhältnisse zur subjectiven Menschheitgedacht wird? —
Das Grundgebrechen war, daß keine Mo-ralphilosophie, vor der Rechts- und Reli-gionsphilosophie, gegeben ward; auch eineArt von besonderer Naivetät! Denn aus demSubjecte — dem Logischen konnte nimmermehreine Moral oder Ethik hervorgehen; und derVersuch, mit Folgerichtigkeit, würde den ge-sunden Menschenverstand selbst empört haben.Schon die Klugheit verbot das Unternehmen.Was aber dann vom Heiligen und Sittlichennoch gesagt wird, ist theils (im besten Falle)nur populair, ein Praktisches dieser Art, theilswidersprechend — bei allem Tüchtigen undSchönen, was nebenher sich einfinden mag.
In der Darstellung ist dann, im bestenFalle, theils Unklarheit, theils baarer Mysti-cismus, z. B. „Der Zweck des Cultus ist ge-gen meine besondere Subjektivität gerichtet,die Hülse abzustreifen und im Geist zu sein.Dies ist ein zweiseitiges Thun, Gottes Gnadeund des Menschen Opfer. Ich soll (!) michdem gemäß machen, daß der Geist in mirwohne, daß ich geistig sei; was so als meinThun erscheint, als Aushebung, meiner natür-