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Freundschaftliche
unsern Herzen erhalten könne, wo ihr ei-gentlicher Sitz ist, weil sie da aufhöret,wo sie aufhöret geliebt zu werden ?
Die, welche somit der Religion umge-hen, sind nicht die, die ihr am meisten Un-recht thun: sie wird von denen noch mehrverschmäht, die sie auf eine freche Weiseverachten, mit Tollheit dieselbe beftreitcn,und mit einer verstellten Wuth sich rüh"men, keine zu haben.
Diese Ausschweifungen, so ungeheuer siesind, werden doch in gewissen Gesellschaf-ten gelitten, und zwar fo leicht, daß manes vor weniger als hundert Jahren kaumhätte begreifen können. Zu allen Zeitenhat man in gewissen Stücken wider dieReligion gefehlt: man hat sich Unordnun-gen erlaubet, die sie verdammte. Dieselbst, die recht lebten, thaten Böses; undglaubten das eine durch das andere zu er-setzen : sie verliessen sich fälschlich auf die Artvon Wage, die man erfunden, um dasJoch, so sie auflegt, zu erleichtern. Sierichteten nach ihren Begriffen eine Regelein, welche ihren Ursprung von GOtt hat,und keine menschliche Auslegung leidet.Ein unendliches Wesen ist ihr Urheber :Es kennet sowohl das Vermögen derer, diesie empfangen, als die Natur der Gesetzen,die sie ausmachen. ^