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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
Entstehung
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Lehren.

ohne Unterscheid anwenden, und die an-dern ergeben sich denselben ohne Vernunft.Die, die sich geschickter dünken, geben vor,man könne sich denselben nicht widersetzen;durch dieselben stimme in der Welt allesüberein. Und auf diesen Satz bauen sieihre Lehre, die sowohl von ihrer Boßheit,als Unwissenheit zeuget.

Eine Leidenschaft ist nichts anders als einheftiger Affeet der Seele. Sie ist stärkeroder schwacher nach der Gemüths-Art des-sen, der sie empfindet. Es giebt Leute,die keine Leidenschaften haben, und die sindnicht die unglücklichsten: Andere sind vondenselben ganz eingenommen, und die sindnicht die glücklichsten. Beyde sind selten:man muß denen, die sich rühmen Paßio-nen zu haben, so wenig trauen, als denen,die sich rühmen keine zu haben: man spie-let mit den Leidenschaften, wie mit derGleichgültigkeit.

Wenn wir der Quelle der Leidenschaftnachspühren, so werden wir finden, daß, dadieselbe ein Affeet der Seele ist - und vonder Gemüths-Art abhänget, wir nicht kön-nen nach Gefallen Paßionen haben, undnicht haben: weil die Seele nicht frey isteinen Eindruck zu empfangen, oder nichtzu empfangen. Die Freyheit der Seelebestehet nicht darinn : sondern nur der Wür-Es kung