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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
Entstehung
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5b Freundschaftliche

weiter, und glaubt, alles was nützlich ist,seye ehrlich.

Man beklaget sich, daß keine Bürgermehr seyn; wie sollte es noch geben , daein jeder sich selbst sein Staat, seine Stadt,sein König ist? Es ist erlaubt mit Maaßevor sein Glücke zu sorgen; aber man opfert idieser Sorge alle andern auf: und das ge- ^meine Beste wird vor nichts mehr gerech-net. Sein Leben und seine Gemüths-Ga-ben dem Wohl des Staates aufzuopfern, >siehet man als Römische Tugenden an, diesich nicht mehr in unsere Zeiten schicken. !Man sagt, man gewinnet dadurch vor sichund die Seinigen nichts als Undank undArmuth. Als wenn die Bedienung des ^Staats, nach unsern Gesetzen, nicht dassicherste Mittel wäre, sein Glück zu machen;und als wenn die, die es nicht erlanget,sich nicht genugsam damit trösten könnten,daß sie vor das gemeine Wohl der Gesell-schaft gearbeitet.

Hätten die Colberts und Louvois mitgrösserem Nutzen vor ihre Häußer arbeitenkönnen, wenn sie nichts als ihren eigenenVortheil gesucht hätten, als da sie sich dem iWohl des Staats aufgeopfert? Ihr Glückhat sich von selbst gefunden, und sie habenden Ruhm erlanget, daß zu ihren ZeitenNiemand dem Staat nützlicher gewesen;

man

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