Buch 
Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
Entstehung
JPEG-Download
 

76 Freundschaftliche

vor das Vaterland wagen, und deren klein-ster Verlust der Verlust ihrer Güter ist/ diesie seinem Dienst aufopfern.

Wir müssen den Eyfer nicht mit demEhrgeitze vermischen: jener ist edler See-len würdig. Es wäre mir leid, mein lie-ber Aristes, wenn du das Feuer und dieBewegungen, die der Anblick derer, diesich durch grosse Thaten berühmt gemacht,in unsern Herzen erwecket, niemahls em-pfunden hättest. Ich erinnere mich, daßda ich mit dir das Leben der grossen Feld^Herren bey dem Cornelius Nepos gelesen,du vor Bewunderung gegen sie erregt wor-den: und daß du, obwohl du noch einKind wärest, (dann damahls wärest dunicht mehr als sieben oder acht Jahr alt)in Entzückungen gerathen, über die ich freu-dig erstaunet.

Die Nachahmung hat etwas Knechtisches,das erhabenen Empfindungen widersteht:der Ehrqeitz ist eine gefährliche Paßiou,wegen den Ausschweifungen, zu denen eruns leitet, und die die Kennzeichen dessel-ben sind: aber der Eyfer ist gerecht. Erist ein Verlangen Gutes zu thun, das zurEhre unserer Seele gereicht: das uns hilftnach dem Beyspiel anderer die Hindernis-se überwinden, die sich der UnternehmungNysser Dinge widersetzen: weil man nur