Lehren. 87
noch seltener, daß man dieselben wohl an-wendet.
Man hoffet vergebens, daß die Reichendie Armen als ihre Vrüder ansehen; undihr Elend nach der Grösse desselben zu er-leichtern suchen; Ihre eigene Nothdnrft istso angewachsen, daß sie ihnen das Vermö-gen nicht läßt, diese erste Pflicht, zu dersiedie Menschlichkeit verbindet, zu erfüllen.
Es ist nicht die Mode, eine Anzahl ar-mer Familien zu erhalten , wie es eine ist,Hunde und Pferde zu nähren: man hatniemahls dem Vortheile nachgedacht, derdaraus zum Besten der Gesellschaft ent-springen würde
Ich will nicht sagen, daß alle die, diesich arm stellen, und die auch würklich armsind, gleiche Hülfe verdienen: der Unter-scheid ist leicht zu finden.
Von Kindern, die in der Armuth geboh-ren sind,sterben mehr als drey Viertheile ausMangel genügsamer Hülfe: man kau nichtsagen, daß diese an ihrem Elend Schuldseyen. Welcher Verlust vor die Gesell-schaft, der sie gedienet hätten, und deres würklich an genügsamen Leuten fehlet!Man beklaget ych über ihre Seltenheit,woran die Härtigkeit der Reichen Schuldist, die sie tödet.
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