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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
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92 Freundschaftliche

Ich halte vor gewiß, es gebe Tugenden,die man versäumet, weile«, man den Preistderselben nicht kennet, noch den Vortheil,den sie uns bringen würden. Wir ziehendenselben ei», liederlich Leben vor, das sie ,verdammen, nicht so sehr aus Eckel ab !dem, was sie von uns fordern, als ausMangel eines genügsamen Kenntuiffes der-selben.

Ein Reicher, der zugleich tugendhaft ist, ^ist nach einem guten Fürsten das ähnlichsteBild der Gottheit: er hat das Vermögen,so viel Gutes zu thun als er will, das ihmder Reichthum giebet, welchem der Ver-dienst und der beste Willen nicht zukommen,noch dasselbe ersetzen können. Er hat fastvor alle Unfälle dieses Lebens ein sicheresMittel in seiner Hand: Der Reichthum er-leichtert das Unglück, das er nicht völligaufheben kan, «gemein.

Man gebrauchet den Reichthum nicht zudem Zweck, zu dem er bestimmt ist, derihm ein so grosses Ansehe«, giebet, und deneinigen Glanz, dessen er fähig ist;rar, be-dienet sich desselben zu einem andern Zweck, ,vor den er nicht gemacht ist: man erhebetsich, und verachtet alle, die keine Güterhaben; man wird stolz, seltsam, unbändig, ^und oft grausam. Was gewinnet man, j

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