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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
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Lehren. 95

tzer bey dir erwecken, soll sich nicht auf ih-re Personen erstrecken. Der Haß, der zwi-schen verschiedenen Nationen, verschiedenenMliaionen, und Partheyen herrschet, be-schämt die Menschlichkeit: Der Stolz, dieEyfersucht, und eine verderbte Einbildung,die nur ihrem eigenen Gutdünken folget,sind die verschiedenen Quellen dieses Has-ses. Traue dieser Einbildung nicht in dei-ner Aufführung, und in deinem Leben: sieist nur den Wissenschaften und den Künstennützlich; sie ist die Mutter der Erfindung.Daneben zeuget sie nur Abergläubische,Schwärmer, und Narren; Leute, die mehrunserer Erbarmung, als unsers Zorns wür-> dig find, und die oft gefährlicher sind, als' andere, die boßhaft sind.

Es giebt Leute, deren Werke wir lesen! müssen, und lieben können, und deren Um-gang unangenehm, oder verderblich ist.D'.e Wissenschaften und Künste, deren Vor-warf ist, den Geist zu zieren, und guteSitten zu zeugen, bringen diesen Vortheilnicht allzeit in denen hervor, die sich den-selben widmen, weil es nicht allzeit derZweck ist, den sie sich dabey vorsetzen. DieWunder, die der Witz und die Wissen-schaften zeugen, haben ein Recht auf unse-re Bewunderung, dessen es unanständigwäre, sie zu berauben.

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