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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
Entstehung
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io§ Freundschaftliche

werden: und man bekrieget sich. Manverträgt und beklaget sie niemahls besser,als wenn man sie kennet. Es ist keiner un-ter den Tugendhaftesten, vernicht, wenner sich genau untersuchet, von sich sechstensagen könne: wie wenig hat es gefehlt, undwie wenig fehlt es noch, daß ich vielen vondenen gleich sehe, die ich verdamme?

Es ist oft ein Unglück, nicht der zu seyn,der man seyn sollte: dieser, ohne genug ge-than zu haben, hat doch vielleicht mehr ge-than, der Schande auszuweichen, die ihmfolget, als jener, in den ansehnlichen Rangzu steigen, den er bekleidet. Dieser Ge-danke erniedriget uns; er ist bequem, diegute Einbildung zu schwächen, die wir vonuns selbst tragen, und die so ungerecht ist,als die, so wir von andern haben.

Man kan sich nicht schmeicheln, eine klei-ne Kenntniß der Menschen zu haben, bisman anfängt sich sechsten zu kennen. Mansiehet in die Ferne, und achtet nicht, wasin der Nähe liegt: und so setzet man sichder Gefahr aus übel zu urtheilen. Wirmüssen bey uns anfangen, von uns aufan-dere kommen, und von andern wieder aufuns zurückkehren; denn werden wir nachangestellter Bergleichung ohngefehr wissen,was wir glauben sollen. Hieraus müssennothwendig die Bescheidenheit, die Freund-