Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

Karl V. und Moriz von Sachsen.

73

Regiments aufgehalten wurde, welches seinen Sturmsold forderte.Am 22. Mai erreichte er seine Verbündeten zu Zirl, Tags daraufzog er in Innsbruck ein. Bereits am 19. Mai war daselbst dieKunde von dem Anmärsche der Bündischen angelangt. Noch an dem-selben Abend um neun Uhr brach Karl V. mit seinem Bruder und einemkleinen Gefolge auf. Die Nacht war kalt und schaurig, auf denHochgebirgen lag noch die Schneedecke. Der Kaiser, an Gichtschmerzenleidend, ward von seinen Soldaten in einer Sänfte über Matrainach dem Brcnnerpaß getragen. In Bruncggcn hielt der Kaisereinige Rast; von da machten sich die Brüder durch das Pustcrthalauf nach Villach in Kärnthcn. Dort befand sich der Kaiser bald invollständiger Sicherheit.

Man braucht daher gar nicht zu fragen, warum Moriz demKaiser nicht weiter nachsetzte, und warum er nicht länger zu Inns-bruck verweilte. Die gutmüthige Ansicht, daß er den auf den 26. Maiangesetzten Waffenstillstand nicht habe verletzen wollen, verräth wenigMenschenkenntnis Gewiß wollte er die Erhebung des Tyrolcr Land-sturms nicht abwarten. Denn in dieses Land kömmt man leichterhinein, als wieder heraus. Nachdem er daher zu Innsbruck daszurückgelassene Eigenthum des kaiserlichen Gefolges von seinen Söldnernhatte plündern lassen (nur was Ferdinand gehörte, ward verschont),zog er sich eilig cuttz Tyrol, und führte seine Heere bis nach Eichstädtzurück. Die Stellung der Bündischcn nördlich der Donau war un-haltbar geworden, da Augsburg ihren Antrag, eine Besatzung einzu-nehmen, zurückwies, bei dem Kaiser sich durch Gesandte entschuldigte,und wiederum Treue gelobte. Obgleich nun alle Thoren über dieFlucht des Kaisers laut jubilirten, so war doch der schlechte Anschlagdes Kurfürsten von Sachsen gänzlich mißlungen. Nur die Erfolgedes Königs von Frankreich konnten eine Veränderung bringen. KönigHeinrich II. hatte seinem Kriegszuge ein Manifest vorausgehen lassen,ein Prachtexemplar von politischer Windbeutelei: „Aus göttlichemAntriebe habe er mit deutschen Fürsten einen Bund aufgerichtet; un-geachtet der großen, aufgewendeten Unkosten, suche er für seinePerson keinen Nutzen und Gewinn, sondern nur aus freiem könig-lichem Gemüthe wolle er die Freiheit der deutschen Nation und desheiligen Reichs fördern, und die Fürsten aus der erbärmlichen Dienst-barkeit, in der sie versetzt wären, befreien. Sollte es aber einen ver-ruchten Menschen geben, der sein Vorhaben zu hindern und demKaiser anzuhangen sich unterstände, den werde er mit Feuer und