Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentreimung.

Schon waren 80,000 Türken in diesen Riesenkämpfen erlegen.Suleiman befahl auf den 30. November einen letzten Sturm undverlor abermals 15,000 Mann. L'Jsle-Adam, wie er geharnischtauf der Sicgcrbastion stand, in der einen Hand das Schwert, in derandern die Oriflamme, mußte den fliehenden Türken wie ein Ver-nichtungsengcl, oder wie der Genius der Schlacht und des Ruhmeserscheinen; sie verzweifelten einen Augenblick an dem Siege; schonwollte Suleiman die Belagerung aufheben, als zwei Verräther, einjüdischer Arzt und Andrea D'Amaral, ein portugiesischer Ritterund Großkanzler des Ordens, dem Padischah Nachricht von demtraurigen Zustande der Stadt gaben. Ihre von dem Geschütz derTürken halb zusammengeschossenen Wälle konnten neuen Angriffennicht widerstehen; den Rittern, die bloß noch 200 Mann stark waren(die klebrigen waren gefallen), fehlte es an Mundvorrath und Mu-nition. Der Verrath des Juden war erwiesen und die Belagertenvertheilten den Verbrecher; D'Amaral behauptete trotz der Folterseine Unschuld, aber der Ordcnsrath verdammte ihn zum Tode, under wurde auf der Stelle enthauptet. Dieser D'Amaral hatte frühernach der Großmeisterwürde gestrebt und die Ritter hatten l'Jsle-Adam vorgezogen. „L'Jsle-Adam wird der letzte Großmeister vonRhodus sein!" hatte der Portugiese bei dieser Entscheidung ausge-rufen. Dieses von Neid eingegebene Wort brachte ihm Verderben;aber das entschiedene Läugnen D'Amaral's, Angesichts des Todes,läßt wenigstens noch Zweifel über die Richtigkeit der Beschuldigung zu.

Der baldigen Eroberung von Rhodus sicher, wollte der Sultanin einem Anfall von Großmuth der unglücklichen Stadt die Gräueleiner Erstürmung ersparen, und schlug dem Großmeister eine Kapi-tulation vor. Entschlossen, lieber zu sterben, als sich zu ergeben,wiesen l'Jsle-Adam und seine Ritter die Anträge Suleiman's zurück;aber die Bewohner von Rhodus, außer sich über die schrecklichenLeiden, die ihrer warteten, bestürmten den Großmeister mit Thränen,Erbarmen mit ihnen zu haben und die Kapitulation anzunehmen.Ihrem Flehen nicht nachgeben, hieß sie einem sichern Tode weihen.„Ach, nicht die Ritter capituliren!" sagte l'Jsle-Adam mit dumpferStimme, „sondern Frauen, Greise und Kinder, deren Blut auf meinHaupt fallen wird." Er streckte die Waffen und begab sich in dasZelt Suleiman's, der seine Tapferkeit pries und sein Unglück beklagte.Die Uebergabe von Rhodus fand am Morgen des Weihnachtstages1522 in derselben Stunde statt, wo Papst Hadrian VI. die Messein der St. Petcrskirche zu Rom hielt. Während des Gottesdienstes