Suleiman der Prächtige.
115
löste sich ein Stein von dem Gesims ab und fiel dem Papst vordie Füße. „Diesen Vorfall," sagt ein italienischer Schriftsteller, „be-trachtete man als ein Vorzeichen des Falls des ersten Bollwerks derChristenheit." Der Großmeister forderte Suleiman auf und erhieltvon ihm das Versprechen, den christlichen Gottesdienst auf Rhodusunbehindert zu lassen. Dann zogen, der Sultan und l'Jsle-Adammiteinander in die Stadt ein. Als Suleiman den Palast des Groß-meisters in Besitz nahm, zeigte er seinem Wcssir Ibrahim den vonKummer ganz niedergedrückten l'Zsle-Adam mit den Worten: „Nichtohne tiefen Schmerz zwinge ich diesen Christen, in seinem Alter seinHans und seine Besitzung zu verlassen; aber es stand so geschrieben!"
Am 1. Januar 1623 verließen der Großmeister und seine Ritter,Alle mit ruhmvollen Narben bedeckt, voller Trauer die Insel Rhodus,welche der Orden zwei Jahrhunderte lang besessen hatte. 1527 schenkteKarl V. den Rittern Malta, die sich von nun an nach dieser Inselnannten. — Seit der Thronbesteigung Sulciman's bestanden geheimeVerbindungen zwischen ihm und Franz I., König von Frankreich.Dieser beredete den Sultan zu einem Einfall in Ungarn, um seinengefürchtetcn Nebenbuhler Karl V. dorthin zu locken. Einem Vertragegemäß sollte die ungarische Krone an das Haus Oesterreich kommen,im Fall Ludwig II. ohne Nachkommenschaft sterben sollte. Hievouunterrichtet, wollte Suleiman verhindern, daß Deutschland seine Herr-schaft über das dem osmauischcn Reiche so nahe gelegene Ungarnausdehne, und der König von Frankreich bestärkte aus Haß gegenKarl V. den Sultan in seiner kriegerischen Stimmung. Das BüudnißFranz I. mit Suleiman gab der Christenheit großes Aergerniß. DerKönig von Frankreich suchte sich später dadurch zu rechtfertigen, daßer Karl V. Ehrgeiz und Treulosigkeit schuld gab; aber diese Recht-fertigung ist schwer zulässig, wenn mau an die damals die christlicheWelt bedrohenden Gefahren denkt.
Suleiman zog im Monat Juli 1526 mit einem Heere von100,000 Btann in's Feld; keine Stadt, keine feste Burg konnte derWuth der Osmancn widerstehen; sie hatten halb Ungarn in eineWüste verwandelt, ehe sie auf die Armee Lndwig's II. stießen,die, nur 22,000 Streiter stark, sich unkluger Weise mit den gcfürch-teten Schaaren Suleiman's zu messen unterfing. Auf der Ebenevon Mohacz, auf dem westlichen Ufer der Donau, lieferten sichdie Christen und Türken die berühmte Schlacht, welche über dasSchicksal Ungarns entschied. Als Suleiman die Truppen Ludwig's II.erblickte, hob er die Hände gen Himmel und rief aus: „Mein Gott!
8 *