Suleiman der Prächtige.
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Wicns bestand aus 16,000 Mann; der Pfalzgraf bei Rhein undHerzog von Bayern, Graf Niklas von Salm, der Freiherr von Roggen-dorf und der Landvoigt von Steiermark, Georg von Leuchtenberg,führten den Befehl; lauter in der deutschen Geschichte mit Ruhm ver-zeichnete Namen, denn diese Männer retteten das Vaterland. Dieplötzlich von den gewaltigen Hcerschaaren Sulciman's angefallenenchristlichen Krieger und Bewohner Wicns legten eine Hingebung undeinen Hcldcnmuih ohne Beispiel an den Tag. Sie haßten die Türkenaus das tiefste und wollten siegen oder sterben. In dieser denk-würdigen Belagerung, welche drei Wochen dauerte, verloren die Os-manen 40,000 Mann, und Sulciman sah sich endlich zum Abzuggezwungen. „Ich weiß," sagte er eines Tages zu einem ungarischenGesandten, „ich weiß, daß die christlichen Mächte mehr als einmaldrohende Wolken über den Häuptern meiner Vorfahren, des VolkesMchammed's, aufgehäuft haben; aber diese Wolken entsenden keinenBlitz." Dießmal traf der Blitz schrecklich das Haupt des Christen-fcindcs, und Suleiman mußte erkennen, daß er nicht unüberwindlichwar. Sein gedemüthigtcr Stolz wollte seine Niederlage vor denWällen Wicns nicht cingestehen; er ließ dem Pfalzgrafen durch seinenWcssir schreiben, daß er nicht gekommen sei, um die Stadt einzu-nehmen, sondern um mit dem Erzherzog zu kämpfen, der „unsichtbargeblieben sei, wie ein Fuchs in seiner Höhle." Um den Truppenund dem Volke von Constantinopcl glauben zu machen, daß er dieOesterrcichcr überwunden habe, vertheilte er nach seiner Rückkehr indiese Stadt reiche Geschenke an die vornehmsten Anführer seinesHeeres. Die Geschichte hat es aber längst als ein unbestreitbaresFaktum anerkannt, daß der glänzende Sieg der Oesterrcichcr imOktober 1529 die Christenheit von einer neuen Uebcrfluthung durchdie Barbaren gerettet hat.
König Franz I. von Frankreich ruhte nicht, den Sultan neuer-dings gegen Karl V. aufzustacheln. Suleiman zog abermals nachUngarn, ließ sich jedoch bald den Abschluß eines Friedens gefallen,zumal seine Flotten im Mittclmeer durch Karl's V. Admiral, An-dreas Doria, wiederholt geschlagen worden. Dafür entschädigtesich der Padischah durch einen siegreichen Krieg mit Pcrsien.
Suleiman hatte ein zahlreiches, tapferes, gut organisirtes unddisciplinirtes Landhcer, denn unter der Hand des gewaltigen Herrschershatten selbst die wilden Janitschaaren den Nacken gebeugt. SeineSeemacht war auch bedeutend; aber es fehlte seiner Flotte an ge-schickter Führung; er wußte es, nnd suchte seit langer Zeit nach