Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentrenmmg.

beizubringen, ja ihn als die Seele einer Verschwörung dcrJanitscharenzu bezeichnen. Snleiman schickt nach Amasia und läßt Mustaphazu sich in's Lager rufen. Mustapha traf wenige Tage darauf ein,und das Heer begrüßte ihn mit lautem Jauchzen. „Hört Ihr dießGeschrei?" sagte Rustem zum Padischah. „Ja, es ist Aufruhr!"entgcguete der Sultan. Ohne sein Schicksal zu ahnen, kommt Mustaphavor dem kaiserlichen Zelte an, steigt vom Pferde und tritt hinein.Er findet dort nur Stumme, die ihn greifen und erdrosseln. „Vater!Vater!" ruft Mustapha, während er sich gegen seine Mörder wehrt.Hinter einem seidenen Vorhang versteckt, sieht Snleiman diesem schreck-lichen Austritte zu, und sein Ohr bleibt taub gegen die Hülfcrufe seinesSohnes. Dschehangir, der Mustapha zärtlich liebte, befand sich geradeim kaiserlichen Lager; er eilte nach dem Zelte Suleiman's und fandMustapha leblos auf dem Boden liegen. Der Sultan tritt jetzt vorDschehangir. „Unnatürlicher Vater!" ruft dieser zu ihm, „Du sollststatt eines Grabes zwei gefüllt haben!" Mit diesen Worten stößt ersich einen Dolch in's Herz, und sinkt todt auf den noch zuckendenLeichnam seines Bruders. Ein Aufruhr bricht im Lager aus. Ent-rüstet verlangen die Soldaten den Kopf Rustem Pascha's, dem siediese Verbrechen schuldgeben. Snleiman schickt ihn bloß in die Ver-bannung. In der StadtBrussa lebte ein zwölfjähriger Sohn Mustapha's,Namens Ibrahim. Suleiman sprach ihm gleichfalls das Todesurtheil.Ein Verschnittener entriß ihn durch List den Armen seiner Mutter,führte ihn an einen abgelegenen Ort, und zeigte ihm die todtbringendeSchnur mit den Worten: „Der Sultan hat Deinen Tod befohlen."„„Dieser Befehl ist mir so heilig, als wenn er von Gott selbst käme,""cntgcgnet Ibrahim, indem er seinem Henker den Hals hinhält, undder Verschnittene erdrosselt ihn! Die heldenmüthige Hingebung diesesKindes zeigt, bis zu welchem Punkte man den Gehorsam gegen dieGewalt des Vaters und des Sultans bei dem Geschlechte Osman'strieb. Die Grausamkeiten Suleiman's braucht man nur zu erzählen,um sie zu braudmarken.

Suleiman, dessen Regierung in Friede anfing, beschloß sein Lebenmitten im Kriege. Maximilian II., Sohn und Nachfolger Ferdinands,als deutscher Kaiser und König von Ungarn, weigerte sich, den imVertrage von 1547 stipnlirten jährlichen Tribut zu zahlen, und fielin den Theil von Ungarn ein, der nach demselben Vertrage Sigismund,dem Sohne Zapolya's gehörte. Suleiman, jetzt zwciundsiebenzig Jahrealt, war von heftigen Gichtanfällen geplagt. In Folge dieser Krank-heit außer Staude, eiu Pferd zu besteigen, ließ er sich in einem offenen