Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Abfall der Niederlande.

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AbM der HMrlmde.

Karl V. hatte die Niederländer zwar oftmals Strenge fühlenlassen, doch war ihm die Nation stets treu und ergeben geblieben.Er selbst, als geborner Niederländer, war beliebt beim Volke, sprachflämisch, trug sich flämisch, zog seine Landsleute auch in auswärtigeDienste. Handel und Gewerbe blühten, das Land erfreute sich großenWohlstandes. Aber nichts Schlimmeres konnte der große Kaiser-thun, als die Niederlande seinem Sohne, Philipp II., geben.Philipp war nach Geburt und Erziehung in Sprache, Sitte, Trachtund Politik Spanier, t)

Bald trat an die Stelle des von Karl befolgten deutschen Systemsein spanisches Rcgierungssystcm. Zunächst machte sich Philipp deneinheimischen Adel zum Feinde, indem er dem spanischen Adel unbc-

1) Dcr Gegensatz der Nationalitäten war unter den Ursachen des Aufstandesgewiß von Bedeutung. Unnachahmlich hat ihn Ranke in wenigen Zügen gezeichnet:„Bei den Spaniern finden wir eine entschiedene Richtung zu öffentlichem Hervor-treten , zu glänzender Erscheinung. Sie wollen Ritter sein: sie wollen Würdenbekleiden; sie scheuen nicht eine gewisse Pracht auf der Straße mit Armuth undEntbehrung zu Hause zu erkaufen. So wie sie eine Beleidigung zu unauslösch-lichem Haß antreibt, so verbindet sie eine Wohlthat zu parteiischer Ergebenheit.Die Niederländer sind dagegen ganz einem behaglichen Privatleben zugewendet.Zuerst muß das Haus, das sie bewohnen, wohl gefüllt, es muß mit reinlichemHausrath jeder Art ausgestattet sein. Dann bekleiden sie wohl ein öffentliches Amt;doch ist dieß einmal geschehen, so sind sie zufrieden und treten auch wieder zurück.Von den öffentlichen Dingen wünschen sie hauptsächlich durch keine Unordnung undGewaltsamkeit in ihren Besitzthümern gestört zu werden. Zu persönlichen Partciungensind sie weniger aufgelegt. Jene sind kriegerischer, diese friedlicher; jene kühne An-greifer, diese herzhafte Vertheidiger; jene mehr auf Gewinn, diese mehr auf Er-werb bedacht. Welch' ein Unterschied ist zwischen dem Vergnügen des Volkes andem Stier, den der Ritter mit der Lanze entgegcnreitend erlegt, oder den manvon steilem Berg einen engen Weg nach dem Fluß herabjagt, wo er ersäuft, und jenenFestlichkeiten, welche sich etwa die rhetorischen Gilden niederländischer Städte gaben,wenn sie irgend einen Spruch oder eine verständliche Wahrheit mit sinnbildlicherPracht darstellend in Sammet und Seide verkleidet, auf altfränkischen, reich ge-schmückten Spielwagen zu einander einzogen. Die Lust dcr Niederländer war,wenn der ganze gebratene Ochse auf dem Markt zu sehen war, wenn der Weindurch die Rohre sprang, wenn die Männer hoch an den Mastbäumen Kleinodeerkletterten, wenn die Frauen nach fern aufgesteckten Preisen mn die Wette liefen,wenn dann Nachts am hohen Thurm zu Antwerpen viel hundert Laternen der Freudebrannten."