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I. Zeitalter der Kirchentrennung.
als er nothwendig brauchte. Mit anderen Edelleuten war er lustigund fröhlich bis zur Ausgelassenheit, um als ihr Genosse Einflußauf sie zu gewinnen; mit Staatsmännern dagegen vorsichtig und zurück-haltend, uni viel zu hören, viel zu ergründen, und doch nie Jemandenin seinem eigenen Herzen lesen zu lassen.
Lamoral, Graf von Egmont, in Holland geboren, war einmuthigcr Kriegsmann, dessen Ruhm durch die Siege von St. Quintinund Grevelingen in ganz Europa widerhallte, und ein edler, redlicherund treuer Charakter. Wie tapfer er aber auch auf dem Schlacht-felde sich benahm, im täglichen Leben war er träge und biegsam. Esward daher auch Wilhelm von Oranien nicht schwer, den guten Egmontgegen die Diener des Königs aufzuhetzen, und ihn unbewußt die Pro-testanten begünstigen zu lassen, obwohl er der katholischen Religionund dem Könige auf das Wärmste zugethan war.
Philipp v on M ontmorency, Graf von Hoorn, von hol-ländischer Abkunft, war Großadmiral, und hatte ganz den Charaktereines Seemanns. Er war rauh und muthig, geneigt, an allen Be-wegungen, die seinem unruhigen Geiste Nahrung geben konnten, Theilzu nehmen, doch nicht scharfblickend genug, um zu berechnen, welcheFolgen seine Thaten haben könnten.
Diese vier Männer saßen im Staatsrath, und außer ihnen nochViglius von Aytta, ein ausgezeichneter Rechtsgelehrter, und derGraf von Barlaymont, bedeutend durch seine genaue Kenntnißder Finanzen des Landes.
Wilhelm von Oranien, Egmont und Hoorn hätten sich begnügenkönnen mit dem Antheil, den sie an der Regierung als Mitgliederdes Staatsraths und Statthalter von Provinzen hatten. Aber esschmerzte sie, zu sehen, daß Granvella, Viglius und Barlaymont, so-wie die Statthaltern! die geheimen Briefe des Königs für sich behielten,und über die wichtigsten Sachen entschieden, ohne sie Theil nehmenzu lassen. Da sie wußten, daß Granvella das Haupt und dieSeele des geheimen Raths war, so entbrannten sie in Haß gegenihn, betrachteten es als eine unleidliche Kränkung, daß ein Mannvon bürgerlicher Abkunft mehr Macht haben solle, als sie, und konntenes ihm nicht verzeihen, daß sie sich häufig vor seinem Einflüsse undseinem politischen Scharfblicke beugen mußten.
Gehen wir nun zur Betrachtung der Ursachen über, welche dieUnruhen in den Niederlanden hervorriefen, so muß allererst die Un-zufriedenheit des Adels bezeichnet werden.
Während der langen Kriege Kaiser Karl's waren die Edelleute,