Abfall der Niederlande.
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die der Herzogin Margaretha übergeben werden sollte. Am 5. April1566 versammelten sich zu Brüssel an vierhundert Edelleute, welchesich sämmtlich der Statthalterin vorstellten, um ihr die Bittschrift zuübergeben. In dieser Schrift und durch den Mund Heinrich's vonBrcdcrodc baten sie um eine Versammlung der Stände des Landes,und um Aufhebung der Glaubensuntersuchuug und bestehenden Befehle.
Sie erhielten von der Statthalterin zur Antwort, sie hoffe, dieUntersuchung wcgeu des Glaubens werde abgeschafft und die kaiser-lichen Edikte gemäßigt werden; vor Allem aber gezieme es sich, dieAntwort des Königs abzuwarten.
Die meisten Historiker erzählen, daß, als die Statthalterin amTage der Ueberrcichung der Bittschrift über die große Anzahl derEdelleute erschreckt gewesen, der Graf von Barlaymont auf französischzu ihr gesagt habe: „Iku88nrs3-vou8, Nnäuine, es n'ö8k M'unstroups äo ßnöux," (beruhigen Sie sich, Madame, es ist nur einHaufen Bettler). Wie dem auch sei, die Unzufriedenen eigneten sichvon diesem Augenblicke die Benennung Geusen an, und man nanntespäter alle diejenigen so, welche von der katholischen Religion zurneuen Lehre übergegangen waren. Unter dem scheinbaren Schutzedes Adels hatte dieselbe sich weiter verbreitet; Prädicanten verschiedenerParteien befanden sich in fast allen Provinzen der Niederlande undbemühten sich öffentlich Anhänger zu gewinnen.
Unter diesen Verhältnissen wußte Margaretha nicht, was siethun sollte. Sie schrieb nochmals an den König und bat ihn dringend,nach den Niederlanden zu kommen; ihr zu erlauben, die allgemeinenStände des Landes zu versammeln und ihr zu sagen, welche Mittelsie bei diesem bedenklichen Zustande zu ergreifen habe. Der Königantwortete auf Alles mit unbestimmten Reden und ließ die Statt-halterin in ihrer Rathlosigkeit ohne Hülfe.
Mittlerweile begann man in fast allen Städten öffentlich gegenden katholischen Glauben zu predigen und viel Volk zu den Ver-sammlungen zu locken. Im Monate August 1566 begannen einigeCalvinistcn, von französischen Landstreichern unterstützt, die Bilderlängs den Heerstraßen umzustürzen und zu zerstören. Bald darauferkühnten sie sich, in Kapellen einzudringen und alle Zeichen deskatholischen Gottesdienstes darin zu vernichten. Diese Kirchenschändungwar ein Ruf, der in allen Städten der Niederlande abscheulichenWiderhall fand. Der blinde Pöbel, den man gegen den Gottes-dienst aufgehetzt hatte, vereinigte sich mit unzüchtigen Weibern undfremden Buben, erbrach Kirchen und Klöster, verjagte und miß-