Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchcntrennung.

handelte die Priester, riß die Bilder des Erlösers und der Heiligennieder, raubte Gold und Edelsteine, trat die geweihten Gegenständemit Fußen und trieb solche Schandthaten auf den Trümmern derzerstörten Altäre selbst, daß es jedem ehrlichen Menschen Abscheueinflößte. Wie ein verheerendes Feiler verbreitete sich der Bilder-sturm; in wenigen Tagen waren die meisten Kirchen, Klöster undAbteien Belgiens durch wüthende Banden geplündert, verwüstet, ge-schändet. Die Licbfrauenkirche zu Antwerpen, so reich an schönenAltären und unschätzbaren Meisterwerken der Kunst, war der Gegen-stand besonderer Wuth. Hier ließen sie nichts unzerstört; mit un-züchtigem Spotte warfen sie das Marienbild um, rissen die Ge-mälde in Stücke, zertrümmerten die Statuen, streuten die Hostienauf den Boden, schmierten ihre Schuhe mit dem heiligen Oele,schleppten Fahnen und pricsterlichc Gewänder durch den Koth undfüllten so an einem Tage das Maß der Bosheit bis an denRand. Der Schrecken der Bürger und der Obrigkeit war so groß,daß Niemand auf den Gedanken kam, der Bilderstürmerci durchGewalt Einhalt zu thun. Jeder fürchtete für sein eigenes Leben undGut, und ehe die allgemeine Bestürzung abnahm, gab es in denüberfallcnen Städten schon kein einziges äußeres Zeichen des katholischenGottesdienstes mehr. Diese Gewaltthaten öffneten Vielen die Augen.Eine bedeutende Anzahl katholischer Bürger, welche aus Unzufrieden-heit und ohne es zu ahnen, die Reformation begünstigt hatten, be-merkten jetzt erst, daß man es nicht allein auf die Spanier, sondernhauptsächlich auf die katholische Religion abgesehen habe. DieNeformirten erklärten zwar schriftlich, die Bilderstürmerci sei gegenihren Willen geschehen, und sie beklagten selbst die Ausschweifungen;da sie aber unmittelbar darauf sich der verwüsteten Kirchen bemäch-tigten und dort zu predigen begannen, schenkte man ihrer Erklärungkeinen Glauben. Dem größten Theile der verbündeten Edelleuteward jetzt die Binde von den Augen gerissen. Sie, die der katho-lischen Religion treu geblieben zu sein wähnten, sahen nun vollSchrecken und Reue, welchen furchtbaren Schlag sie ihrem eigenenGlauben versetzt hatten, und trennten sich von denen, welche erklärten,mit dem angefangenen Werke fortfahren zu wollen.

Die unglückliche Statthaltern! hatte die Tage des Bildersturmsin tödtlicher Angst verlebt und sich bereit gehalten, nach Bergen(Mons) im Hennegau zu flüchten. Aber die Bürger, voll Angstüber die Folgen dieser Abreise, besetzten die Thore, um es zu ver-hindern. Durch ihren guten Willen und die Wachsamkeit des Grafen